Jahresumfrage Energiegenossenschaften veröffentlicht

11. Juli 2014 | Kira Crome

Wind farm in silhouette at dusk

Wind farm in silhouette at dusk

Energiegenossenschaften haben seit 2006 rund 1,35 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert, bilanziert der Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband. Kerngeschäftsfeld war der aktuellen Verbandsumfrage zufolge auch im vergangenen Jahr die Stromerzeugung aus Sonne, Biomasse und Wind. Besondere Potenziale liegen künftig aber in angeschlossenen Geschäftsfeldern wie der Erschließung genossenschaftlicher Nahwärmenetze.

Wo früher wenige Energieversorger den Markt dominierten, agieren heute immer mehr Privatleute, Landwirte und von Bürgern initiierte Genossenschaften. Jede zweite wurde von der Kommune aktiv gefördert – so lautet die Bilanz der aktuellen dritten Jahresumfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV). 718 Energiegenossenschaften haben sich in den letzten acht Jahren neu gegründet, 129 davon allein im letzten Jahr. Kerngeschäftsfeld des weitaus größten Teils der jungen Energiegenossenschaften ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. 95 Prozent davon produzieren Strom aus Sonne, Biomasse und Windenergie. Sie können mit einem durchschnittlichen Stromertrag von 1.216 Megawattstunden rund 350 Durchschnittshaushalte versorgen. Das entspricht einer Steigerung von etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Energiegenossenschaften vor allem in der Hand der Bürger

Mehr als 90 Prozent der Genossenschaftsmitglieder sind Privatpersonen. Meist sind es Menschen mit kleinem Geldbeutel: Ein knappes Viertel der Genossenschaften bieten eine Beteiligung mit einem Betrag von unter 100 Euro an. Die durchschnittliche Mindestbeteiligung an einer Energiegenossenschaft beträgt 738 Euro. Sie zeichnen sich dabei durch einen vergleichbar hohen Anteil an Eigenkapital von durchschnittlich 54 Prozent aus. Nahezu jede vierte Genossenschaft investiert sogar vollständig ohne Fremdkapital. Fast zwei Drittel (64 Prozent) des aufgenommenen Fremdkapitals stammen von Genossenschaftsbanken.

In diesem Jahr rechnet ihr Dachverband DGRV aufgrund der derzeit unsicheren politischen Rahmenbedingungen mit weniger Neugründungen. Der aktuellen Jahresumfrage zufolge planen 39 Prozent der befragten Energiegenossenschaften in den nächsten zwölf Monaten Investitionen in die Kerngeschäftsfelder Photovoltaik und Windenergie. Insbesondere im Bereich der Solarenergienutzung ist das ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.

Zukunftsfeld Nahwärmenetze

Ein wachsend interessantes Geschäftsfeld ist dagegen die Nahwärmebereitstellung. Ein Großteil der bestehenden Biogas- und Biomasseanlagen habe noch kein Nutzungskonzept für die entstehende Abwärme, stellt Eckhard Ott, Vorsitzender des Vorstands des DGRV, fest. 18 Prozent der Befragten – sieben Prozent mehr als im Vorjahr – planten Aktivitäten in diesem Bereich. „Das ist die Chance für Energiegenossenschaften, die Wärmenetze für Dörfer oder Stadtteile betreiben“, so Ott. Seit 2006 wurden rund 120 genossenschaftliche Nahwärmenetze in Deutschland installiert, mehr als 70 davon in den letzten drei Jahren. Die EnergieAgentur.NRW unterstützt ein dreitätiges Seminar Mitte Oktober in Münster, das Energiegenossenschaften und Projektentwicklern das notwendige Wissen vermittelt, um solche Projekte erfolgreich auf den Weg zu bringen und zu betreiben.

„Kommunen sind ein sehr wichtiger Partner“

Im Mittelpunkt der diesjährigen Umfrage lag die Rolle der Kommunen für die Arbeit der Energiegenossenschaften. Sie seien ein sehr wichtiger Partner für die Betreiber der Energiewende, so Ott. Mehr als zwei Drittel der Genossenschaften nutzen von der Kommune bereitgestellte Dachflächen oder Liegenschaften. In knapp 60 Prozent der Genossenschaften ist die Kommune selbst Mitglied oder in deren Gremien vertreten. Jede zweite Genossenschaft wurde von der Kommune (mit)initiiert. Bei lediglich 13 Prozent der Befragten spielt die Kommune gar keine Rolle und in 2 Prozent der Fälle steht die Kommune der Genossenschaft kritisch gegenüber.

Die Hauptgründe für das besondere Engagement der Kommunen liegen einer parallelen Blitz-Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien unter 89 Energie-Kommunen zufolge in der Erhöhung der kommunalen Wertschöpfung und in der Möglichkeit, als Gemeinde den Klimaschutz und die Energieversorgung vor Ort selbst in die Hand zu nehmen.

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