Windenergie neben Wachtelkönig und Rotmilan

11. Oktober 2016 | Kira Crome

© MSohn; https://commons.wikimedia.org

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Betreiber eines geplanten Bürgerwindparks im Kreis Soest und zwei Artenschutzorganisationen haben vor Gericht einen außergewöhnlichen Vergleich erreicht. Jetzt können die sechs Windenergieanlagen gebaut werden.

77 Hektar groß ist die Fläche auf der Heddinghäuser Haar im Kreis Soest, auf der sieben Landwirte und Grundstückseigentümer einen Bürgerwindpark errichten wollen. Das Gebiet bei Rüthen liegt am Rande des Vogelschutzgebietes Hellwegbörde. Sechs 150 Meter hohe Windenergieanlagen sollen hier künftig regenerativen Strom erzeugen. Ende 2014 hatte der Kreis Soest die Planungen der Bürgerwindakteure genehmigt, die schon während des Genehmigungsverfahrens für Streit gesorgt hatte: Der Naturschutzbund (NABU) und die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest hatten den Standort als artenschutzrechtlich bedenklich kritisiert. Sie fürchteten um den Bestand der in der Heddinghäuser Haar ansässigen Fledermaus-, Wachtelkönig- und Rotmilanpopulationen. Sie gehören zu den stark gefährdeten Arten. Gegen die Genehmigungserteilung reichten die beiden Artenschutzorganisationen schließlich Klage am Verwaltungsgericht Arnsberg ein.

Im Juni 2016 endete das Verfahren mit einem außergewöhnlichen Vergleich. Kern der gerichtlich moderierten Einigung: Ein engmaschiger Katalog von artenspezifischen Abschaltzeiten. Zum Schutz des Wachtelkönigs werden die Windräder im Mai und Juni jeweils eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang abgeschaltet. Im August und September, nach der Brutzeit des Rotmilans, dürfen sie von Sonnenaufgang bis drei Stunden danach und fünf Stunden vor Sonnenuntergang nicht laufen. Um den Schutz der Fledermäuse zu gewährleisten, hat man sich auf artspezifische Abschaltzeiten im April und Mai sowie von August bis Oktober zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang und entsprechenden Flugwetterbedingungen geeinigt.

Für die Betreiber bedeuten die Auflagen deutliche Ertragseinbußen. „Die Betriebseinschränkung hat uns natürlich weh getan“, sagt Josef Püster von der Heddinghäuser Bürgerwind Betriebsgesellschaft. „Mit dem Vergleich haben wir aber die Möglichkeit, die Anlagen sicher zu betreiben.“ Eine langwierige gerichtliche Auseinandersetzung mit offenem Ende sei letzten Endes das größere Risiko. Das Projekt, an dem auch Bürger im Umkreis des Windparks finanziell beteiligt werden sollen, werde sich dennoch rentieren, ist Püster überzeugt: „Wir haben einen guten Wind-Standort und eine relativ günstige Infrastruktur was den Wegebau und die Kabelverlegung anbelangt. Wir versprechen uns daher immer noch ein gutes Betriebsergebnis.“

Die Artenschützer zeigen sich zufrieden. „Diese konstruktive Haltung ermöglichte es, zu einem für beide Seiten akzeptablen Interessenausgleich zu gelangen“, sagt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes NRW. Derzeit klagt der Umweltschutzverband gegen drei weitere Windenergievorhaben in Nordrhein-Westfalen. Zuletzt hatte der Verband mit einem Eilantrag einen vorläufigen Baustopp für elf Windenergieanlagen im Stadtgebiet von Marsberg auf der Paderborner Hochfläche erwirkt. Eine Klage gegen den Bau von zwei Windenergieanlagen am Rande des Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein im Kreis Wesel hat der Naturschutzbund verloren.

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