FAQ

Windenergie

Ziele und Potenziale

Mit welchen Zielen ist die Energiewende in Nordrhein-Westfalen verbunden?
Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Reduktionszielen für klimaschädliche Treibhausgasemissionen verabschiedet hat. Hiernach sollen die gesamten Treibhausgasemissionen in Nordrhein-Westfalen bis 2020 um mindestens 25 Prozent und bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent im Vergleich zu den Gesamtemissionen des Jahres 1990 verringert werden. Diese Ziele sollen unter anderem mit dem Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht werden. Die Windenergie ist dabei eine tragende Säule. Nach dem Willen der Landesregierung soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung auf 30 Prozent im Jahr 2025 gesteigert werden. Dies kann bereits mit einem Ausbau der Windenergie auf etwa 1,6 Prozent der Landesfläche erreicht werden. (siehe Welche Potenziale hat Nordrhein-Westfalen für den Ausbau der Windenergie?) Im Landesentwicklungsplan wird der Umfang der Flächenfestlegungen für die Windenergienutzung der verschiedenen Planungsgebiete, proportional zum regionalen Potenzial, als Grundsatz aufgeführt.

Welche Potenziale hat Nordrhein-Westfalen für den Ausbau der Windenergie?
Nordrhein-Westfalen hat genug Flächenpotenzial, um seine Landesziele zu erreichen. Dies hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in einer landesweiten Potenzialstudie untersucht und nachweisen können. Die Ergebnisse der Potenzialanalyse zeigen, dass Nordrhein-Westfalen trotz seiner Binnenlage und dichten Besiedelung gute Voraussetzungen für die Windenergienutzung bietet: Bereits ab einer Nabenhöhe von 125 Metern über Grund weisen die überwiegenden Flächenanteile mittlere Windgeschwindigkeiten von über 6,0 Metern pro Sekunde (m/s) auf. Standorte in der Eifel und dem südlichen Weserbergland liegen noch darüber. Das Gesamtpotenzial zur Stromproduktion mit Hilfe von Windenergieanlagen liegt in Nordrhein-Westfalen bei 71 Terrawattstunden pro Jahr – und damit ein Vielfaches über dem, was notwendig ist, um das für das Jahr 2020 anvisierte Ziel (Nettostromproduktion 20,7 TWh/a) zu erreichen. Die Grundlagenkarten der Windpotenzialstudie sind im Energieatlas NRW einsehbar.

Welche Standorte sind für Windenergieanlagen generell tabu?
Windenergieanlagen gehören aus planungsrechtlicher Sicht zu den im baulichen Außenbereich privilegiert zulässigen Vorhaben – sofern die Erschließung gesichert ist und keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Ein solcher öffentlicher Belang wird allerdings auch durch ausgewiesene Windkonzentrationszonen an anderer Stelle im Gemeindegebiet begründet (Planvorbehalt). Die Errichtung von Windrädern außerhalb dieser explizit für die Windenergienutzung ausgewiesenen Zonen ist dann in der Regel unzulässig. Die Gemeinde kann also räumlich steuern, wo Windenergieanlagen gebaut werden, und übt so ihre Planungshoheit über das Gemeindegebiet aus (siehe Kommunale Planung). Bei der Standortplanung müssen zudem bestimmte planungsrechtliche Tabubereiche berücksichtigt werden. Dabei werden „harte und weiche Tabuzonen“ unterschieden.

Harte Tabuzonen sind die Flächen, die für die Windenergienutzung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen von vorneherein nicht zur Verfügung stehen. So ist insbesondere in Nationalparks, nationalen Naturmonumenten, Naturschutzgebieten, Naturdenkmalen, gesetzlich geschützten Landschaftsbestandteilen und Biotopen sowie in FFH- und Vogelschutzgebieten die Errichtung von Windenergieanlagen ausgeschlossen. Im Wald ist die Windenergienutzung grundsätzlich möglich, allerdings nur in ökologisch weniger hochwertigen Wäldern, wie zum Beispiel auf sturmgeschädigten Kahlflächen oder in forstwirtschaftlich intensiv genutzten Fichtenforstkulturen. In ausgewiesenen Landschaftsschutzgebieten gilt ein generelles Bauverbot – auch für Windenergieanlagen. Allerdings können für die Windenergienutzung regelmäßig Befreiungen erteilt werden.

Weiche Tabuzonen hingegen sind Flächen, auf denen die Errichtung von Windenergieanlagen ausgeschlossen werden soll, obwohl die Nutzung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen grundsätzlich möglich wäre. Die Gemeinde kann hier die anzulegenden Kriterien – städtebaulich begründet – selbst definieren. Bei weichen Tabuzonen handelt es sich z.B. um vorsorgende Abstandsflächen zu Siedlungsbereichen oder Schutzgebieten.

