LUBW-Abschlussbericht zu Infraschall-Messungen veröffentlicht

4. April 2016 | Kira Crome

© WEB Windenergie AG/commons.wikimedia.org

© WEB Windenergie AG/commons.wikimedia.org

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) hat ein umfangreiches Messprojekt zur Erhebung von Lärmemissionen durchgeführt. Neben Windenergieanlagen wurden auch andere natürliche und technische Quellen schalltechnisch untersucht. Jetzt liegt der finalisierte Abschlussbericht vor. Angeregt wird die Entwicklung einer autark arbeitenden mobilen Dauermessstation, die vor allem in Beschwerdefällen eingesetzt werden könnte.

Über zwei Jahre hinweg haben Ingenieure der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) Daten über das Auftreten von Infraschall und tieffrequenten Geräuschen in der Umgebung von Windenergieanlagen erhoben. Bis Ende 2015 wurden dafür im Rahmen des vom baden-württembergischen Landesumweltministerium beauftragten Messprojekts sechs verschiedene Windenergieanlagen unterschiedlicher Hersteller und Größen – von 1,8 bis 3,2 Megawatt – schalltechnisch analysiert. Die Messungen wurden in verschiedenen Abständen zu der jeweiligen Anlage erhoben. Außerdem wurden in der Umgebung einer 2,4 Megawatt-Windenergieanlage Erschütterungsmessungen durchgeführt, um mögliche Schwingungsemissionen der Anlage auf die Umgebung festzustellen.

Vergleichsmessungen anderer Lärmquellen erhoben
Um die erfassten Messdaten einordnen und bewerten zu können, haben die Ingenieure außerdem Vergleichsmessungen an natürlichen und technischen Geräuschquellen vorgenommen. Dazu gehören schalltechnische Messungen von Verkehrslärm einer städtischen Straße innerhalb und außerhalb einer anliegenden Wohnung sowie an einer Autobahn. Außerdem wurde die Lärmbelastung in der Karlsruher Innenstadt am Tage und in der Nacht erhoben. Auch typische in Wohnungen auftretende Geräusche durch technische Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Heizungen wurden zum Vergleich gemessen. Schließlich haben die Ingenieure auch natürliche Infraschallquellen erfasst und dafür Messungen auf freiem Feld, am Waldrand und im Wald vorgenommen.

Die gewonnenen Ergebnisse sind in einem abschließenden Messbericht dargelegt worden. Der Abschlussbericht, der Ende Februar auf der Internetseite der LUBW veröffentlicht wurde, löst damit den bisherigen Zwischenbericht ab. Er ist um einige Daten ergänzt worden und enthält ein ausführliches Glossar schalltechnischer Fachbegriffe und Messgrößen. „Das ist vor allem für interessierte Laien hilfreich, um sich die Thematik zu erschließen“, sagt Sascha Schulz von der EnergieAgentur.NRW. „Interessant ist aber auch das Machbarkeitskonzept für eine autark arbeitende Dauermessstation zur Erhebung der Geräuschsituation an Windenergieanlagen, um die Transparenz zu diesem Thema zu erhöhen.“

Mobile Dauermessstation könnte in Konfliktfällen weiterhelfen
Eine solche mobil einsetzbare Station könnte vor allem in Beschwerdefällen weiterhelfen. Betroffene stünden den Prognosen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens oder Standardmessungen, die Geräuschpegel punktuell erfassen und bewerten, häufig misstrauisch gegenüber, heißt es im LUBW-Bericht. Sie würden fürchten, dass die standardmäßig genutzten Ermittlungsverfahren nicht alle Facetten möglicher Belästigungswirkungen berücksichtigen oder dass nicht die ungünstigste Betriebsart der Anlage den Geräuschermittlungen zugrunde lag. In solchen Konfliktfällen könnte eine fortlaufende Erfassung der Emissionen über einen längeren Zeitraum hinweg Abhilfe schaffen und die Akzeptanz verbessern.

Eine solche Lösung ist eine technische Herausforderung
Um belastbare Aussagen zum Betriebsverhalten einer Windenergieanlage ermitteln zu können, braucht es eine fortlaufende Erfassung der tatsächlichen Anlagen- und Betriebsparameter. Zwar werden die in der Regel vom Anlagenbetreiber standardmäßig aufgezeichnet. Allerdings sei es nach Angaben der LUBW-Ingenieure schwierig, die Betreiberdaten in den Kanon der übrigen schalltechnischen Messdaten, zu dem auch Wetterdaten gehören, zu integrieren. Um Datenverluste zu vermeiden, sei es deutlich sicherer, die Anlagenbetriebsdaten in einem eigenen Erfassungssystem selbst aufzuzeichnen. Technisch sei eine solche Lösung allerdings auch deutlich aufwändiger: Die Anlagensignale müssten über Messumformer übernommen oder über eine Schnittstelle aus der Anlagensteuerung der Windenergieanlage ausgekoppelt und mittels eines Datenloggers abgespeichert und weiterverarbeitet werden.

Datengrundlage zur Versachlichung der Infraschall-Debatte
Das nun abschließend dokumentierte zweijährige Messprojekt zur Geräuschsituation an Windenergieanlagen soll zur Versachlichung der Diskussion um die Geräuschemissionen von Windenergieanlagen beitragen. Der Abschlussbericht mit zahlreichen Infografiken und Erläuterungen wendet sich sowohl an interessierte Bürgerinnen und Bürger als auch an Verwaltungen und Fachleute. Er ist in unserer Bibliothek erhältlich und ersetzt dort den bisherigen Zwischenbericht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.