Klimaneutrale Stadt: Von den Masterplan-Kommunen lernen

19. September 2017 | Kira Crome

In Expertengesprächen und Bürgerforen wurden Ideen für den Masterplan für ein klimaneutrales Münster entwickelt © Stadt Münster

In Expertengesprächen und Bürgerforen wurden Ideen für den Masterplan für ein klimaneutrales Münster entwickelt © Stadt Münster

Wo stehen wir in Sachen Klimaschutz? Wie entwickeln wir eine umsetzbare Zukunftsperspektive für den Weg zur klimaneutralen Kommune? Diese Fragen beschäftigen viele Städte und Gemeinden. Der Bund fördert mit dem Masterplan-Programm ausgewählte Modell-Kommunen bei der Entwicklung einer Klimaschutzstrategie. Vier NRW-Kommunen sind in der aktuellen Runde dabei. Wie man alle Akteure im kommunalen Klimaschutz erfolgreich beteiligt, können sie von den Masterplan-Kommunen der ersten Förderrunde lernen: Gesammelte Erfahrungsberichte liegen in einer Dokumentation vor.

Null Treibhausgasemissionen – diese Zielmarke hat sich die Stadt Münster gesetzt. Mehrfach ist die als Fahrradhauptstadt bekannte Großstadt in Westfalen schon für ihre beispielhaften Umweltschutzbemühungen und Energieeinsparmaßnahmen ausgezeichnet worden. Jetzt will die Stadt ihre Klimaschutzaktivitäten bündeln und verstärken: Bis zum Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 95 Prozent gegenüber 1990 gemindert und gleichzeitig der Endenergieverbrauch halbiert werden. Damit gehört Münster zu den bundesweit 22 neuen „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“-Kommunen, die sich diesem Ziel verschrieben haben. Ebenso wie die NRW-Städte Beckum und Rietberg will die Stadt modellhaft zeigen, wie der Weg hin zur klimaneutralen Stadt aussehen kann. Auch Landkreise wie in NRW der ostwestfälische Kreis Lippe gehören zu den Teilnehmern des Förderprogramms des Bundesumweltministeriums, das letztes Jahr in der zweiten Runde begonnen hat.

Laufende (seit 2012) und neue (seit 2016) Masterplan-Kommunen in Deutschland © BMUNBR

In den nächsten vier Jahren müssen die ausgewählten Masterplan-Kommunen eine Strategie und einen Maßnahmenkatalog entwickeln. „Wir werden bewährte Konzepte ausbauen, aber auch nach neuen Lösungen suchen“, sagt Birgit Wildt vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Münster. Die dort angesiedelte städtische Koordinierungsstelle Klima und Energie entwickelt ihren Masterplan in den kommenden Monaten. Die inhaltlichen Ziele sind bereits gesteckt: den Energiebedarf in der Stadt deutlich reduzieren und die Energieeffizienz in der lokalen Wirtschaft steigern. „Es gilt auch Wege zu finden, die Altbausanierung voranzutreiben und die erneuerbaren Energien weiter auszubauen“, ergänzt Wildt.

Damit sowohl kurzfristig als auch mittel- und langfristig wirkende Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen entwickelt und umgesetzt werden können, ist Kreativität gefragt: Wo stehen wir schon jetzt beim Klimaschutz? Was muss getan werden, um im Jahr 2050 die Zielmarke Klimaneutralität zu erreichen? Antworten auf diese Fragen wollen die Masterplan-Verantwortlichen gemeinsam mit der Stadtgesellschaft finden.

Wie man die breite Palette der relevanten lokalen Akteure aktiviert und erfolgreich im kommunalen Klimaschutz beteiligt, das können die neuen Masterplan-Kommunen wie Münster von den Pionieren lernen: den 19 Masterplan-Kommunen der ersten Förderrunde, die 2012 begonnen hat. In NRW mit dabei waren die Städte Herten, Rheine, Burbach im Siegerland und der Kreis Steinfurt. Wie kleine Gemeinden wie Burbach oder große Städte wie Hannover die Entwicklung einer kommunalen Strategie zur Verwirklichung der Emissionsfreiheit angegangen sind und welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben, ist jetzt in einer Dokumentation nachzulesen. Sie wurde jüngst vom Service- und Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz beim Deutschen Institut für Urbanistik veröffentlicht. 16 ausgewählte Praxisbeispiele aus verschiedenen Masterplan-Kommunen der ersten Förderrunde werden ausführlich vorgestellt. Sie zeigen, wie es vor Ort gelungen ist, Bürger, Unternehmen aus Industrie, Gewerbe und Handel, Dienstleister, Vereine, Verbände, Institutionen in der Gemeinde für das Vorhaben zu gewinnen und nachhaltig in den Strategieentwicklungsprozess einzubinden.

Die Erfahrungsberichte spiegeln die Vielfalt der möglichen Wege wider und beschreiben neben den gewählten Mitteln nicht nur Erfolge. Auch Hürden und Misserfolge bei der Umsetzung von Beteiligungsangeboten werden beim Namen genannt. Die Schilderungen sind hilfreich auch für solche Städte und Gemeinden, die den kommunalen Klimaschutz vorantreiben und vorhandene Aktivitäten bündeln wollen. Dafür bietet die knapp 40-seitige Broschüre auch ein wenig Theorie: Kurzgefasst und praxisnah wird erklärt, wie man wichtige Akteure vor Ort identifiziert, anspricht und wie Beteiligungsangebote finanziert werden können.

In Münster hat die Stadtverwaltung mit der Aufnahme in die Masterplan-Förderung im letzten Jahr den Prozess begonnen. Als Masterplan-Kommune erhält Münster zwei zusätzliche, auf vier Jahre befristete Stellen für die Koordinierungsstelle für Klima und Energie. Außerdem stehen Mittel für Konzepte und Studien bereit. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die auf vier Jahre angelegte Strategieentwicklung nach Angaben der Stadt auf knapp 900.000 Euro, 80 Prozent davon übernimmt der Bund. Mit insgesamt 12 Millionen Euro werden die bundesweit 22 teilnehmenden Masterplan-Kommunen gefördert.

Radfahren, ÖPNV, Ökostrom: das Bürgerforum Klimaschutz 2050 brachte viele Ideen. Dokumentiert als sogenanntes Graphic Recording © Andreas Gaertner/Stadt Münster

Im ersten Arbeitsjahr wurde in Münster ein Austausch mit Vertretern der lokalen Wirtschaft initiiert, ein Expertengespräch veranstaltet, Online-Befragungen und Interviews mit lokalen Akteuren durchgeführt, um Potenziale des kommunalen Klimaschutzes zu identifizieren, Herausforderungen zu benennen und Ideen für Umsetzungsmöglichkeiten zu sammeln. Im Rahmen eines Bürgerforums Klimaschutz 2050 fanden eine Woche lang Workshops und Diskussionsrunden zu verschiedenen Fragestellungen rund um den kommunalen Klimaschutz statt. Unter dem Motto „Argumente haben wir genug, wir reden über das Wie“, diskutierten rund 500 Teilnehmer über den Ausbau erneuerbarer Energien, über klimafreundliches Bauen, Wohnen und Sanieren bis zu klimaschonender Mobilität und Konsum. Die zusammengetragenen Ideen und Konzepte gehen in einen ersten Masterplan-Entwurf ein, der im Herbst vorgestellt werden soll. Dann wird sich abzeichnen, wie eine umsetzbare Zukunftsperspektive für ein klimaneutrales Münster aussehen könnte.

Weiterführende Information:

 

Bildnachweis: Graphic Recording © Andreas Gaertner/Stadt Münster

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