Neues Faktenpapier zum Natur- und Umweltschutz bei der Windenergie

14. Juni 2016 | Kira Crome

© HA Hessen Agentur GmbH im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

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für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

Was muss bei der Windenergieplanung zum Schutz der Natur und Umwelt wie berücksichtigt werden? Diese Frage hat das Bürgerforum Energieland Hessen in zwei thematischen Fachveranstaltungen mit Experten und Fachleuten aus Wissenschaft und Planungspraxis zusammengetragen und diskutiert. Jetzt liegt der aktuelle Erkenntnisstand als kompaktes Faktenpapier vor.

Was schreibt das Artenschutzrecht genau vor und wie werden Artenschutzkriterien schon in der Regionalplanung berücksichtigt? Welchen Stellenwert haben Natur- und Umweltschutz im Genehmigungsverfahren? Welche Folgen hat der Bau von Windenergieanlagen für das Ökosystem Wald und wie können negative Auswirkungen vermieden oder ausgeglichen werden? Wie werden Qualität und Vollständigkeit von Artenschutz-Gutachten in Genehmigungsverfahren sichergestellt? In welchen Bereichen gibt es weiterhin Forschungsbedarf? Wie und in welchen Planungsphasen kann die Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Akteure verbessert werden? Diese und andere Fragen rund um die Auswirkungen der Windenergienutzung auf Natur und Umwelt sind in zwei Veranstaltungen im Rahmen des breit angelegten Dialogprozesses des Bürgerforums Energieland Hessen mit wissenschaftlichen Experten und Planungsfachleuten diskutiert worden.

Themenschwerpunkte Flora und Fauna
Die Ergebnisse aus den beiden Fachveranstaltungen zu den Themenschwerpunkten Flora und Fauna wurden in einem umfangreichen „Faktenpapier Windenergie in Hessen: Natur und Umweltschutz“ in kompakter Form zusammengefasst. Es wurde von den beteiligten Referenten und Experten überarbeitet und freigegeben. Der erste Themenschwerpunkt Flora widmete sich dem Flächenverbrauch von Windenergieanlagen und der Frage, wie sich ihr Bau auf das Ökosystem Wald auswirkt. Im zweiten Themenschwerpunkt Fauna wurden Fragestellungen zum Schutz von Vögeln, Fledermäusen und anderen Wildtieren erörtert. Auf der Themenseite zum Faktencheck Natur- und Umweltschutz des Bürgerforums Energieland Hessen stehen zudem verschiedene Vorträge der Veranstaltungsreferenten zum Nachlesen zur Verfügung.

Überblick über den aktuellen Wissensstand
Das Faktenpapier bezieht sich auf die hessische Planungs- und Genehmigungspraxis zur Einhaltung der relevanten Rechtsvorschriften. Es bietet aber über den regionalen Ansatz hinaus einen umfassenden Überblick über den aktuellen Wissensstand zum Vorgehen beim Natur- und Umweltschutz bei der Windenergienutzung als allgemeine Orientierungshilfe. Gleichwohl weisen die Herausgeber daraufhin, dass die Lektüre nicht die intensive und einzelfallbezogene Auseinandersetzung mit den rechtlichen und fachlichen Vorschriften, die das Naturschutzrecht vorschreibt, ersetzt.
Fazit der Experten

Eine zentrale Empfehlung der Experten lautet, weniger auf Standardlösungen mit pauschalen Abstandsregelungen zu setzen, als auf die individuelle Prüfung einzelner Standorte. Die spezifische Planung erhöhe zwar den Prüfaufwand für die Vorhabenträger, ermögliche jedoch mehr Flexibilität, wie das Beispiel des Rotmilans zeige: Durch Habitat- und Raumnutzungsanalysen im Vorfeld könne der Schutz dort ausgeweitet werden, wo er notwendig sei. Zugleich böte sich damit Vorhabenträgern aber mehr Spielraum, wenn die Tiere bestimmte Flächen nachweislich nicht nutzen. Ein wichtiges Erfolgskriterium sei dabei den Experten zufolge die frühestmögliche Zusammenarbeit zwischen allen an einer Planung beteiligten Akteure und Institutionen mit dem Ziel, das Wissen vor Ort frühzeitig aufzunehmen und gut zu dokumentieren, damit Vertrauen in den Gesamtprozess entstehen kann.
Natur- und Umweltschutz bei der Windenergieplanung in NRW

In Nordrhein-Westfalen dient der Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in NRW als Orientierung für eine standardisierte und rechtssichere Planung. Er legt dar, auf welche Weise Belange des Artenschutzes bei der Windenergieplanung zu berücksichtigen sind. Lösungen gestalten sich je nach den örtlichen landschaftlichen Bedingungen und der vorhandenen Datenlage zu Habitaten vor Ort fallorientiert. Näheres erläutert auch der Fachartikel Artenschutz bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen. Weiterführende Informationen bietet auch das Video “Windenergieanlagen: Wie wird ein Gutachten zum Artenschutz erstellt?” der EnergieAgentur.NRW.

HA Hessen Agentur GmbH im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (2016): Faktenpapier Windenergie in Hessen: Natur- und Umweltschutz

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