Landschaftsbildwertstufen für die Ersatzgeldermittlung

21. Juli 2016 | Kira Crome

© LANUV

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Wer in Nordrhein-Westfalen eine Windenergieanlage baut, muss den Eingriff in das Landschaftsbild mit einem Ersatzgeld ausgleichen. Mit dem neuen Windenergie-Erlass des Landes gilt dafür ein standardisiertes Verfahren: Wie hoch es ausfällt, bemisst sich an der Wertigkeit der betroffenen Landschaft. Eine entsprechende Einstufung des Landschaftsbildes nimmt derzeit das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) vor. Diese flächendeckende Bewertung einzelner Landschaftsbildeinheiten dient als landesweit einheitliche Vorgabe für die Berechnung des Ersatzgeldes. Die Arbeiten sind weitestgehend abgeschlossen.

Eine Windenergieanlage verändert das Erscheinungsbild ihres Umfeldes. Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet Vorhabenträger deshalb dazu, diese Beeinträchtigung auszugleichen: Für den Eingriff in Natur und Landschaft zahlt er ein sogenanntes Ersatzgeld, das Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zugutekommt. Festgesetzt wird der Kompensationsbedarf im Zuge des Genehmigungsverfahrens auf Grundlage eines Gutachtens, das die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes verbal-argumentativ bewertet. Weil in der Landschaftsbildbewertung unterschiedliche Methoden angewendet werden und bei der Beurteilung die subjektive Wahrnehmung des Gutachters eine Rolle spielt, konnte es in der Vergangenheit passieren, dass ähnliche Windenergieprojekte in vergleichbaren Landschaften unterschiedlich bewertet wurden und in der Folge die im Genehmigungsverfahren festgelegten Ersatzgeldzahlungen unterschiedlich ausfielen.

Mit der Novellierung des Windenergie-Erlasses im vergangenen Dezember wurde das Verfahren zur Ersatzgeldermittlung standardisiert: Planungsbüros und Gutachter, die den Eingriff in das Landschaftsbild bewerten wollen, müssen dafür nun landesweit einheitliche Vorgaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) berücksichtigen. Das LANUV nimmt derzeit eine Bewertung der nordrhein-westfälischen Landschaften vor. Es teilt die Landesfläche in verschiedene Landschaftsbild-Wertstufen ein. Die vierstufige Skala reicht von „sehr gering“ bis „herausragend“. Als Kriterien werden die Eigenart, die Vielfalt und die Schönheit einer jeweiligen Landschaft herangezogen. Diese landesweiten Wertstufen-Daten sollen Planungsbüros und Gutachter künftig ihrer Kompensationsermittlung zugrunde legen. Auf diese Weise sollen die Verfahren zur Berechnung des Ersatzgeldes vereinheitlicht werden.

Wie hoch das Ersatzgeld anzusetzen ist, ergibt sich aus der Höhe der geplanten Windenergieanlage und den Wertstufen der betroffenen Landschaftsbildeinheiten. Dafür wird die Wertigkeit der Fläche um den Anlagenstandort in einem Radius, der der 15-fachen Gesamthöhe der Anlage entspricht, ermittelt. Der konkrete Betrag errechnet sich aus der jeweiligen Wertstufe, der geplanten Anlagenhöhe in Metern und der Anlagenanzahl. In einem fiktiven Berechnungsbeispiel für eine 200 Meter hohe Windenergieanlage in einer Landschaft, deren Landschaftsbildwert im Umkreis der Anlage einer mittleren Wertstufe entspricht, müsste der Vorhabenträger 200 Euro pro Meter Anlagenhöhe zahlen. Schließt ein geplantes Vorhaben Flächen mit unterschiedlichen Wertstufen ein, wird ein gemittelter Betrag angesetzt. Das Ersatzgeld ist laut Bundesnaturschutzgesetz zweckgebunden und muss Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zugutekommen.

Die Arbeiten zur Wertstufeneinteilung, die das LANUV im Rahmen seiner Fachbeiträge zur Regionalplanung vornimmt, sind weitestgehend abgeschlossen. Auf seiner Internetseite stellt das LANUV Arbeitshilfen zum Verfahren zur Bewertung des Landschaftsbildes im konkreten Fall und die Grafikdaten der bereits bewerteten Landschaftsbildeinheiten zur Verfügung. Bis zum Ende des Jahres sollen auch die ausstehenden Daten für den Regionalverband Ruhr vorliegen.

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