Infraschall: Grundlagenpapier des Bürgerforums Energieland Hessen veröffentlicht

1. September 2015 | Kira Crome

Grundlagenpapier Infraschall Windenergieanlagen

Das Bürgerforum Energieland Hessen veröffentlicht finales Grundlagenpapier zu Infraschall-Emissionen von Windenergieanlagen

Die Ergebnisse des Faktenklärungsprozesses, den das Land Hessen zu den möglichen Auswirkungen von Infraschall durch Windenergieanlagen initiiert hatte, liegen nun vor. Das Grundlagenpapier fasst die zentralen Erkenntnisse eines Experten-Hearings des Bürgerforums Energieland Hessen vom Dezember letzten Jahres zusammen. Vertreter verschiedener Interessengruppen konnten sich in den Faktencheck und in die Finalisierung des Papiers einbringen. Es soll Klarheit schaffen und fasst den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Thema Infraschall zusammen.

Ob Infraschall-Emissionen bei der Windenergienutzung möglicherweise gesundheitliche Auswirkungen haben können, dazu liegen nach aktuellem Wissensstand keine abschließenden gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Weil die Frage ein Dauerbrenner ist, hatte die hessische Landesregierung – wie berichtet – im Rahmen eines landesweiten Dialogprojekts einen Faktenklärungsprozess zum Thema Infraschall initiiert.

Das Bürgerforum Energieland Hessen, das Kommunen bei der Gestaltung der Energiewende vor Ort unterstützt, hat im Dezember vergangenen Jahres dazu Experten und Vertreter verschiedener Interessengruppen aus Politik, Umweltschutz, Verwaltung, Verbänden und Bürgerinitiativen zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. In diesem „Hearing“, das als Videoaufzeichnung dokumentiert ist, wurden physikalische Grundlagen von Infraschall, Messtechniken und Daten sowie medizinische Relevanz, Risikoabschätzung und aktuell rechtliche Aspekte thematisiert und diskutiert.

Weitere Forschung notwendig

Jetzt liegt der Faktenscheck als Grundlagenpapier in finalisierter Fassung vor. Es fasst die Erkenntnisse des Experten-Hearings und den aktuellen Sachstand nationaler und internationaler Studien sowie laufender Messprojekte wie in Baden-Württemberg zu Infraschall-Emissionen bei der Windenergie zusammen. Indes will ein internationales Forschungsprojekt der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig und Berlin (PTB) die Grundlagen des Hörens an den unteren und oberen Grenzen, also im Infra- und Ultraschallbereich näher erforschen. „Wir müssen mehr darüber herausfinden, was bei der Wahrnehmung von Schall im Grenzbereich des Hörens passiert“, erklärt Christian Koch. Der Akustiker am PTB ist Leiter des internationalen Projekts, in dem Messtechnik-Experten aus mehreren Metrologie-Instituten sowie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und des Ear Institute am University College London drei Jahre lang die Grundlagen des Hören von sogenanntem unhörbarem Schall untersucht haben. Die Ergebnisse: Der Mensch hört tiefere Töne als gedacht. Die Hörschwelle für alltäglichen Infraschall liegt bei vielen Menschen bis zu eine Oktave tiefer. „Im Grunde stehen wir erst am Anfang“, schränkt Koch die Erkenntnisse ein und betont: „Weitere Forschung ist dringend notwendig.“ Der Antrag für ein Folgeprojekt läuft bereits. Darin wollen die Forscher gezielt jene Menschen untersuchen, die sich von „unhörbarem“ Schall belästigt fühlen. Dafür sollen auch Psychologen in das Forschungsteam geholt werden.

Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (2015): Faktenpapier Windenergie und Infraschall. Bürgerforum Energieland Hessen

Videomitschnitt des Experten-Hearings des Bürgerforums Energieland Hessen zum Faktencheck Infraschall durch Windenergie am 16.12.2014.

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