Neue Studie zum Wanderverhalten von Fledermäusen

6. September 2017 | Kira Crome

Mit einem Telemetrie-Sender ausgestattet geben Fledermäuse Informationen über ihre Flugrouten preis. © Angelika Meschede / BfN

Mit einem Telemetrie-Sender ausgestattet geben Fledermäuse Informationen über ihre Flugrouten preis.
© Angelika Meschede / BfN

Nutzen zwischen Sommer- und Winterquartier ziehende Fledermausarten bestimmte Routen? Bevorzugen sie bei ihren Wanderungen bestimmte Landschaftsstrukturen? Das Bundesamt für Naturschutz hat das Wanderverhalten von Fledermäusen näher beforscht. Jetzt liegen die Studienergebnisse vor. Sie tragen dazu bei, den Fledermausschutz bei der Planung und Nutzung von Windenergieanlagen zu verbessern.

Wie bei Vögeln gibt es auch unter Fledermäusen Arten, die zu bestimmten Jahreszeiten weite Strecken zwischen Sommer- und Winterquartieren zurücklegen, etwa vom Baltikum bis nach Südfrankreich. Auch hierzulande heimische Arten wie der Große und Kleine Abendsegler gehören zu den fernwandernden Fledermäusen. Dabei können die Tiere Distanzen von mehr als 1.000 Kilometern Luftlinie überwinden. Kleinere Arten wie die Zwergfledermaus zählen zu den Kurzstreckenwanderern. Deren Sommer- und Winterquartiere liegen nicht so weit auseinander. Mittelstreckenwanderer wie die Wasserfledermaus legen dagegen Strecken zwischen 30 und 300 Kilometern zwischen ihren Quartieren zurück. Über das Wanderverhalten von Fledermäusen weiß die Wissenschaft noch wenig. Zum Beispiel ist noch nicht genau bekannt, woran sich die Flugrouten von Fledermäusen orientieren. Folgen sie wie Zugvögel eindeutigen Korridoren oder bevorzugen sie auf ihren Wegen bestimmte Landschaftsstrukturen? Antworten auf solche Fragen helfen, den Fledermausschutz bei der Planung und Nutzung von Windenergieanlagen zu verbessern und artgerecht zu gestalten.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist diesen Fragen in einem Forschungsprojekt nachgegangen. „Nur wer die Bedürfnisse einzelner Arten kennt, kann entsprechend umsichtig planen“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse . Die Wissenschaftler haben für ihre Studie rund 70.000 verfügbare Datensätze über die räumlich-zeitliche Verteilung der vier fernziehenden Fledermausarten im Jahresverlauf visualisiert und verschiedene Migrationsmodelle zur Erforschung des Wanderverhaltens von Fledermäusen methodisch analysiert. In Freilandstudien entlang des Thüringer Waldes und in der vorgelagerten Tiefebene zeichneten die Wissenschaftler an zwölf Standorten die Flugaktivität während des Frühjahrs- und Herbstzuges des Großen Abendsegler und der Rauhautfledermaus über mehrere Wochen hinweg telemetrisch auf. Getestet haben die Forscher auch die Funktionalität verschiedener Geodatenlogger-Typen. Mithilfe solcher Sender, mit denen einzelne Tiere versehen werden, lassen sich die genau geflogene Route während ihrer Wanderung erfassen.

Die Studie konnte die Vermutung, dass Fledermäuse festen Zugkorridoren folgen oder bestimmte Landschaftsstrukturen auf ihren Wanderungen nutzen, jedoch nicht erhärten. „Unsere Beobachtungen legen nahe, dass Fledermauszug in vielerlei Hinsicht nicht mit Vogelzug vergleichbar ist“, schreiben die Autoren. Vielmehr sprächen die gewonnen Daten über eine eher räumlich breite Verteilung der Flugrouten. Allerdings haben die Forscher besondere Rastgebiete ausgemacht, in denen sich viele Tiere konzentrieren. Für die Planung und Nutzung der Windenergie unterstreichen die Ergebnisse der Studie nach Ansicht der Wissenschaftler zweierlei: Zum einen seien Abschaltzeiten und auch deren Einhaltung zur Vermeidung von Kollisionen unbedingt notwendig. Fledermausfreundliche Maßnahmen wie zum Beispiel die Veränderung des Anstellwinkels der Rotorblätter oder die Erhöhung der Anlaufgeschwindigkeit von Turbinen seien grundsätzlich empfehlenswert. „Zum anderen müssen besonders sensible Gebiete auch künftig erhalten und frei von Nutzung bleiben, um wandernden Arten Rastmöglichkeiten zu bieten“, schließen die Autoren. Allerdings seien solche Gebiete erst teilweise bekannt.

Die Forschungsergebnisse liefern wichtige Teilerkenntnisse zum Flugverhalten von Fledermäusen. Zugleich aber machen die Studienautoren deutlich, dass zahlreiche Fragen zu wandernden Fledermausarten nach wie vor unbeantwortet seien. Auch bestünde weiterhin großer Forschungsbedarf zur eventuellen Bedeutung von Landmarken und zu der Frage, wie einzelne Arten diese auf ihren Wanderwegen genau nutzen. Vorerst bleibe der angewandten Naturschutz- und Grundlagenforschung noch viel zu tun. Neue Techniken, wie zum Beispiel den Einsatz von GPS-Sendern, könnten helfen, die Wissenslücken künftig zu schließen. Bis dahin müsse der naturverträgliche Ausbau der Windenergie den gesamten mitteleuropäischen Raum als potenzielles Zuggebiet in Betracht ziehen.

Weiterführende Informationen:
Bundesamt für Naturschutz (2017): Wanderrouten der Fledermäuse. Abschlussbericht zum F+E-Vorhaben „Identifizierung von Fledermauswanderrouten und -korridoren“. BfN-Skript 453

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