Wasserkraft in NRW: LANUV stellt Studie vor

2. Juni 2017 | Kira Crome

Das Wasserwerk Stiepel wird weiter zum Wasserkraftwerk ausgebaut. Künftig soll es jährlich 5,4 Mio. Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugen und damit zur Hebung der NRW-Wasserkraftpotenziale beitragen. © Stadtwerke Bochum

Das Wasserwerk Stiepel wird weiter zum Wasserkraftwerk ausgebaut. Künftig soll es jährlich 5,4 Mio. Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugen und damit zur Hebung der NRW-Wasserkraftpotenziale beitragen. © Stadtwerke Bochum

Die Möglichkeiten, die Nutzung der Wasserkraft in Nordrhein-Westfalen auszubauen, sind weitgehend ausgeschöpft. Das zeigt die aktuelle Potenzialstudie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Ungenutzte Potenziale sollen umweltverträglich erschlossen werden, zum Beispiel durch Repowering älterer Anlagen und die Errichtung moderner Wasserkraftanlagen an neuen Standorten.

Bis vor eineinhalb Jahren wurde im Bochumer Wasserwerk Stiepel noch Trinkwasser gefördert. Künftig soll es regenerativen Strom aus Wasserkraft erzeugen. Das Turbinenwerk hätte hinsichtlich des vorbeugenden Gesundheitsschutzes bei der Wasseraufbereitung umfangreich modernisiert werden müssen. Geschätzte Kosten: Rund 20 Millionen Euro. Stattdessen haben sich die Betreibergesellschaft Wasserbeschaffung Mittlere Ruhr (WMR), eine Tochter der Gelsenwasser AG und der Stadtwerke Bochum, zu einer Umnutzung und den Ausbau der Ökostromproduktion entschieden. Zwei der vorhandenen Kaplanturbinen erzeugen schon seit 1995 regenerativen Strom. Jetzt werden sie ertüchtigt. Weitere zwei, die bis zuletzt zum Antrieb der Förderpumpen dienten, werden ebenfalls umgerüstet und mit Generatoren zur Stromerzeugung ausgestattet. „Nach Abschluss der Arbeiten können mit dem Ökostrom aus Stiepel umgerechnet mindestens 2.000 Haushalte versorgen“, sagte WMR-Geschäftsführer Frank Thiel zu Beginn des Umbaus Ende April. Für rund 2,6 Millionen Euro Investitionskosten wird das ehemalige Trinkwasserwerk zum Wasserkraftwerk. Ist die Modernisierung Ende des Jahres abgeschlossen, soll es künftig nach aktuellen Planungen jährlich rund 5,4 Mio. Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugen.

Standorte Wasserkraft NRW (Energieatlas, Stand Dez, 2015) © LANUV

Mit dem Umstieg von der Trinkwasserförderung auf die Ökostromerzeugung trägt das Bochumer Wasserkraftwerk Stiepel zum Ausbau der bisher noch ungenutzten Wasserkraftpotenziale in Nordrhein-Westfalen bei. 427 Wasserkraftwerke unterschiedlichster Anlagenart und Größe erzeugen in Nordrhein-Westfahlen 189 Megawatt Strom, hat die aktuelle Potenzialstudie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) errechnet.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein großer Teil des vorhandenen Gesamtpotentials zur Wasserkraftnutzung in NRW bereits genutzt werden, schließt das LANUV aus der Machbarkeitsuntersuchung. Maximal 24,4 Megawatt könnten noch erschlossen werden. Zwischen 19.200 und 34.700 Haushalte könnten damit mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden. Doch für den Ausbau der Wasserkraftnutzung durch den Bau neuer Anlagen ist der Platz begrenzt. Nicht nur aus technischen und ökonomischen Gründen, sondern auch im Hinblick auf Umwelt und Natur kann nicht jedes ungenutzte Potenzial nachhaltig erschlossen werden. Die Landesregierung will bislang den Ausbau der Wasserkraftnutzung zur Ökostromproduktion nachhaltig angehen. „Die Herausforderung ist es jetzt, das verbliebene Potenzial der Wasserkraft auf möglichst ökologische Art und Weise zu heben“, sagte Umweltminister Johannes Remmel zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie. Die Erschließung soll deshalb vor allem an großen Anlagen ansetzen und durch Repowering bestehender Anlagen erreicht werden.

Dabei müssen die Belange der Gewässerökologie und des Fischschutzes beachtet werden, die sich aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem Landesfischereigesetz ableiten. Auch beim Umbau des Bochumer Wasserwerks Stiepel zum Wasserkraftwerk wird beispielsweise eine Fischaufstiegsanlage neben dem Kraftwerksgebäude errichtet, um den Lebensraum der Fische in der Ruhr zu erhalten.

Die Berücksichtigung des Gewässer- und Artenschutzes beim Ausbau der Wasserkraftnutzung birgt für Kraftwerks- und Anlagenbetreiber die Herausforderung, die zum Teil unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure so weit wie möglich in Einklang zu bringen. Unterstützung dabei bietet das Büro für Wasserkraft der EnergieAgentur.NRW. Zu seinen Aufgaben gehört es, Informationen zu vermitteln und Angebote zu schaffen, um die Akteure der benachbarten Interessen am Fließgewässer zu vernetzen, deren Dialog zu fördern und kurze Vermittlungswege zwischen Fachleuten von Wasserbehörden, Umwelt- und Naturschutzverbänden, Fischerei und Angelvereinen und den Betreibern von Wasserkraftanlagen herzustellen.

Welche Nutzungskonflikte sich beim Ausbau der Wasserkraft ergeben und wie sie erfolgreich gelöst werden konnten, zeigt die Projektübersicht der EnergieAgentur.NRW. Vom Pumpspeicherkraftwerk in Finnentrop über die denkmalschutzgerechte Modernisierung der wassergetriebenen Grewen Mühle bis zur Optimierung der klimafreundlichen Bierproduktion mithilfe von Wasserkraft in der Warburger Brauerei: Sie informiert über ausgewählte Wasserkraft-Projekte quer durch Anlagenarten und Technologien aus ganz Nordrhein-Westfalen.

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