Stromexporte: Grünstromausverkauf oder Energiewendeplus?

18. Mai 2015 | Kira Crome

Stromexporte: Grünstromausverkauf oder Energiewendeplus?

2014 wurden rund 2 Terrawattstunden mehr von hier produziertem Strom ins Ausland verkauft als im vergangenen Jahr. © Q.pictures/pixelio.de

Deutschland exportiert nicht nur mehr Strom als es einkauft, die Handelsströme sind auch in der finanziellen Gesamtbilanz positiv. Der Energieblog Phasenprüfer hat die Stromhandelszahlen für 2014 vor der offiziellen Bekanntgabe ausgewertet und nachgerechnet. Das Ergebnis: Deutschland erhält für seinen exportierten Strom im Schnitt mehr Geld, als es für den importierten ausgibt. In der Energiewende-Debatte wird die Stromaußenhandelsbilanz unterschiedlich bewertet.

Regelmäßig veröffentlicht das Statistische Bundesamt im Frühjahr die Stromaußenhandelszahlen für das zurückliegende Jahr. Erstmals entwickelte sich deutscher Strom 2012 zum Exportschlager und das obwohl im Zuge des Atomausstiegs acht Atomkraftwerke abgeschaltet worden waren. Grund für den Überschuss war unter anderem die Zunahme von Solar- und Windstrom. In diesem Jahr liegt noch keine offizielle Mitteilung zum Stromaußenhandel vor. Vorab hat jedoch der von zwei Fachjournalisten betriebene Energieblog Phasenprüfer die Datensätze des Statistischen Bundesamtes, die online bereits abrufbar sind, ausgewertet. Demnach konnten die deutschen Stromhändler im vergangenen Jahr wieder ein Export-Hoch verzeichnen: 2014 wurden rund 74 Terrawattstunden von hierzulande erzeugtem Strom ins Ausland verkauft – rund 2 Terrawattstunden mehr als im Jahr 2013. Dem gegenüber wurden nur knapp 38 Terrawattstunden Strom aus den europäischen Nachbarländern importiert – fast ebenso viel wie im Vorjahr. Die Bilanz: Es wurde im vergangenen Jahr fast doppelt soviel Strom in europäische Nachbarländer verkauft wie dort eingekauft wurde. Damit hätte sich der Exportüberschuss seit 2011 versechsfacht, zeigt die Datenanalyse des Autors.

Grüner Strom als Ramschware?

In der Debatte um die Energiewende wird vor dem Hintergrund des steigenden Anteils volatilen Stroms aus Erneuerbaren Energien die positive Saldo-Betrachtung aus Stromexporten und -importen unterschiedlich bewertet. Eine Interpretation lautet, der deutsche Endverbraucher würde letztlich den Strom über die EEG-Umlage subventionieren, damit er als Schnäppchenware an die Nachbarländer verkauft werden könne. Der Autor argumentiert hingegen, dass deutsche Stromhändler den hierzulande erzeugten Strom im Ausland zu einem höheren Preis verkaufen würden als sie für importierten Strom bezahlen müssten. Somit werde der Strom nicht „verschenkt“. Vielmehr würde mit dem Stromüberschuss gut verdient: Rund 1,8 Milliarden Euro allein im letzten Jahr nach Abzug der Importkosten, rechnet der Autor vor. Während Strom für 3,5 Milliarden Euro ins Ausland verkauft wurden, sind nur 1,7 Milliarden Euro für Importe bezahlt worden. Grund für das gute Geschäft sei die Entwicklung, dass die relativ hohen Verkaufspreise von Strom aus Solar- und Windenergie an der Strombörse zu den Zeiten, in denen die Nachfrage in den Nachbarländern besonders hoch ist, für diese noch vergleichsweise günstig seien. „Trotz Energiewende und des massiven Ausbaus fluktuierender Grünstromquellen wird vergleichsweise “hochwertiger” Strom in Deutschland produziert, der gut bezahlende Abnehmer findet“, folgert der Autor.

Was die Saldo-Betrachtung aus Stromexporten und -importen aber leistet: Sie nimmt den Kritikern des Atomausstiegs ein Argument.

Was die Zahlen nicht sagen

Die Auswertung der Stromaußenhandelszahlen ist eine rein bilanzielle Betrachtung. Ihre Aussagekraft hat insofern ihre Grenzen. Sie sagt beispielsweise nichts darüber aus, ob die deutschen Kraftwerke jederzeit die Versorgungssicherheit problemlos gewährleisten können, stellt der Autor klar. Auch die Klimabilanz, also der Einfluss des Stromaußenhandels auf die deutschen CO2-Emissionen, erfordert ebenfalls weitergehende Betrachtungen. Was die Saldo-Betrachtung aus Stromexporten und -importen aber leistet: Sie nimmt den Kritikern des Atomausstiegs ein Argument, weil sie zeigt, dass die Energiewende hierzulande nicht zu einer Stromversorgung mit steigender Importabhängigkeit führt. Gleichwohl gilt es mit Blick auf eine sichere und möglichst kostengünstige Stromversorgung auch in Zukunft bei einem wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien die Schwankungen im Stromnetz flexibel auszugleichen. Hier kommt – neben anderen Maßnahmen – der Intensivierung der europäischen Kooperation und der Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden Stromhandels eine wichtige Rolle zu.

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