Kommunales Ranking: So viel Ökostrom produziert der Kreis Paderborn

13. Oktober 2016 | Kira Crome

Die Energie-Displays zeigen, welche Kommune im Kreis Paderborn wie viel Ökostrom produziert.© WestfalenWIND Strom GmbH

Die Energie-Displays zeigen, welche Kommune im Kreis Paderborn wie viel Ökostrom produziert. © WestfalenWIND Strom GmbH

Welche Kommune erzeugt den meisten Ökostrom? Ein regionaler Stromanbieter im Kreis Paderborn hat ein Online-Tool entwickelt, das tagesaktuell die erzeugten Strommengen aus Wind-, Solar- und Bioenergie in allen Städten und Gemeinden im Kreis anzeigt. Die Daten illustrieren, wie hoch der Ökostrom-Beitrag der ländlichen Region ist.

Windreiche und sonnenintensive Tage bescheren den Erneuerbaren Energien regelmäßig Rekordhochs bei der Stromerzeugung. In Nordrhein-Westfalen zählt die Region Ostwestfalen-Lippe zu den Hotspots der Windenergienutzung. Auch in diesem Jahr rechnet die Bezirksregierung Detmold mit deutlichen Zuwächsen. Viele Städte und Gemeinden der Region überarbeiten derzeit ihre Flächennutzungspläne. Technische Neuerungen bieten neue Ausbaumöglichkeiten. Viele Vorhabenträger bemühen sich noch vor Inkrafttreten des EEG 2017 um Genehmigung ihrer Projekte. Die Bezirksregierung rechnet mit ausreichend freien Flächen, doch der Ausbau der Windenergienutzung werde in der Region weiterhin sehr unterschiedlich ausgeprägt sein: Allein im Kreis Paderborn stehen die Hälfte aller Windenergieanlagen der Region. Während eine aktuelle Umfrage dem Ausbau der Erneuerbaren Energien in der öffentlichen Meinung weiterhin viel Rückenwind bescheinigt, regen sich vielerorts jedoch Widerstände gegen geplante Projekte. Es müsste für den Bürger viel leichter erkennbar sein, welchen Beitrag die Energiewende im Lokalen tatsächlich leistet, hat man sich beim heimischen Stromversorger WestfalenWindstrom überlegt und ein kommunales Erzeugungsranking von Ökostrom für den Kreis Paderborn entwickelt. Anhand sogenannter Energie-Displays soll ablesbar sein, welche Kommune bei der heimischen Produktion von Wind-, Solar- und Biogasstrom die Nase vorn hat.

Spitzenreiter Lichtenau
Mit dem Online-Tableau lassen sich tagesaktuell für jede Kommune im Kreis die Erzeugungsmengen ablesen, die Erneuerbare-Energie-Anlagen in den einzelnen zehn Städten und Gemeinden liefern. Angezeigt werden die aktuelle Leistung der Windenergie- und der Photovoltaik-Anlagen in separaten Anzeigen sowie die Gesamtsumme der erzeugten Kilowattstunden einschließlich der Biogasnutzung. Datengrundlage sind die echten Einspeisezahlen, die von Referenzanlagen im gesamten Kreisgebiet ausgelesen werden. „Wir rechnen diese Werte dann auf die in der jeweiligen Kommune installierten Megawatt um“, erklärt ein Sprecher das Vorgehen.

Außerdem wird der Anteil des in jeder einzelnen Kommune erzeugten Ökostroms am Gesamtstromverbrauch ausgewiesen. Das Besondere: Der Bilanz wird der bundesdurchschnittliche Jahres-Stromverbrauch zugrunde gelegt und anteilig auf die Einwohnerzahl der jeweiligen Kommune im Kreis Paderborn umgelegt. Auf diese Weise werde gewährleistet, dass in der ländlich geprägten Region auch solche Stromverbräuche mit eingerechnet werden, die anderswo an energieintensiven Standorten in Deutschland für die Produktion von Waren zu Buche schlagen, vor Ort aber genutzt werden. „Wir haben in Borchen oder Lichtenau keine Aluminiumhütte oder Autoproduktion. Dennoch werden hier die Waren genutzt, die in Essen oder in Rüsselsheim hergestellt werden. Das muss in der Gesamtbilanz fairerweise berücksichtigt werden“, so der Sprecher. Demnach liegen die Kommunen Lichtenau und Bad Wünnenberg mit 523 und 433 Prozent Ökostromanteil am durchschnittlichen Jahresstromverbrauch an der Spitze im Kreis Paderborn. Bad Lippspringe und Hövelhof stehen mit 11 und 16 Prozent am Ende des Ökostromrankings. Basis für die angezeigten Zahlen sind aufbereitete Daten aus dem EnergieAtlas NRW und aktuelle Daten des Kreises Paderborn vom Juli dieses Jahres. Sie sollen quartalsweise aktualisiert werden.

Transparenz für mehr Verständnis
Mit den Energie-Displays will der Stromversorger, der zugleich auch Windparks in der Region betreibt, für mehr Transparenz sorgen. „Wir möchten allen Bürgern damit zeigen, dass die Veränderungen des Landschaftsbildes zum Beispiel durch Windkraft sich auch tatsächlich lohnen. Wir würden uns freuen, wenn auch Lehrer unsere aufbereiteten Zahlen nutzen, um Schülern zu erklären, wie die Energiewende vor Ort funktioniert“, sagt Geschäftsführer Winfried Gödde.

Die Zahlen offenbaren auch, wo der Kreis Paderborn, der laut Kreistagsbeschluss bis zum Jahr 2020 beim Stromverbrauch zu 100 Prozent ökologisch sein will, beim regionalen Klimaschutz steht. Aktuell liegt der Ökostrom-Anteil auf Kreisebene schon bei knapp 70 Prozent. „Rechnet man die neuen Anlagen, die bis zum Ende des Jahres ans Netz gehen, hinzu, werden wir letztlich bei 80 Prozent liegen“, prognostizieren die Windstromvermarkter.

Systemumbau notwendig
Würde man aber den Anteil über alle Sektoren hinweg berechnen, also neben dem Strom- auch den Wärme- und Verkehrssektor berücksichtigen, läge der Kreis Paderborn nach Angaben des Unternehmens erst bei knapp 25 Prozent, wie das Energie-Display zeigt. „Eine Diskrepanz, die deutlich macht, wie viel Wegstrecke die lokale Energiewende zurücklegen muss, damit der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Kreis seine Klimaschutzwirkung voll entfalten kann“, sagt Gödde.

An Pilot-Projekten zur Visualisierung der Beiträge einzelner Kommunen zur Ökostromerzeugung wird derzeit bundeweit geforscht. So hat etwa die bayerische Stadt Wunsiedel mit Unterstützung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ein Internettool entwickelt, über das die Bewohner Stromerzeugung und Stromverbrauch ihrer Stadt live verfolgen können (wir berichteten). Für die Diskussion der lokalen Energiewende in Nordrhein-Westfalen könnte das Projekt des Paderborner Stromversorgers Maßstäbe setzen. „Landesweit ist uns kein Beispiel bekannt, dass die aktuellen Leistungsdaten von Erneuerbaren-Energie-Anlagen und den Ökostrom-Anteil der Kommunen für einen Kreis so übersichtlich darstellt“, verlautet der Stromversorger. Eine Übersicht über die landesweiten Erzeugungsstandorte, Leistungsmengen und Energieverbräuche aller Energiearten bietet dagegen der EnergieAtlas NRW.

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