Netzausbau im Rahmen der Energiewende und Herausforderungen für NRW

Die Grünen im Landtag NRW haben am 26. Oktober 2012 zu einer Veranstaltung eingeladen und ein für NRW zentrales Thema aufgegriffen: Der Aus- und Umbau des Stromnetzes. NRW ist eine der wichtigsten europäischen Transitregionen und vom Netzausbau besonders betroffen. Bei der Umsetzung neuer Infrastrukturmaßnahmen ist die Einbindung der  Bürger von großer Bedeutung.

Netzausbau in NRW

Beim Ausbau des Stromnetzes wird der Bürgerdialog beachtet

Die Veranstaltung fand im Landtag von NRW statt und wurde durch die energiepolitische Sprecherin der Grünen und MdL Wibke Brems organisiert. Als Gäste und Referenten eingeladen waren der Staatsekretär des Nordrhein-Westfälischen Klimaschutzministeriums, die Bundesnetzagentur, die Deutsche Umwelthilfe und der Übertragungsnetzbetreiber Amprion.

 

 

 

Die Vorträge der Experten im Einzelnen:

Staatssekretär Udo Paschedag, Umweltministerium NRW:
Der Netzausbau und die Energiewende – vor welchen Herausforderungen steht NRW?

Staatssekretär Udo Paschedag machte darauf aufmerksam, dass NRW als größter Energieerzeuger und Energieverbraucher eine entsprechend hohe Netzkapazität aufrechterhalten muss. Es bestünde die Notwendigkeit eines Ausbaus des Hochspannungsnetzes in NRW, wobei in der Trassenplanung von insgesamt 425 km zu 97% eine Verstärkung bestehender Trassen anfallen würde.

Der Ausbau der Verteilnetze müsse die dezentrale Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien ermöglichen. Eine Option wäre die Kappung von Lastspitzen der Erneuerbaren Energien, um eine Harmonisierung von Verbrauch und Erzeugung besser regeln zu können. Wenn nur 2 % des eingespeisten Erneuerbaren Stroms zu Spitzenzeiten gekappt würden, könnte der Netzausbau um 30% reduziert werden.

Paschedag betonte die herausragende Bedeutung von Bürgerbeteiligung und Informationsveranstaltungen zum Netzausbau.

Achim Zerres, Bundesnetzagentur:
Bundesweiter Stand beim Netzausbau – Vom Energieleitungsausbaugesetz bis zum Netzentwicklungsplan

Diskussion zum Netzausbau

Rege Diskussion während der Veranstaltung

Als Leiter der Abteilung Energie der Bundesnetzagentur erläuterte Achim Zerres den komplexen Prozess der Erstellung des Netzentwicklungsplans (NEP). Der NEP als rechtlicher Rahmen des Netzbausbaus muss kontinuierlich angepasst werden. Diese Anpassung erfolgt auf Grundlage komplexer Entscheidungsprozesse und Arbeitsabläufe. Es werden Szenarien aufgestellt, die gründlich überprüft werden müssen. Es wird das sogenannte NOVA-Prinzip verfolgt: Bevor es zu einem Ausbau kommt, werden alle Optionen für eine Optimierung und Verstärkung des bestehenden Netzes in Betracht gezogen.

Gerald Kaendler, Amprion GmbH:
Der notwendige Netzausbau aus Sicht eines Übertragungsnetzbetreibers

Gerald Kaendler ist Leiter des Asset Managements der Amprion GmbH. Kaendler machte deutlich, dass sich bis zum Jahr 2020 die  Erzeugungsstruktur verlagern werde: Im Norden und Nordosten werden überdurchschnittlich viele neue Erzeugungskapazitäten geschaffen, während die Bedeutung des Westens und Südens abnehmen werde. Nur mit einem gezielten Netzausbau könne diesem Erzeugungsmuster Rechnung getragen werden.

Auch für Amprion habe der Konsens mit den Bürgern einen hohen Stellenwert. Den Dialog mit den Bürgern sehe er als einen Prozess an, der auf Basis von Erfahrungswerten ständig verbessert werden müsse.

Kaendler erläuterte, dass neue Technologien wie z.B. die Erdverkabelung erst durch Pilotprojekte erprobt werden müssten, bevor diese in großem Umfang installiert werden könnten.

Peter Ahmels, Deutsche Umwelthilfe
Wie viel Netz braucht die Energiewende?

Ahmels betonte, dass die aktuell geltenden Ausbaupläne kritisch hinterfragt werden müssten. Es müsste der Blick für Alternativen gewahrt bleiben. Mit der Stellungnahme mehrerer Instanzen könnte eine unabhängige Bewertung des Infrastrukturausbaus unterstützt werden.

Als Alternativen zum Netzausbau nannte er z.B. das Abregeln von Kraftwerken und die Umwandlung von Strom in Wärme („Power to Heat“).

Die Deutsche Umwelthilfe sieht es als notwendig an, durch eine Bürgerbeteiligung den Netzausbau auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen.

Dokumentation der Veranstaltung zum Runterladen

Eine umfangreiche Dokumentation der Veranstaltung kann auf der Internetseite von Wibke Brems heruntergeladen werden. Das 40-seitige PDF enthält auch die Folien der einzelnen Vorträge.

Hier geht es zur Dokumentation der Veranstaltung zum Thema Netzausbau.