Überblick: Gute Bürgerbeteiligung bei der Windenergie

15. Oktober 2018 | Kira Crome

© Free-Photos/Pixabay

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Neueste Umfragen zeigen: Die Energiewende kommt in der Breite an. Auf dem Land sind Erneuerbare Energie-Technologien in den Haushalten verbreiteter als in den Städten. Der Bau neuer Windenergieanlagen bleibt dort trotz der generellen Zustimmung ein heikles Thema. Ein Grundlagenpapier des Bundesverbands Windenergie zeigt auf, was eine gute Beteiligung der Bürger bei der Windenergieplanung ausmacht.

Der Ausbau der Windenergienutzung ist ein Thema, das bewegt. Zwar fällt in Umfragen die Zustimmung zur Nutzung erneuerbarer Energien regelmäßig hoch aus. Die letzte Erhebung der Fachagentur Windenergie an Land zur Akzeptanz der Windenergie bestätigt wieder: 73 Prozent der Befragten haben weniger große oder gar keine Bedenken gegen den Bau von Windanlagen. Das sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass es beim Ausbau der großen Technologien für die Transformation des Energiesystems landauf, landab vielerorts knirscht. Auch das geht aus der Umfrage hervor: Ein Großteil der Befragten will das Leitbild der sozialen Gerechtigkeit in den Fokus bei der Umsetzung der Energiewende gerückt wissen. Eine über die letzten Umfragejahre hinweg gleichbleibend große Mehrheit wünscht sich zudem eine intensive, frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung beim Ausbau erneuerbarer Energien.

Das Signal ist auch in der Windenergie-Branche längst schon angekommen. Inzwischen ist klar: Ein neues Windenergievorhaben nur nach den gesetzlichen Vorgaben zu planen, reicht nicht aus. „Um auf Bedenken und Sorgen zu reagieren und die Menschen im Land auch weiterhin bei der Energiewende mitzunehmen, braucht es vor allem eines“, heißt es in einem neuen Grundlagenpapier des Bundesverbands Windenergie (BWE) zum Thema: „Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern mithilfe von Information, Dialog, Mitsprache und auch finanzieller Teilhabe.“ Wie das gelingen kann, welche Ansätze es gibt und welche Chancen daraus erwachsen, beschreibt die Handreichung „Gemeinsam gewinnen – Windenergie vor Ort“ ausführlich.

Die Autoren geben einen Überblick über die wissenschaftlichen Forschungserkenntnisse zum Thema Akzeptanz und erläutern, welche Einflussfaktoren sich in welcher Weise auf die Haltung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger auswirken. Weiter führen sie aus, welchen Nutzen Kommunen von der Windenergienutzung haben und zeichnen – illustriert durch eine Grafik – nach, wie sich die Wertschöpfungskette regional und überregional verteilt. So habe beispielsweise die rheinland-pfälzische Gemeinde Mörsdorf im Hunsrück die Einnahmen ihrer elf Windenergieanlagen vor Ort genutzt, um Deutschlands längste Hängeseilbrücke zu errichten. Die „Geierlay“ führt auf dem Hunsrücksteig in 100 Metern Höhe über eine Schlucht und sorgt seit ihrer Einweihung 2014 für hohe Besucherzahlen in der Region. Laut Machbarkeitsstudie sollen bis zu 170.000 Besucher jährlich die Brücke überqueren und der Hotellerie in der Region 50.000 zusätzliche Übernachtungen bescheren. Die Kämmerer der Region könnten mit diesen Gästezahlen mit zusätzlichen rund 2,5 Millionen Euro für die lokale Tourismuswirtschaft rechnen.

Die Botschaft fassen die Autoren in eine einfache Formel: „Die Akzeptanz steigt, sobald das Gemeinwohl gewinnt“. Der Schlüssel zum Erfolg: die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. „85 Prozent der Menschen in Deutschland halten es für wichtig, dass sich Bürgerinnen und Bürger frühzeitig am Planungsprozess für Windenergieanlagen in ihrer Umgebung beteiligen können“, heißt es im Papier. Es stellt die verschiedenen Verfahrenswege zur Bürgerbeteiligung vor, systematisiert, mit vielen Beispielen unterlegt, unterschiedliche Partizipationsmaßnahmen und Mittel zur regionalen Wertschöpfung, stellt Methoden zur Ansprache der lokalen Bürgerschaft vor und skizziert die aktuellen verschiedenen Beteiligungsansätze der Länder. Abschließend zeigen die Kurzprofile von zwölf bundesweit ausgewählten Best Practise-Beispielen auf, wie Vorhabenträger, Bürgergenossenschaft oder Projektierer vorgegangen sind, um Vorbehalten gegen Windenergieprojekte zu begegnen und für Zustimmung zu werben. Der kurze Katalog spiegelt mit ganz unterschiedlichen Ansätzen die ganze Breite der Teilhabemöglichkeiten wider und soll zeigen, dass der Erfolg eines Windenergieprojektes nicht allein wirtschaftlich zu bemessen ist.

Weiterführende Informationen:

Bundesverband Windenergie (2018): Gemeinsam gewinnen – Windenergie vor Ort. Ein Grundlagenpapier zu den Themen Wertschöpfung, Bürgerbeteiligung und Akzeptanz.