Infraschall: Bürgerforum in Hessen diskutiert wissenschaftliche Faktenlage

11. Mai 2015 | Kira Crome

Experten-Hearing zum Thema Infraschall durch Windenergie in Wiesbaden

Experten-Hearing zum Thema Infraschall durch Windenergie in Wiesbaden. Quelle

Wenn es um den Windenergie-Ausbau geht, fürchten viele Menschen gesundheitliche Belastungen. In der Diskussion um neue Anlagenstandorte stehen die möglichen Auswirkungen von Infraschall derzeit im Fokus. Das Land Hessen hat dazu einen Faktenklärungsprozess initiiert. In einem Experten-Hearing des Bürgerforums Energieland Hessen wurde die Thematik erörtert. Vertreter verschiedener Interessengruppen konnten sich in den Faktencheck einbringen. Er soll Klarheit schaffen und die vorliegenden Erkenntnisse zu Infraschall verständlich aufbereiten. Derzeit wird das Zwischenergebnis in einem Konsultationsprozess finalisiert.

Die Diskussion um die möglichen Auswirkungen von Infraschall-Emissionen von Windenergieanlagen gewinnt immer mehr an Fahrt und macht Schlagzeilen. Oft werden dabei lokale Fallbeschreibungen und wissenschaftliche Studienergebnisse miteinander vermengt. Nicht alle sind allgemeingültig oder lassen sich ohne Weiteres untereinander vergleichen, weil sie unterschiedliche Methoden und Forschungsdesigns sowie lokale Besonderheiten aufweisen. An der Frage, wie verlässlich vorliegende Daten auf die lokalen Gegebenheiten in Deutschland anwendbar sind, scheiden sich Gegner und Befürworter von örtlichen Windenergievorhaben. Kommunen und Planungsbehörden stellt die häufig sehr emotional geführte Debatte vor ein Problem: Sie sehen sich mit einem hohen Informationsbedarf konfrontiert und erleben, dass Bürgerinnen und Bürger genaue Auskünfte zu möglichen schädlichen Folgen durch Infraschall bei der Windenergiegewinnung haben wollen.

Faktencheck Infraschall in Hessen

Die hessische Landesregierung hat darauf reagiert und im Rahmen eines landesweiten Dialogprojekts einen Faktenklärungsprozess zum Thema Infraschall initiiert. Das Bürgerforum Energieland Hessen, das Kommunen bei der Gestaltung der Energiewende vor Ort unterstützt, hat im Dezember vergangenen Jahres dazu Experten und Vertreter verschiedener Interessengruppen aus Politik, Umweltschutz, Verwaltung, Verbänden und Bürgerinitiativen zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. In diesem sogenannten Hearing, das als Videoaufzeichnung dokumentiert ist, wurden physikalische Grundlagen von Infraschall, Messtechniken und Daten sowie medizinische Relevanz, Risikoabschätzung und aktuell rechtliche Aspekte thematisiert und diskutiert. Mit dem Ziel, Klarheit in die aktuelle Debatte zu bringen und die vorliegende wissenschaftliche Faktenlage verständlich aufzubereiten.
Das Ergebnis ist ein Faktenpapier, das den aktuellen Sachstand inter- und nationaler Studien sowie laufender Messprojekte wie in Baden-Württemberg zu Infraschall-Emissionen bei der Windenergie übersichtlich zusammenfasst. Nach einer anschließenden öffentlichen Kommentierungsphase werden derzeit die Konsultationsergebnisse eingearbeitet. Die finale Fassung wird voraussichtlich Ende Mai zur Verfügung stehen.

Bürgerforum Energieland Hessen (2015): Faktenpapier Windenergie und Infraschall
Bürgerforum Energieland Hessen (2015): Experten-Hearing Windenergie und Infraschall am 16.12.2014 in Wiesbaden, Fragenkatalog „Rechtliche Rahmenbedingungen“
Videomitschnitt des Experten-Hearings zum Faktencheck Infraschall durch Windenergie am 16.12.2014
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: Fragen und Antworten zum Thema Infraschall

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