Warnlichter nach Bedarf: Erster Windpark-Radar ortet Flugzeuge

17. April 2015 | Pia Dağaşan

Pilotprojekt Bedarfsgerechte Warnlichter im Windpark Ockholm-Langenhorn

Radar gegen nächtliches Dauerblinken: Im Windpark Ockholm-Langenhorn werden die Warnlichter nach Bedarf gesteuert. © Enertrag

Durch das nächtliche Dauerblinken von hohen Windenergieanlagen fühlen sich viele Anwohner gestört. Abhilfe schafft eine Rundumüberwachungsanlage, die per Radar nahende Flugobjekte ortet und die Warnbefeuerung einschaltet. Das System wurde im letzten Jahr behördlich zugelassen. Jetzt ist die bedarfsgerechte Befeuerung nach einer ausführlichen Testphase offiziell in einem nordfriesischen Bürgerwindpark erstmalig in Betrieb genommen worden.

Das rote Dauerblinken von Windenergieanlagen in der Nacht ist regelmäßig ein Konfliktpunkt, wenn Windenergieanlagen mit einer Höhe von mehr als 100 Metern errichtet werden sollen. Die Befeuerung kennzeichnet die Anlagen als Hindernis, um herannahende tieffliegende Flugzeuge und Hubschrauber zu warnen. Das weithin sichtbare Blinken im Sekundenabstand, das viele Anwohner stört, ist jetzt im Windpark Ockholm-Langenhorn in Nordfriesland gemindert worden: Es ist der erste, der mit einer bedarfsgerechten Warnbefeuerung arbeitet.

Radarüberwachung steuert nächtliches Warnblinken

Möglich macht das eine radargestützte Rundumüberwachungsanlage, die Flugzeuge, Hubschrauber und sogar Heißluftballons mit Kurs auf den Windpark in der Dunkelheit erfassen kann. Nur wenn sich ein Flugobjekt nähert, werden die Blinklichter in der Nacht eingeschaltet. Damit das möglich wird, werden mindesten vier Sensoren in einer Höhe von 30 Metern an der Windenergieanlage angebracht. Das „Airspex“-System, das der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus gemeinsam mit dem brandenburgischen Energieunternehmen Enertrag entwickelt hat und durch die Deutsche Flugsicherung im vergangenen September zugelassen wurde, ist im nordfriesischen Windpark Ockholm-Langenhorn ausführlich getestet worden. Das Ergebnis: Während mehr als 98 Prozent der jährlichen Betriebszeit bleiben die Blinklichter ausgeschaltet.

Bedarfsgerechte Befeuerung in der Nacht entlastet Anwohner

Im Windpark Ockholm-Langenhorn sind sechs Windenergieanlagen mit dem neuen System ausgerüstet worden und laufen dort im Dauerbetrieb. Die übrigen 17 Anlagen sollen bis Herbst 2015 ebenfalls entsprechend ausgestattet werden. An dem Windpark sind 500 Familien und Landeigentümer beteiligt, die zum Großteil aus der Region stammen. Das Projekt wird jetzt schon als großer Erfolg gefeiert. Der Husumer Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing erklärte im Vorfeld der offiziellen Übergabe, der jahrelange Einsatz für eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung von Windkraftanlagen habe sich gelohnt: „Das Thema der bedarfsgerechten Befeuerung ist extrem wichtig, damit höhere und energieeffizientere Windkraftanlagen zum Gelingen der Energiewende gebaut werden können – im Einklang mit der Bevölkerung in unserer Region. Nun muss der nächste Schritt folgen, das erfolgreiche Pilotprojekt in Langenhorn künftig zum Regelfall zu machen.“

Sorgen um eine erhöhte Strahlung durch den Einsatz des Radarsystems brauchen sich die Anwohner übrigens nicht zu machen: die Strahlung des verwendeten Radars entspricht nach Angaben der Entwickler etwa der doppelten Leistung eines Mobiltelefons.

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