Stadtwerke Dinslaken finanzieren mit Wertpapieranleihe den Ausbau Erneuerbarer Energien

3. Juli 2017 | Kira Crome

Die Stadtwerke Dinslaken setzen auf klimafreundliche Strom- und Wärmeerzeugung: Mit einer finanziellen Bürgerbeteiligung treibt der kommunale Energieversorger den Ausbau Erneuerbarer Energien am Niederrhein an. © Stadtwerke Dinslaken

Die Stadtwerke Dinslaken setzen auf klimafreundliche Strom- und Wärmeerzeugung: Mit einer finanziellen Bürgerbeteiligung treibt der kommunale Energieversorger den Ausbau Erneuerbarer Energien am Niederrhein an. © Stadtwerke Dinslaken

Finanzielle Bürgerbeteiligungen sind für Stadtwerke als regionaler Energieversorger ein wichtiger Baustein, um den Klimaschutz mit Energiewende-Projekten voranzutreiben und Kunden zu binden. Die Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen ist eine interessante Form der Bürgerfinanzierung. Darauf hat jüngst die Stadtwerke Dinslaken Unternehmensgruppe gesetzt: Mit dem DINKlimafonds hat die Tochtergesellschaft SD Solar den Stromkunden der Stadtwerke eine exklusive Geldanlage geboten.

Grün, lokal verankert, vertrauenswürdig: Kommunale Stadtwerke haben die Nase vorn, wenn sie die Bürger in den Wandel zur klimafreundlichen Energieversorgung einbeziehen und ihren Kunden Erneuerbare-Energie-Anleihen bieten. Das „grüne“ Investment ist für beide Seiten attraktiv: Viele Anleger suchen angesichts der Entwicklungen auf dem Finanzmarkt nach sicheren und nachhaltigen Geldanlagen mit ökologischem oder sozialem Mehrwert. Treten sie als Geldgeber auf, kann das Unternehmen die finanziellen Herausforderungen der regionalen Energiewende auf mehreren Schultern verteilen. Die Kehrseite: Unternehmensanleihen als indirekte Form der finanziellen Bürgerbeteiligung sind am Markt eher selten. Ein solches exklusives Anlageangebot für Stadtwerkekunden hat zuletzt die Stadtwerke Dinslaken-Tochter SD Solar ausgegeben. Ihr Konzept: Eine sogenannte Inhaberschuldverschreibung.

Der DINKlimaFonds
Mit 24 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften gehören die Stadtwerke Dinslaken zu den großen kommunalen Energieversorgern am Niederrhein. In der Strom- und Wärmeerzeugung setzt das Unternehmen auf Erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung an einer Vielzahl von Standorten. Rechnet man die gesamte Stromproduktion der Unternehmensgruppe zusammen, wird damit rund die Hälfte des Stromverbrauchs der Dinslakener Kunden durch Solar-, Biomasse- und Windenergie in eigenen Anlagen erzeugt. Regenerativen Strom liefern zahlreiche PV-Dachanlagen auf Schul- und Firmengebäuden sowie auf einer Blockheizkraftwerk-Halle im Stadtgebiet. Auch die im April 2016 ans Netz gegangene Windenergieanlage auf der Halde Lohberg trägt dazu bei, das ehemalige Zechengelände zu 100 Prozent klimaschonend mit Strom zu versorgen. Bei der Fernwärme liegt der Frischwärmeanteil bei unter einem Prozent. Der Wärmebedarf wird zum überwiegenden Teil aus industrieller Abwärme von Fertigungsanlagen in der Region gedeckt, die sonst ungenutzt bleiben würde. „Wir setzen zudem seit Jahren auf Biomasse-Heizkraftwerke auf Basis von Holz und hocheffizienten Erdgas-Blockheizkraftwerken, die uns auch überregional viele neue Kunden bescheren“, sagt Josef Kremer, Geschäftsführer der Stadtwerke Dinslaken. „Jedes Jahr investieren wir Summen im zweistelligen Millionenbereich in neue, moderne und hocheffiziente Anlagen zur Energieerzeugung.“

Um die regionale Energiewende weiter voranzutreiben und in neue Klimaprojekte vor Ort zu investieren, hat die 100-prozentige Stadtwerke-Tochtergesellschaft SD Solar das Wertpapier „DINKlimafonds“ aufgelegt – eine Inhaberschuldverschreibung. Das Konzept: Benötigt ein Stadtwerk Geld, um neue Energieprojekte zu finanzieren, kann es ein Wertpapier ausgeben, um so Kapitalgeber zu gewinnen. Die Investoren verschaffen dem Unternehmen den notwendigen Kapitalzufluss. Im Gegenzug verpflichtet sich der Emittent dazu, den Zeichnern den eingesetzten Betrag zum Laufzeitende inklusive der vereinbarten Zinsen zurückzuzahlen.

