Wettbewerb: Klimaschutz in der Nachbarschaft

7. Juni 2018 | Kira Crome

Erste Ideen für selbstgebaute Lastenräder im Bonner Nachbarschaftsprojekt Velowerft © Bonn im Wandel

Erste Ideen für selbstgebaute Lastenräder im Bonner Nachbarschaftsprojekt Velowerft © Bonn im Wandel

Ob Repair-Café, E-Lastenfahrradverleih, urbaner Gemeinschaftsgarten, Food Sharing-Angebot oder Mitfahrkonzept: Nachbarschaftsinitiativen stärken nicht nur den Zusammenhalt im Viertel, sie treiben auch Klimaschutz und Ressourceneffizienz voran. Das Bundesumweltministerium hat jetzt eine zweite Förderrunde des Programms „Kurze Wege für den Klimaschutz“ gestartet. Bis zum 1. Juli 2018 können sich Nachbarschaftsprojekte bewerben. Antragsberechtigt sind Kommunen, eingetragene Vereine und Genossenschaften.

In der „Velowerft“ haben sich acht Bonner Nachbarschaften und Bürgerinitiativen zusammengefunden. Ihr Vorhaben: Sie wollen unter fachlicher Anleitung gemeinsam Lastenräder bauen. Besondere Herausforderung: Aus nachhaltigen Rohstoffen sollen sie sein. „Die Forschung zeigt, dass rund die Hälfte aller Transporte innerhalb europäischer Städte auch mit dem Fahrrad oder Lastenrad erfolgen können. Das gilt sicherlich auch für Nordrhein-Westfalen“, ist Initiator Ulrich Buchholz überzeugt. Mit ihrem markanten Erscheinungsbild betreiben die Lastenräder Marke Eigenbau permanent Öffentlichkeitsarbeit, lautet das Kalkül der Hobby-Tüftler: „So werden andere Menschen angesteckt, auch ein Lastenrad zu leihen, zu bauen oder zu kaufen, und werden so selbst zum Multiplikator.“ Auf diese Weise passe sich die städtische Infrastruktur dem Klimaschutz allmählich an.

Gefördert wird das Projekt Velowerft mit Mitteln des Programms „Kurze Wege für den Klimaschutz“ im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI), das das Bundesumweltministerium im letzten Jahr ausgeschrieben hat. Insgesamt 60 Projekte sind in der ersten Förderrunde mit rund 4,9 Millionen Euro gefördert worden. „Durch nachbarschaftliche Vorhaben können auf kurzen Wegen nachbarschaftliche Klimaschutzmaßnahmen wirken und Ressourcen eingespart werden“, heißt es im Förderaufruf. „Die praktische Anbindung an die Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger ist dabei unerlässlich“, lautet die Bedingung.

Darauf setzt auch Benjamin Schaarwächter. Er lebt in einem kleinen Dorf im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland östlich von Berlin. „Mobilität wird hier auf dem Land zur organisatorischen Herausforderung“, sagt der Familienvater. Seine Lösung: Eine Smartphone-App für das gegenseitige Mitnehmen im Dorf. Damit können Familien, Berufstätige, junge und ältere Menschen Wege auf dem Land teilen. „Wir wollen Zeit, Emissionen, Kosten sparen – und gleichzeitig das nachbarschaftliche Miteinander stärken“, erklärt Schaarwächter das Konzept. Viele Wochen hat der Geograph mit seinen Mitstreitern in die Entwicklung der App investiert, die möglichst anwenderfreundlich und einfach handhabbar sein soll. Im Juni können die ersten Testläufe beginnen. Läuft alles gut, soll die Mitfahr-App auch anderen Kommunen zu Gute kommen. „Wir entwickeln unsere App nach dem Open Source-Prinzip und stellen sie als öffentliches Gut interessierten Gemeinden und Nachbarschaftsgemeinschaften zur Verfügung. Sie können sie dann individualisieren und für ihre Zwecke weiterentwickeln. Auf Wunsch können wir die Anpassung auch übernehmen.“

Nicht nur nachbarschaftlich geplante Lösungen für klimafreundliche Mobilität werden von dem Bundesförderprogramm finanziell unterstützt. Auch Initiativen, die sich mit Ernährung und Konsum, Abfall und Recycling oder Bildungsangeboten zum Energiesparen und Klimaschutz beschäftigen, werden gefördert. Bedingung ist: Die Projektkonzepte sollen zur Umsetzung der Klimaschutzziele der Bundesregierung beitragen, indem sie Rahmenbedingungen für energieeffiziente und ressourcenschonende Lebensstile schaffen. Vier Millionen Euro standen dafür in der ersten Förderperiode zur Verfügung.

Die Palette der Möglichkeiten, Klimaschutz und Nachbarschaftsarbeit auf einen Nenner zu bringen, ist breit: Im bayerischen Bamberg zum Beispiel wollen Nachbarn gemeinsam gärtnern und ernten, in Bremen baut eine Nachbarschaftsinitiative einen Tauschladen im Stadtteil Finndorf auf. In Frankfurt sollen multimedial Stadtteilrallyes zu Klimaschutzthemen entwickelt werden, in Landau an der Südlichen Weinstraße bilden Studierende Schülerinnen und Schüler zu Klimaschutzbotschaftern aus.

Jetzt ist die zweite Förderrunde gestartet. Bis zum 1. Juli 2018 können sich Kommunen, eingetragene Vereine, Genossenschaften und Religionsgemeinschaften mit Körperschaftsstatus mit ihrem Vorhaben bewerben. Bezuschusst werden nicht-investive Vorhaben, die konkrete, umsetzungsorientierte Angebote zur Realisierung klimaschonender Aktivitäten in der Nachbarschaft im Stadtviertel oder im Dorf schaffen. Die Mindestzuwendung beträgt 5.000 Euro. Die Antragsteller müssen eine Beteiligung durch Eigenmittel und gegebenenfalls die Mobilisierung zusätzlicher Drittmittel nachweisen. Über die Details informiert der Projektträger Jülich.

 

Weiterführende Information:

www.ptj.de/klimaschutzinitiative/nachbarschaften