In Lünen entsteht der weltweit größte Stromspeicher aus alten Elektroauto-Akkus

1. Dezember 2015 | Kira Crome

2nd-Use-Energiespeicher Lünen Daimler

Wie in einem Hochregallager werden die einzelnen Alt-Akkus zu einer Großbatterie zusammengeschlossen. © Daimler AG

Anfang 2016 soll ein 13-Megawatt-Stromspeicher ans Netz gehen, der derzeit im westfälischen Lünen gebaut wird. Es wird der weltweit größte Batteriespeicher sein. Weil er aus ausgedienten Elektroauto-Akkus gebaut wird, leistet das Projekt nicht nur einen Beitrag zum nachhaltigen Umbau des Energiesystems. Es trägt auch zum Klimaschutz bei und verbessert die Umweltbilanz der Elektromobilität.

Sektorenkopplung ist ein wichtiger und derzeit viel diskutierter Baustein der Energiewende. Ein Projekt im westfälischen Lünen zeigt, wie Elektromobilität mit dem Stromsektor nachhaltig verknüpft werden kann. Hier entsteht derzeit der weltweit größte Großbatterie aus nicht mehr gebrauchten Akkus von Elektrofahrzeugen. Der Stromspeicher soll künftig dazu beitragen, die Schwankungen im Netz, die durch die fluktuierende Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien entstehen, auszugleichen.

E-Mobilität zu Ende gedacht

Das Konzept: Akkus von Elektrofahrzeugen haben ausgedient, sobald sie ihre vollständige Speicherfähigkeit verlieren. Sie werden ausgetauscht. Die Entsorgung der Alt-Akkus ist aufwendig und kostenintensiv – obwohl sie dann immer noch eine Speicherkapazität von 80 bis 90 Prozent haben. Dieses Potenzial könnte gehoben werden und einer neuer Anwendung dienen, dachte man sich beim Autobauer Daimler. In Zusammenarbeit mit drei weiteren Kooperationspartnern hat das Unternehmen die Wertschöpfungs- und Verwertungskette für ausgediente Autobatterien verlängert: 1.000 alte Akkus, die aus der zweiten Generation der Kleinwagenserie Smart stammen, werden jetzt zu einer Großbatterie zusammengeschlossen, die Strom speichern und zur Netzstabilität beitragen kann. Damit wäre „E-Mobilität zu Ende gedacht“, erklärten die Projektbeteiligten beim Spatenstich für das Bauvorhaben.

Der neue Speicher entsteht in Lünen auf dem Gelände des Recycling-Unternehmens Remondis und hat eine Kapazität von 13 Megawattstunden: „Das reicht, um eine Stadt wie Lünen mit 85.000 Einwohnern eine Stunde lang mit Strom zu versorgen“, erläutert Daimler-Chef Dieter Zetsche die Größenordnung. Der Strom soll auf dem Primärregelenergiemarkt vermarktet werden.

Nutzung verlängern – Mehrwert für die Energiewende

Wie in einem Hochregallager werden die einzelnen Alt-Akkus in einer Werkshalle aufeinandergestapelt und miteinander zu einer Großbatterie verbunden. Weil die geringen Leistungsverluste der Alt-Akkus ihre Leistung im stationären Speicherbetrieb grundsätzlich nicht schmälern, können sie in ihrem zweiten Leben in der Großbatterie „mindestens noch zehn weitere Jahre in Lünen wirtschaftlich betrieben werden“, erklärt Zetsche.

2nd-Use-Batteriespeicher Lünen Infografik

E-Mobilität zu Ende gedacht: Aus 1.000 Alt-Akkus wird ein Großbatteriespeicher © Daimler AG

Der Batteriespeicher, der Anfang nächsten Jahres ans Netz gehen soll, leistet einen zweifachen Klimaschutzbeitrag: Zum einen verbessert die zweite Nutzung der ausgedienten Elektroautobatterien die Umweltbilanz der Elektromobilität. Durch die Verlängerung der Verwertungskette der Lithium-Ionen-Akkus werde „deren wirtschaftliche Nutzung quasi verdoppelt“, rechnen die Projektbeteiligten vor. Zum anderen sind leistungsfähige Speicher ein wichtiger Teil der Energiewende: Bei zunehmender Einspeisung von Strom aus fluktuierenden Quellen wie Wind- oder Solarenergie tragen sie dazu bei, die Stromnetze zu stabilisieren. Ihr Vorteil: Sie gleichen die Energieschwankungen nahezu verlustfrei aus – eine Aufgabe, die derzeit zum Teil noch fossile Kraftwerke übernehmen. Auf die Relevanz von Stromspeichern für den Ausbau der Erneuerbaren Energien hat zuletzt das Expertennetzwerk Agora hingewiesen.

Projektpartner sind der Automobilhersteller Daimler, das Technologieunternehmen The Mobility House, das die Integration von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz betreibt und das Speicherprojekt in Lünen betreibt, sowie der Energiedienstleister Getec, der die Vermarktung des Stroms übernimmt. Remondis stellt den Standort für den neuen Stromspeicher und sorgt für die finale Rohstoffverwertung der Module am Ende ihres Lebenszyklus.

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