Wie Fußballspieler und Tatort-Kommissare die Öffentlichkeitsbeteiligung verbessern

5. März 2018 | Steffen Kawohl

© EnergieAgentur.NRW

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Auf dem Seminar Energiewende vor Ort: Wie, wann, warum die Öffentlichkeit beteiligen? des EnergieDialog.NRW in Münster diskutierten Vertreter von Kommunen, Projektentwicklern und anderen Akteuren, wie sich Beteiligung verbessern lässt. Dr. Frank Claus erläuterte, warum Emotionen wichtiger sein können als Fakten.

Wie können soziale Gruppen zur Beteiligung bewegt werden, die schwer zu erreichen sind? Wie lassen sich Online-Medien nutzen, um Beteiligung zu verbessern? Und wozu sollen Bürger und die Öffentlichkeit überhaupt beteiligt werden? Diesen und vielen weiteren Fragen widmete sich das Seminar Energiewende vor Ort: Wie, wann, warum die Öffentlichkeit beteiligen? des EnergieDialog.NRW am 22. Februar in Münster. Aus ganz Nordrhein-Westfalen fanden rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem strahlendschönen Wintertag ins Johanniter-Gästehaus, um sich zu diesem aktuellen Thema auszutauschen und darüber zu diskutieren, wie sich die Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung beim Ausbau der erneuerbaren Energien in der täglichen Arbeit verbessern lässt.

Der erste Teil der Veranstaltung am Vormittag fokussierte sich darauf, die Teilnehmenden über die Grundlagen der Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung zu informieren. Tomke Lisa Menger führte dazu zunächst in einem allgemeinen Vortrag in das Thema ein. Sie befasst sich beim EnergieDialog.NRW intensiv mit Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Energiewende und erläuterte den Unterschied zwischen formeller und informeller Beteiligung. Mit dem Beteiligungsparadox ging sie außerdem auf einen Punkt ein, der häufig eine Hürde für einen gelingenden Beteiligungsprozess darstellt. Dahinter verbirgt sich die Herausforderung, dass die Öffentlichkeit zu Beginn eines Planungs- und Genehmigungsprozesses oft nur ein geringes Interesse daran hat, sich einzubringen. Je weiter dieser Prozess dann allerdings voranschreitet, desto größer wird das anfangs geringe Interesse sich einzubringen aber schließlich. Gleichzeitig verringert sich der Entscheidungsspielraum und damit auch die Möglichkeit, die Planung zu beeinflussen und zu verändern.

Anschließend war dann das Vorstellungsvermögen der Teilnehmenden in einem World-Café gefragt. Das Szenario: die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Änderung des Flächennutzungsplanes einer Gemeinde zur Ausweisung von Windkonzentrationszonen. Dazu versetzten sich die Teilnehmenden in die Lage der verschiedenen zu beteiligenden Akteursgruppen. In zwei Runden diskutierten sie an verschiedenen Tischen über die möglichen Befürchtungen, Wünsche und Erwartungen von Bürgerinitiativen, nicht-organisierten Bürgern, Umweltverbänden sowie Flächenbesitzern an den Beteiligungsprozess und die Ergebnisse der Beteiligung. Als sich die einzelnen Gruppen anschließend gegenseitig vorstellten, was sie zuvor erarbeitet hatten, wurde deutlich, dass den einzelnen Akteursgruppen sehr unterschiedliche Aspekte an einem Beteiligungsverfahren wichtig sind. Alle Gruppen hatten jedoch auch gemeinsam, dass sie großen Wert auf Informationen und Transparenz während der Beteiligung legen.

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Im zweiten Teil des Seminars tauchte Dr. Frank Claus, Gründer des Beteiligungsinstituts IKU_Die Dialoggestalter mit den Teilnehmenden tief in die Praxis der Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung ein. In einem ausführlichen Vortrag führte er anschaulich aus, wozu Öffentlichkeitsbeteiligung überhaupt durchgeführt werden sollte und erklärte, unter welchen Umständen Beteiligung gelingt. Auf die Frage, wie man schwererreichbare Zielgruppen für eine Beteiligungsmaßnahme gewinnen kann, empfahl der Beteiligungsexperte, auf Emotionen statt auf Fakten zu setzen. „In einer Stadt wie Dortmund lässt sich das Interesse bestimmter Zielgruppen durchaus erhöhen, wenn ein Fußballspieler von Borussia Dortmund oder ein aus dem Fernsehen bekannter Kommissar des Dortmunder Tatorts zu einem relevanten Thema spricht“, erklärte Dr. Frank Claus. Im Anschluss an seinen Vortrag nahm sich der Gründer von IKU noch mehr als eine Stunde Zeit, um mit den Teilnehmenden Fragen zu erörtern, die ihnen unter den Nägeln brannten. Nach einem intensiven Tag mit spannenden Anregungen und Eindrücken, waren die Teilnehmenden schließlich gerüstet, um der Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung in ihrem Arbeitsumfeld neue Impulse zu verleihen.

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