Neuer Leitfaden zur Biogas-Direktvermarkung

22. Oktober 2015 | Kira Crome

Leitfaden Biogas Direktvermarktunf EnergieAgenturNRW

Der neue Leitfaden soll Betreibern bei der Direktvermarktung von Biogas-Strom helfen. Foto: Martina Nolte, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Geld verdienen mit Bioenergie: Wenn Anlagenbetreiber ihren Biogas-Strom am Spotmarkt und am Regelmarkt geschickt vermarkten, können sie Erlöse erzielen, die teilweise über der EEG-Vergütung liegen. Ein Leitfaden zur Direktvermarktung von Biogas der Leuphana Universität Lüneburg zeigt Wege auf, wie sich Biogasanlagen in einem geänderten Marktumfeld wirtschaftlich betreiben lassen.

Der Biogas-Markt ist nach der EEG-Novellierung 2014 eng geworden: Seit die Direktvermarktung für Neuanlagenbetreiber Pflicht geworden ist, stehen viele Landwirte vor der Frage, wie sich neue Anlagen überhaupt wirtschaftlich betreiben lassen. Ein Forschungsteam der Lüneburger Leuphana Universität hat sich mit den Direktvermarktungsmöglichkeiten von Biogas-Strom beschäftigt und untersucht, wie sich Betreiber von Biogasanlagen unter den neuen Vorzeichen im Markt betriebs- und finanzwirtschaftlich optimal aufstellen können. Sie nutzten dafür Zahlungsstrommodelle und Daten von den Strommärkten, außerdem befragten sie Biogas-Landwirte, Stromhändler und kreditgebende Banken und Sparkassen. Das Hauptaugenmerk der Wissenschaftler richtete sich auf Kooperation von Biogasanlagenbetreibern sowie auf die Vermarktung über Zwischenhandelsorganisationen. Das Ergebnis ist ein Leitfaden „Direktvermarktung von Biogas-Strom“, dessen erster Teil an die Biogasanlagenbetreiber gerichtet ist. Der zweite Teil wendet sich an die kreditgebenden Banken und Sparkassen.

Das zentrale Ergebnis: Betreiber neuer Biogasanlagen können mit der Vermarktung ihres Stroms Gewinne einfahren, wenn sie verschiedene Vermarktungsformen geschickt auswählen, sich effizient organisieren und ihre Verträge gut verhandeln. Gewinnmargen, die die bisherige feste EEG-Vergütung teilweise übersteigen können, lassen sich durch die Kombinationen von strompreisorientierter Fahrweise und Regelleistungsvermarktung erzielen. Biogasanlagen tragen wie andere Erneuerbare-Energie-Anlagen mit der Bereitstellung von Regelenergie zum Ausgleich von Leistungsschwankungen im Stromnetz bei.

Vorteile durch Erzeugergemeinschaften

Eine weitere Empfehlung ziehen die Forscher aus dem Vergleich verschiedener Organisationsformen. Drei Formen existieren derzeit: die direkte Zusammenarbeit zwischen einem einzelnen Betreiber und dem Stromhändler sowie die Vermarktung innerhalb einer informellen und einer formellen Erzeugergemeinschaft. Betreiber, die auf dem Regelenergiemarkt unterwegs sind, sollten sich zu Erzeugergemeinschaften zusammenschließen, so der Rat der Forscher. Auf diese Weise ließen sich bessere Vergütungskonditionen gegenüber den Stromhändlern erreichen und interne Vermarktungskosten deutlich reduzieren. Erzeugergemeinschaften, die durch vertragliche Regelungen definiert sind, böten den Anlagenbetreibern eine höhere Sicherheit im Vergleich zu informellen Zusammenschlüssen. Zu berücksichtigen seien gleichwohl höheren Kosten (z. B. Pooleintrittsgebühr) und eine Beschränkung der Handlungsfreiheit (Mindestlaufzeit). Bei einem Eintritt in eine informelle Erzeugergemeinschaft empfehle sich, auf eine ausreichend hohe Fach- und Koordinationskompetenz des Koordinators, der den Zusammenschluss gegenüber dem Stromhändler vertritt, zu achten. Ferner sollten informellen Zusammenschlüsse berücksichtigen, dass Erzeugergemeinschaften mit größeren Portfolios eine stärkere Marktposition einnehmen als solche mit kleinen: Die Vergütungskonditionen sind umso attraktiver, je größer der Erzeuger-Pool ist.

Individuelle Vermarktungswege

Die Forscher stellten außerdem fest: Ein zentrale Stellschraube für Zusatzgewinne aus der Direktvermarktung ist die Berechnung sowie die Verteilung der Ausgleichsenergiekosten. Dabei sollte auf faire Verrechnungssätze geachtet werden. Zu überlegen sei – gerade in gut prognostizierbaren Märkten mit relativ konstanten Preisverläufen –, dass Anlagenbetreiber z. B. ihre Fahrpläne selber gestalten und dafür die vollen Zusatzerlöse einbehalten. In volatileren Märkten dagegen – wie etwa beim Regelleistungsmarkt – könne es jedoch günstiger sein, das Know-how der Stromhändler zu nutzen.

Welcher Vermarktungsweg der sinnvollste ist, sollte anlagenindividuell überprüft werden. Eine flexible, strompreisorientierte Fahrweise der Anlagen könne zwar zu deutlichen Zusatzerlösen führen, rechne sich aber insgesamt unter Einbeziehung der Zusatzkosten nicht unbedingt, so die Forscher. Betreiber von Bestandsanlagen sollten darauf achten, die bisherige feste Einspeisevergütung garantiert zu bekommen, um durch den Wechsel in die Direktvermarktung nicht schlechter gestellt zu werden. Zudem sollten sie ein Vergütungsmodell wählen, bei dem sie einen festen Anteil von der Managementprämie erhalten und bei dem keine fiktiven Ausgleichsenergiekosten verrechnet werden. Die grundlastorientierte Fahrweise eigne sich besonders für Betreiber, die keine Zusatzinvestitionen tätigen und keine Preisrisiken eingehen wollen. Ob Zusatzinvestitionen zur Erschließung neuer Vermarktungsmöglichkeiten wirtschaftlich sind, hängt laut der Empfehlungen maßgeblich von der bestehenden Anlagenkonfiguration ab (z. B. Volumen des Gasspeichers, installierte BHKW-Leistung). Stromhändler und Anlagenbetreiber sollten gemeinsam für beide Seiten nachhaltige Vermarktungsstrategien entwickeln und umsetzen.

Die Forscher haben ihre Handlungsempfehlungen in einem 32 Seiten langen Leitfaden gebündelt. Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten bietet auch der Förder.Navi der EnergieAgentur.NRW.

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