Regelenergie aus dem Solarkraftwerk

4. Dezember 2014 | Kira Crome

Das Solarkraftwerk Alt Daber in Brandenburg liefert mithilfe eines Groß-Batteriespeichers Regelenergie © Belectric

Das Solarkraftwerk Alt Daber in Brandenburg liefert mithilfe eines Groß-Batteriespeichers Regelenergie © Belectric

2011 ist es ans Netz gegangen. Jetzt hat das Solarkraftwerk im brandenburgischen Alt Daber bei Wittstock einen Batterie-Großspeicher erhalten und kann auf diese Weise Regelenergie in das Stromnetz einspeisen. Mit der bedarfsgerechten Energieversorgung rückt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf Augenhöhe mit konventionellen Kraftwerken.

Die riesigen weißen Kästen sehen aus wie Frachtcontainer. In ihrem Inneren verbirgt sich die 36 Tonnen schwere „Energy Buffer Unit“, ein Groß-Batteriespeicher mit einer Kapazität von 2.000 Kilowattstunden. Ein solcher Speicher wurde jetzt an das Solarkraftwerk Alt Daber angeschlossen. Mit seiner Hilfe kann die riesige Freiflächenanlage, die auf einem ehemaligen Militärflugplatz bei Wittstock in Brandenburg steht und mit einer Leistung von 68 Megawatt 2011 ans Netz gegangen ist, den erzeugten Strom zwischenspeichern. Auf diese Weise ist nach Angaben des Betreibers Belectric das erste Solarkraftwerk in Europa entstanden, das Regelenergie auf Hochspannungsebene in das Stromnetz einspeisen kann.

Groß-Batteriespeicher: Meilenstein der Energiewende

Die flexible Leistungsbereitstellung ist eine wichtige Voraussetzung für die Versorgungsqualität durch volatile erneuerbare Energien. Solar- und Windenergieanlagen, die mit einem Stromspeicher gekoppelt und ergänzt werden, dienen dann nicht mehr nur der reinen, klimafreundlichen Energieerzeugung. „Sie können dann verstärkt auch die Netzstabilität beeinflussen und auf dem Primärregelleistungsmarkt eine Systemdienstleistung anbieten“, erklärt Simon Trockel vom EnergieDialog.NRW-Team. Der neu entwickelte Groß-Batteriespeicher, der auf der Grundlage eines Blei-Säure-Akkus arbeitet, ist ein Meilenstein auf dem Energiewendeweg, konventionelle Kraftwerke durch regenerative Energieversorgungssysteme zu ersetzen. Weil es für die Regelleistungsbereitstellung einen organisierten Markt gibt und die Übertragungsnetzbetreiber für die Stabilisierungsleistung eine Abgabe zahlen, wird die Speichertechnik in Zukunft auch wirtschaftlich gesehen sehr interessant.

Für den Photovoltaikzubau könnte der Groß-Batteriespeicher ein belebendes Signal sein. Auch vor dem Hintergrund der kommenden Ausschreibungsmodelle für PV-Freiflächenprojekte ist die Entwicklung interessant. Ab dem Jahr 2015 werden PV-Freiflächenanlagen nicht länger mittels einer regulativ festgesetzten Vergütung gefördert, die Förderhöhe wird sich vielmehr in einem wettbewerblichen Verfahren am Markt ergeben. Insgesamt erhoffen sich die Betreiber dadurch eine Wiederbelebung des derzeit brach liegenden PV-Freiflächenmarktes und somit neuen Schwung für den Ausbau auch großer Solaranlagen. „Die Bedeutung dieser Freiflächenanlagen und damit ihre Verantwortung für die Netzstabilität wird daher in den nächsten Jahren ansteigen“, erklärt Trockel.

Die Speicherbatterie hat eine Kapazität von 2.000 Kilowattstunden. © Belectric Die Speicherbatterie hat eine Kapazität von 2.000 Kilowattstunden. © Belectric

Neuentwicklung auf Lithium-Ionen-Basis

Die neu entwickelte Speicherlösung ist eine leicht zu transportierende Fertiglösung und wird jetzt von dem Unternehmen in Serie für Energieversorger hergestellt. Ein anderes Modell wird derzeit ebenfalls in Brandenburg entwickelt. Dort wird in einem Windpark bei Feldheim ein noch größerer Batteriespeicher errichtet. Die 43 Windenergieanlagen in Verbindung mit dem derzeit in Bau befindlichen Batteriespeicher sollen als regionales Regelkraftwerk mit einer Leistung von 10 Megawatt und einem Speichervermögen von 10 Megawattstunden Strom bedarfsgerecht erzeugen. Die erste Einheit, die auf einer Lithium-Ionen-Basis arbeitet, soll nach Unternehmensangaben noch in diesem Jahr, die zweite 2015 ans Netz gehen.

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