Anleger können sehen, wo ihr Geld arbeitet
Der DINKlimafonds wurde exklusiv an die Stromkunden der Stadtwerke Dinslaken Anfang des Jahres ausgegeben. Gestaffelt zwischen 1.000 und 25.000 Euro konnte der DINKlimafonds gezeichnet werden. Wer investiert hat, erhielt eine garantierte Verzinsung von 2,05 Prozent pro Jahr. Die geringe Mindestzeichnungsgröße macht das Angebot vor allem für Kleinanleger interessant. Die Obergrenze pro Anleger sorgt dafür, dass möglichst viele Kunden zum Zuge kommen können. Im gegenwärtigen Finanzmarkt ist nicht nur die Festverzinsung attraktiv, die das Risiko senkt. Die Kommune als Anteilseigner der Stadtwerke Unternehmensgruppe, erhöht die Vertrauenswürdigkeit. Auch der Zweck des Investments ist für viele Anleger eine wichtige Anlageentscheidung: Es unterstützt die eigene Region und die Mittelverwendung zum Ausbau klimafreundlicher Stromerzeugung ist vor Ort sichtbar. Die SD Solar wiederum, in der die Stadtwerke ihr Erneuerbare Energieanlagen-Portfolio künftig bündeln, erhält mit einer Laufzeit von fünf Jahren die Möglichkeit, ihre Kapitalbasis für weitere kleinere und mittlere Erneuerbare Energie-Projekte zu vergrößern – in Eigenregie ohne mit einer Bank kooperieren und ohne eine neue Gesellschaft gründen zu müssen.

Das Anlagekonzept dient überdies im umkämpften Strommarkt auch der Kundenbindung und unterstützt das Image-Marketing. Einen besonderen Mehrwert liefert dabei der Solarpark Heidenau, den die Gesellschaft 2014 übernommen hat. Zwar liegt die Freiflächenanlage, die sich über eine Fläche von fünf Fußballfeldern hinweg erstreckt und rechnerisch 300 Haushalte ganzjährig mit Strom versorgen kann, fernab in der Sächsischen Schweiz. Den Dinslakener Wertpapier-Zeichnern spielt sie dennoch in die eigene Tasche: Übersteigt der Solarpark künftig seine geplante Jahresproduktion von 1.727 Megawattstunden wieder wie in den vergangenen Jahren, erhöht sich die Verzinsung der Inhaberschuldverschreibungen auf 2,15 Prozent.

Nachfrage ist hoch
Obwohl die Nachfrage fast immer hoch ist, beschreiten kommunale Stadtwerke den Weg der Bürgerfinanzierung in Eigenregie vergleichsweise selten. Inhaberschuldverschreibungen stehen eher im Schatten des Energiegenossenschaftsbooms der letzten Jahre, heißt es in einer Marktstudie. Dabei haben Stadtwerke, die den administrativen Aufwand nicht gescheut haben, in der Vergangenheit erfolgreich auf diese Finanzierungsform gesetzt: Die Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken (VVS) hat auf diese Weise 2010 und 2011 unter anderem den Bau von methanbetriebenen Blockheizkraftwerken finanziert. Die Stadtwerke Marburg sammelten 2011 fünf Millionen Euro auf diesem Wege ein, um eine PV-Freiflächenanlage und die Beteiligung an einem Windpark zu ermöglichen. Im Jahr 2013 haben die Hertener Stadtwerke zum dritten Mal auf diesem Wege das Investitionsvolumen in Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaikanlagen von 8,8 auf 10 Millionen Euro aufgestockt.
In Dinslaken hat die Investition in Ökostrom, die sich auch in barer Münze auszahlt, großen Anklang gefunden: Bereits in der ersten Woche wurden Inhaberschuldverschreibungen in Höhe von rund einer Million Euro gezeichnet. Bis zum Ablauf der Zeichnungsfrist für den DINKlimafonds Ende Februar konnte der regionale Energieversorger 174 Urkunden über einen Gesamtbetrag von knapp 2,5 Millionen Euro ausstellen. „Wir freuen uns, dass so viele Kunden die Gelegenheit ergriffen haben, ihre Geld für regionale, dem Klimaschutz dienende Energieprojekte arbeiten zu lassen“, sagt Kremer.

Ansprechpartner:
Stadtwerke Dinslaken GmbH
Gerhard-Malina-Straße 1
46537 Dinslaken
Tel.: 02064 – 605-0
www.stadtwerke-dinslaken.de

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