Windkraftausbau mit Augenmaß

26. September 2013 | Kira Crome

Der Tag der Bundestagwahl stand in der Stadt Sendenhorst im Kreis Warendorf auch im Zeichen der Windenergie. Eine Mehrheit der Bürger stimmte am Sonntag beim Bürgerentscheid gegen den weiteren Zubau von Windenergieanlagen in Sendenhorst. 

Es war der erste Bürgerentscheid zur Windenergie in Nordrhein-Westfalen: Mit einer hohen Wahlbeteiligung von knapp 70 Prozent haben die Bürger der Stadt Sendenhorst beim Bürgerentscheid gegen den Beschluss des Stadtrates gestimmt und damit einen weiteren Ausbau der Windenergie ausgebremst. Das Abstimmungsergebnis ist aber keine Absage an die Energiewende: Denn schon jetzt werden bereits 76 Prozent des Sendenhorster Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt. Die vorhandenen 22 Windenergieanlagen liefern bereits über 60 Prozent des Energiebedarfs.

Bei dem weiteren Ausbau von erneuerbaren Energiequellen wünschen sich die Bürger von ihren Stadtvätern vor allem Augenmaß. Mit dem Vorhaben, eine weitere Konzentrationszone im Flächennutzungsplan auszuweisen, hat sich der Rat der Stadt zum Ziel gesetzt, den örtlichen Strombedarf bis zum Jahr 2025 zu mindestens 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Ausbaugegner argumentieren, dass dieses Ziel auch ohne einen weiteren Windpark erreicht werden könnte: Zwei zusätzliche Windenergieanlagen sind bereits genehmigt und müssen noch gebaut werden. Ferner ist die Umrüstung von alten, bestehenden Anlagen bereits geplant. Zusammen mit den Erträgen aus den vielen vorhandenen Solar- und Biogasanlagen könnte die Stadt Sendenhorst ihr Klimaziel rein rechnerisch schon bis zum Jahr 2017 erreichen.

Befürworter verweisen dagegen auf die Vorreiterrolle, die die Stadt Sendenhorst in Sachen Windenergie im Kreis Warendorf schon jetzt einnimmt. Im Hinblick auf das politische Ziel einer Vollversorgung der Republik mit Strom aus erneuerbaren Energien, seien manche Kommunen gefordert, ihre Potentiale voll auszuschöpfen und ihr Soll über zu erfüllen. Mit dem über den Eigenbedarf hinaus produzierten Strom könnten dann benachbarte versorgungsschwache Regionen potentiell mit versorgt werden.

Das Wahlergebnis vom Sonntag bedeutet nicht das Ende des Windenergieausbaus in Sendenhorst. Doch es ist ein deutlicher Hinweis an Verwaltung und Politik, künftig einen noch intensiveren Dialog mit den Bürgern über maßvolle und konsensfähige Lösungen zu suchen.

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