Ispex: EEG-Direktvermarktung leicht gemacht

10. Dezember 2014 | Kira Crome

Strombörse Leipzig © EEX, Jürgen Jeibmann, Leipzig

Die Vermarktung an der Strombörse ist nicht für alle Betreiber von Erneuerbare-Energie-Anlagen eine Option (Strombörse Leipzig © EEX, Jürgen Jeibmann, Leipzig)

Die EEG-Novelle verpflichtet Betreiber von neuen Erneuerbare-Energie-Anlagen, ihren erzeugten Strom direkt zu vermarkten. Damit müssen auch Bürgerenergieprojekte ihren Strom an die Börse bringen. Weil häufig dafür das Know-how fehlt, übernimmt dies ein Dienstleister. Rund 50 Direktvermarkter gibt es derzeit in Deutschland. Seit kurzem bietet die Online-Auktionsplattform Ispex die Möglichkeit, Anbieter zu vergleichen und das günstigste Angebot auszuwählen.

Das Konzept ist als solches nicht neu, doch es erfordert viel Sachkenntnis – und entscheidet letztlich über den Erfolg eines Projekts: die Direktvermarktung. Seit dem 1. August 2014 sind Betreiber von neuen Erneuerbare Energie-Anlagen nach der EEG-Novellierung verpflichtet, ihren erzeugten Strom ausschließlich an der europäischen Strombörse (Expex Spot) direkt zu vermarkten, sofern die Anlagen eine installierte Leistung von mehr als 500 – ab 2016 mehr als 100 – Kilowatt haben. Damit wandelt sich der Markt von einem garantierten Preis zu einem Marktpreis, der von verschiedenen Faktoren abhängt und verlangt Anlagenbetreibern vorausschauendes Prozessmanagement ab: Jeder Betreiber muss die Erzeugung seiner Anlagen prognostizieren, Fahrpläne erstellen, bei eventuellen Planabweichungen Ausgleichsenergie nutzen und die Marktbewegung im Blick behalten. Vor allem den kleineren Anlagenbetreibern oder Bürgerenergieprojekten, fehlen meist die notwendigen Energiemengen und das entsprechende Know-how, um die Direktvermarktung wirtschaftlich sinnvoll und selbständig abzuwickeln. Für sie bietet sich an, diese Aufgaben entlang der Wertschöpfungskette in der Direktvermarktung vertraglich an externe Dienstleister zu übertragen.

Rund 50 entsprechend spezialisierte Unternehmen bieten bundesweit als vertraglicher Kooperationspartner ihre Unterstützung in Sachen Direktvermarktung an. Sie unterscheiden sich allerdings zum Teil erheblich – sowohl bezüglich der Anforderungen an die Anlagenleistung und -art sowiet der vertraglichen Ausgestaltung, als auch hinsichtlich der garantierten Vergütungssätze. Wer als Anlagenbetreiber die Anbieter vergleichen will, muss umfangreiche, individuelle Vertragswerke prüfen und oftmals mit der Hausbank absprechen. Die Vertragsprüfung kostet nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit für den Vergleich und die Nachverhandlungen der dargelegten Vergütungskonditionen mit den Direktvermarktern.

Per Knopfdruck zum besten Direktvermarkter

Für mehr Transparenz und eine leichtere Entscheidungsfindung bei der Wahl des passenden Direktvermarktes will nun die Internet-Auktionsplattform Ispex sorgen. Dort können sich Betreiber von Solar-, Wind- und Biomasseanlagen registrieren und stellen die zur Ummeldung und Preiskalkulation notwendigen Anlagendaten zur Verfügung. Daraufhin haben die ebenfalls registrierten Direktvermarkter dann die Möglichkeit, im direkten Wettbewerb um die Anlagenbetreiber als Kunden ihre „Gebote“ abzugeben. Den Zuschlag erhält die beste Vergütung pro Kilowattstunde für die ausgeschriebene Anlagenleistung. Auf diese Weise erhalten Anlagenbetreiber einen Überblick über den Direktvermarkter-Markt: Sie können in Sekundenschnelle den für sie passenden Direktvermarkter finden und zu diesem wechseln. Ein weiterer Vorteil: Für alle teilnehmenden, geprüften Direktvermarkter gelten einheitliche Musterverträge. Das garantiert gleichwertige Standards und vermeidet aufwendige und kostenintensive Vertragsprüfungen. Für die Anlagenbetreiber ist der Service kostenlos.

Wachsender Bedarf

Für die Online-Direktvermarktung gebe es einen enormen Bedarf, ist Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der Ispex AG, die die neue Plattform entwickelt hat und betreibt, überzeugt. “In Zukunft wird der Vergütungszeitraum vieler Anlagen auslaufen.“ Die Betreiber werden sich dann nach neuen EEG-konformen Modellen umsehen müssen. Anfang September ist die Online-Auktionsplattform an den Start gegangen. Rund 15 Direktvermarkter haben sich bislang registriert. „Wir sind dabei, das Angebot kontinuierlich auszuweiten“, erklärt Pressesprecher Jürgen Scheuerer. „Die Direktvermarktungsplattform basiert auf der bereits bewährten Technologie, welche wir auch für die Auktionierung von großen Sondervertragskunden bei deren Energiebeschaffung einsetzen.“ Inzwischen seien Energielieferverträge für über 500 Energielieferanten in der Größenordnung von deutlich über 10 Terawattstunden (TWh) auf dieser Basis vermittelt worden, heißt es beim Anbieter.

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