Veranstaltung: Wie sich Erneuerbare-Energie-Projekte auszahlen

25. September 2015 | Kira Crome

Windpark im Sommer mit Wolkenhimmel

Die dezentrale Energiewende zahlt sich aus und stärkt die regionale Wirtschaft. Das beweisen mehrere lokale Projekte.

19 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Bau von Erneuerbare-Energie-Anlagen deutschlandweit investiert. Dass sich die dezentrale Energiewende auszahlt und die regionale Wirtschaft stärkt, beweisen lokale Projekte wie etwa der direkte Verkauf von Bürgersolarstrom an eine Bochumer Schule. Dieses Beispiel und andere Möglichkeiten zur lokalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien werden am 20. Oktober auf einer Veranstaltung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen vorgestellt und diskutiert.

Die EEG-Novellierung macht neue Erneuerbare-Energie-Projekte schwieriger. Zugleich aber ist der Strom, der mithilfe von Photovoltaikanlagen erzeugt wird, inzwischen vielerorts günstiger als der Strom aus dem öffentlichen Netz. Deshalb ist es für Genossenschaften und andere Betreiber wie Stadtwerke zunehmend interessant, den vor Ort erzeugten Solarstrom direkt an die Verbraucher in dem Gebäude zu verkaufen, auf dem die Solaranlage steht. Mieterstrommodelle oder Direktverbrauch in räumlicher Nähe der Erzeugeranlage sind dafür innovative Konzepte, die die lokale Energiewende beflügeln und zugleich die regionale Wertschöpfung stärken. Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus Bochum. Dort hat eine Bürgerenergiegenossenschaft gemeinsam mit der Stadt Bochum eine Solarstromanlage auf dem Dach eines Berufskollegs errichtet, deren Strom direkt im Gebäude abgenommen wird.

Solarstrom für den Eigenbedarf

Das Projekt punktet in Sachen regionaler Wertschöpfung in mehrfacher Hinsicht: Die 63 kWp starke Photovoltaikanlage steht auf einem Gebäude, das der Stadt Bochum gehört. Die Anlage erzeugt jährlich etwa 57.000 kWh Strom, der direkt von dem dort untergebrachten Berufskolleg abgenommen wird. Lediglich der Überschuss, der vor allem an Wochenenden und zu Ferienzeiten anfällt, wird ins örtliche Netz der Stadtwerke eingespeist. Auf dem Kollegdach werden in 252 Modulen auf rund 400 qm Fläche rund 25 Prozent der jährlich im Kolleg benötigten Menge als Ökostrom direkt produziert. Eine Kosteneinsparung für die Stadt, die sich nicht nur in der Klimabilanz positiv niederschlägt: Die Direktabnahme im selben Gebäude erspart die Nutzung des Netzes. Damit entfallen Abgaben und Gebühren für die Netznutzung.

Außerdem aber wurde diese Solaranlage mit genossenschaftlich organisiertem Bürgergeld finanziert. Initiator des Projektes und Betreiber der ehrenamtlich verwalteten Anlage ist die Gelsenkirchener Bürgerenergiegenossenschaft energieBuerGEr. „Ende August diesen Jahres haben wir unser erstes Betriebsjahr abgeschlossen“, berichtet Tom Jost, Vorstand der energieBuerGEr. Die Bilanz sei zufriedenstellend. Das genossenschaftlich organisierte Projekt widerlege aber auch das immer wieder vorgebrachte Argument, der Nutzen, vor allem solarer Energieerzeugung, käme nur vermögenden Hauseigentümern zu Gute, ergänz Jost. Genossenschaftliche Mieterstrom- oder Direktverkaufmodelle seien innovative Wege, um Menschen ohne Wohn- und Dacheigentum mit Genossenschaftseinlagen an entsprechenden Investitionen in lokaler oder regionaler Energieerzeugung und damit am Klimaschutz zu beteiligen. Zusätzlich können sie über ausgeschüttete Dividenden davon profitieren.

Wertschöpfung regional verorten

Ein weiteres Plus: Die Solarstrom-Anlage auf dem Dach des Klaus-Steilmann-Berufskollegs wurde mit Modulen aus überwachter Fertigung und mit in Deutschland hergestellten Wechselrichtern, Kabeln und Stromzählern gefertigt, bei einer deutschen Gesellschaft versichert, in der Summe gebaut und angeschlossen von einem Fachbetrieb aus Westfalen. Der große Anteil der Wertschöpfung ist somit lokal und regional verortet. Auch die Schüler und Studierenden des Berufskollegs profitieren von dem Erneuerbare Energie-Projekt. Sie nutzen die Daten aus der Schuldach-Solarstromerzeugung für Projektarbeiten zu wirtschaftlichen Chancen von Erneuerbaren Energien.

Experten informieren

Welche Hürden das gemeinschaftliche Projekt der Bürgerenergiegenossenschaft und der Zentralen Dienste der Stadt Bochum nehmen musste, wird Jost auf einer Veranstaltung der Agentur für Erneuerbare Energien, der EnergieAgentur.NRW und des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW erläutern. Sie findet unter der Überschrift „Dezentrale Energiewende zahlt sich aus? Lokale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ am 20. Oktober im Wissenschaftspark Gelsenkirchen statt.

Die Veranstaltung richtet sich an Kommunalentscheider wie Bürgermeister, Landräte und Verwaltungen. Aber auch Akteure wie etwa Land- und Forstwirte, Energiegenossenschaften, Stadtwerke, Handwerker und andere mittelständische Betriebe. Neben Tom Jost von der energieBuerGEr haben unter anderem folgende Experten einen Vortrag zugesagt: Dr. Oliver Frank von der Kanzlei Engemann und Partner zum Thema „Welche Spielräume bietet die Gemeindeordnung für Kommunen und andere dezentrale Akteure?“, Oliver Wagner vom Wuppertal Institut zum Thema „Stadtwerke als Schlüsselakteure der kommunalen Energiepolitik im Ruhrgebiet“ sowie Ralph Ishorst von der NRW.Bank zum Thema „Landesförderprogramme zur energetischen Stadtsanierung“.

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