Neuer Kompass für die Windplanung

10. April 2014 | Sascha Schulz

Pressebild Screenshot WindPlanungNavi

Screenshot des neuen Planungs-Tools WindPlanung.Navi

Wer ein Windrad errichten will, steht vor einem komplexen Planungs- und Genehmigungsprozess. Von der Idee bis zur Inbetriebnahme vergehen nicht selten mehrere Jahre. Ein neues Internet-Tool soll nun interessierten Bürgern und planenden Kommunen als Wegweiser dienen: Der WindPlanung.Navi führt den Nutzer den Verfahrensweg entlang und zeigt interaktiv an den jeweiligen Meilensteinen auf, welche Aspekte zu welchem Zeitpunkt von Bedeutung sind und wie die unterschiedlichen Verfahrensschritte ineinandergreifen.

Der Kurs ist angelegt, die Windenergie soll die Energiewende in Nordrhein-Westfalen weiter vorantreiben. Rund die Hälfte der nordrhein-westfälischen Städte und Gemeinden unternehmen gegenwärtig die notwendigen Schritte in der kommunalen Planung, um den Weg für den Ausbau der Windenergienutzung frei zu machen. Auch die überörtliche Landes- und Regionalplanung greift die technischen und rechtlichen Neuerungen der vergangen Jahren auf und beginnt, relevante Impulse für mehr Windstromerzeugung in Nordrhein-Westfalen zu setzen. Doch wenn es vor Ort mit neuen Vorhaben ernst wird, werden häufig Bedenken laut. In vielen Fällen sei die Unübersichtlichkeit der Planungs- und Genehmigungsverfahren der Grund, glauben Experten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass teilweise Verunsicherungen beim Ausbau der Windenergie durch fehlende Informationen ausgelöst werden“, sagt Heinz-Jürgen Schütz, Leiter des EnergieDialog.NRW. Wer die mit der Windprojektplanung verknüpften Prozesse besser versteht, könne die Geschehnisse vor Ort besser nachvollziehen und einordnen.

Ein Wegweiser durch die Windplanung
Ein neues Internet-Tool, das die Beratungsplattform EnergieDialog.NRW der EnergieAgentur.NRW im Auftrag des Landesumweltministeriums entwickelt hat, soll nun Abhilfe schaffen. Der WindPlanung.Navi veranschaulicht in einer interaktiven Grafik, wie der Planungs- und Genehmigungsprozess von Windenergieanlagen auf kommunaler Ebene entlang der zeitlichen Vorhabenentwicklung verläuft: von der Potenzialflächenanalyse über die Flächennutzungsplanaufstellung bis zum Genehmigungsverfahren. „Das Tool gibt einen gut strukturierten Überblick über den anspruchsvollen Windausbauprozess und trägt so zu mehr Transparenz und vielleicht auch Akzeptanz bei“, so Schütz. Denn oftmals sei unklar, welche hohen Anforderungen ohnehin an die Verfahren vor Ort bestehen und welche vielfältigen Belange dabei Berücksichtigung finden müssen.

Interaktive Grafik entlang des chronologischen Ablaufs
Der Windplanungsnavigator zeigt an den jeweiligen Meilensteinen entlang des chronologisch dargestellten Ablaufs auf, welche Aspekte zu welchem Zeitpunkt von Bedeutung sind und wie die unterschiedlichen Verfahrensschritte ineinander greifen. Zahlreiche einzeln ansteuerbare Informationstexte und Erläuterungen zentraler Fachbegriffe reichern die Grafik an. Auch werden an einzelnen Meilensteinen die Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, aber auch behördliche Akteure aufgezeigt. „Man kann sich interaktiv durch jede der drei Verfahrensphasen bewegen und zwischen den einzelnen Informationsbausteinen hin und her navigieren“, erläutert Sascha Schulz vom EnergieDialog.NRW-Team das Konzept. Auf diese Weise würden die Zusammenhänge zwischen einzelnen Verfahrensschritten und Weichenstellungen sichtbar.

Dringender Bedarf
Die EnergieAgentur.NRW sieht dringenden Bedarf für das neu entwickelte Internet-Tool: Die Landesregierung will die Windenergie zur tragenden Säule der erneuerbaren Energien ausbauen. Hierzu soll die Nutzung der Windenergie – gemessen an der landesweiten Brutto-Stromerzeugung – auf 15 Prozent im Jahr 2020 angehoben werden. Aktuell befinden sich im bevölkerungsreichsten Bundesland knapp 3.000 Windenergieanlagen in Betrieb, die über eine installierte Leistung von etwa 3.400 Megawatt verfügen. Mit dem im vergangenen Jahr produzierten Windstrom (ca. 5,8 Mrd. kWh) konnte rechnerisch der Verbrauch von gut 1,7 Mio. Haushalten gedeckt werden. Die landesweite Potenzialstudie Windenergie aus dem Jahr 2012 weist für Nordrhein-Westfalen ein Gesamtpotenzial von 71 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr aus. Damit könnte rund die Hälfte des nordrhein-westfälischen Jahresstrombedarfs gedeckt werden.

Mehr Informationen unter www.windplanung-navi.de sowie unter www.energieatlasnrw.de. Darüber hinaus finden Sie den WindPlanung.Navi als neuen Menüpunkt unter www.energiedialog.nrw.de/fachwissen

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