Was macht das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende?

21. Oktober 2016 | Kira Crome

Screenshot www.naturschutz-energiewende.de © KNE

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Nach zweijähriger Aufbauarbeit hat das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende im Sommer seine Arbeit aufgenommen. Es ist auf Betreiben von Umweltschutzverbänden entstanden und will den Diskurs in Wissenschaft, Naturschutz und Planungspraxis zur Vereinbarung von Natur- und Artenschutz mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien versachlichen.

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In der Institutionenlandschaft zur Förderung der Energiewende gibt es einen neuen Akteur: Im Juli hat das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) nach zweijähriger Aufbauarbeit seine Arbeit aufgenommen. Die vom Bundesumweltministerium geförderte Einrichtung soll helfen, die lokale Energiewende naturverträglich zu gestalten. Im Fokus ihrer Arbeit steht die Lösung von Konflikten im Spannungsfeld zwischen dem Ausbau Erneuerbaren Energien und dem Naturschutz. Im Laufe der Verfahren bei der Findung neuer Windenergiestandorte werden die Belange zum Schutz der Lebensräume und Durchzugsgebiete von Vögeln und Fledermäusen anhand naturschutzrechtlicher Untersuchungen geprüft und beurteilt. Trotz erheblicher wissenschaftlicher Erkenntnisgewinne über das Verhalten windenergiesensibler Arten sind die Wirkungszusammenhänge zwischen Technik und Umwelt gleichwohl noch nicht gänzlich erforscht. Hinzu kommt eine komplexe Rechtslage. In vielen Fällen tauchen deshalb zu Verfahrenswegen und zur Anwendung von Methoden und Fachstandards Fragen auf; Vertrauens- und Wissensdefizite verschärfen das Gesprächsklima vor Ort. Das achtköpfige Team des Kompetenzzentrums soll nun Abhilfe schaffen und betroffene Akteursgruppen unterstützen, tragfähige Lösungen zu finden. „Wir wollen zur Versachlichung der Debatten beitragen und die Konfliktklärung vor Ort unterstützen“, beschreibt KNE-Direktor Torsten Ehrke die Aufgaben.

Dafür soll das Kompetenzzentrum die verschiedenen Akteure aus Naturschutz und Planungspraxis, Wissenschaft und Forschung, Vertreter der Länder und Kommunen und der Energiewirtschaft an einen Tisch bringen. „Dazu organisieren und moderieren wir ergebnisoffene Fachdialoge im Themenfeld Naturschutz und Energiewende, um einvernehmliche Lösungen zu erarbeiten“, erklärt Ehrke. Welche Themen das genau sein werden, entscheidet der Beirat der Einrichtung mit. Ihm gehören derzeit 14 Vertreter aus Naturschutz, Energiewirtschaft, Wissenschaft sowie Bund und Ländern an. Sie wurden auf Vorschlag des Bundesumweltministeriums berufen. „Welche Fragestellungen die Fachdialoge konkret mit welchen Zielen und Arbeitsschritten bearbeiten wollen, entscheiden jedoch die Teilnehmenden“, so Ehrke.

Ein zweiter Aufgabenbereich ist die Aufbereitung von Fachinformationen aus Wissenschaft, Rechtsprechung, Planungspraxis und Politik. Dafür will das KNE-Team neue Studien evaluieren und im Licht von Stellungnahmen relevanter Akteursgruppen kritisch diskutieren. Ziel sei es, Wissenslücken im Spannungsfeld von Naturschutz und Energiewende zu benennen und konkreten Handlungsbedarf zu identifizieren. Auf diese Weise könnten die bestehenden Unsicherheiten, die konkrete Projekte vor Ort begleiten, ausgeräumt werden, ist der neue institutionelle Akteur überzeugt.

Auch für interessierte Bürger will das neue Kompetenzzentrum Ansprechpartner sein. Anfragen mit Bezug zum Natur- und Artenschutz im Rahmen von Erneuerbare Energie- oder Netzausbauvorhaben können online gestellt werden.

Nicht zuletzt soll das Kompetenzzentrum auch im Konfliktfall vor Ort vermittelnd helfen. „Dafür bieten wir in Zusammenarbeit mit einer universitären Einrichtung ab dem kommenden Jahr eine zertifizierte Weiterbildung für Mediatorinnen und Mediatoren im Konfliktfeld Naturschutz und Energiewende an“, sagt Ehrke. Die Absolventen sollen dann in konkreten Fällen oder auch zur Moderation eines Fachdialogs zur Verfügung stehen.

Getragen wird die Einrichtung von der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz. Die gemeinnützige Stiftung, die mit Mitteln des Handelskonzerns Otto gegründet worden ist, fördert kulturelle, soziale und ökologische Projekte. Vorbereitet wurde die Einrichtung des Zentrums durch Deutschen Naturschutzring (DNR), der dafür im Auftrag des Bundesumweltministeriums einen Konsultationsprozess mit mehr als 300 Gesprächen geführt hat. Der Aufbau eines solchen Zentrums war 2014 im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart worden. Gefördert wird die Arbeit des Kompetenzzentrums in den kommenden vier Jahren vom Bundesumweltministerium mit insgesamt vier Millionen Euro. Für einzelne Projekte will das Zentrum Drittmittel einwerben.

www.naturschutz-energiewende.de

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