Kommunale Planung

Welche rechtlichen Voraussetzungen gelten für Planung von Windenergieanlagen?Windenergieanlagen zählen in Deutschland zu den im bauplanungsrechtlichen Außenbereich privilegierten Anlagen. Das heißt, dass sie grundsätzlich überall außerhalb geschlossener Ortschaften oder zusammenhängender Bebauung errichtet werden können. Dies gilt ebenso für land- und forstwirtschaftliche Nutzungen, Anlagen der öffentlichen Versorgung mit Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Wärme und Wasser, Bioenergie- und Wasserkraftanlagen. Dafür muss die Erschließung des Standorts gesichert sein, und dem Vorhaben dürfen keine öffentlichen Belange entgegen stehen, wie sie in § 35 Absatz 3 des Baugesetzbuches definiert sind. Ein entgegenstehender öffentlicher Belang ergibt sich zudem aus dem Planvorbehalt, den der Gesetzgeber den Kommunen in § 35 Abs. 3 S. 3 BauGB als Steuerungsmöglichkeit eingeräumt hat: Kommunen können demnach in ihrem Flächennutzungsplan Konzentrationszonen ausweisen, die für die Nutzung der Windenergie vorgesehen sind, und so die Errichtung von Anlagen im restlichen Gemeindegebiet wegen des dann entgegenstehenden öffentlichen Belangs verhindern. Im Ergebnis sind Windenergieanlagen dann in der Regel nur noch innerhalb dieser Windkonzentrationszonen zulässig.

Sind Gemeinden verpflichtet, Windkonzentrationszonen auszuweisen?
Ob sich eine Kommune zur Ausweisung von Windkonzentrationszonen in ihrem Gemeindegebiet entschließt oder nicht, liegt im Ermessen der jeweiligen Kommune als Trägerin der kommunalen Planungshoheit. Der vom Gesetzgeber gewährte Planvorbehalt (§ 35 Abs. 3 S. 3 BauGB) ist lediglich eine Möglichkeit, die Errichtung von Windenergieanlagen zu steuern und somit befürchteten „Wildwuchs“ zu vermeiden.
Eine Verpflichtung zur Ausweisung bestimmter Flächen kann sich nur aus höherrangigen planungsrechtlichen Vorgaben in der Regionalplanung ergeben. Werden dort Vorranggebiete für die Windenergienutzung festgelegt, so sind diese in Folge der Anpassungspflicht in die kommunale Planung zu übernehmen, sollte die Kommune Konzentrationszonen zur Steuerung der Windenergie ausgewiesen haben oder in Zukunft ausweisen. Bei der Erarbeitung von Regionalplanflächen werden die Kommunen beteiligt und können ihre Planungen und Erkenntnisse einbringen und somit rechtzeitig auf eine Übereinstimmung von kommunaler und regionaler Planung hinwirken.

Können Windenergieanlagen außerhalb von Konzentrationszonen errichtet und betrieben werden?
Weist ein kommunaler Flächennutzungsplan eine Windkonzentrationszone aus, führt dies für die übrigen Flächen zu einer sogenannten Regelausschlusswirkung. Das bedeutet, dass durch die rechtswirksame Festlegung einer für Windenergienutzung vorgesehenen Fläche ein „öffentlicher Belang“ konstituiert wird, der dann dem Bau von Windenergieanlagen außerhalb dieser Zone in der Regel entgegensteht. Die Errichtung einer Anlage außerhalb der Windkonzentrationszone im Außenbereich ist bauplanungsrechtlich somit nicht genehmigungsfähig.
Ausnahmen bilden Windenergieanlagen, die dem Eigenverbrauch dienen und als Teil einer anderen im Außenbereich privilegierten Anlage – beispielsweise eines landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betriebs – gelten. Unter dem Stichwort „mitbezogene Privilegierung“ können sie unter bestimmten Voraussetzungen als untergeordnete Nebenanlage des versorgten Betriebs baurechtlich zulässig sein.

An welchen Stellen wird die Öffentlichkeit am Planungsverfahren beteiligt?Konzentrationszonen für die Windenergienutzung werden im kommunalen Flächennutzungsplan ausgewiesen. Dafür ist ein formelles Bauleitplanverfahren erforderlich. Hat eine Kommune ihren Beschluss zur Aufstellung oder Änderung des Flächennutzungsplans ortsüblich bekannt gemacht, zum Beispiel über die Lokalzeitung, folgt im Rahmen dieses Bauleitverfahrens eine zweistufige Beteiligung der Öffentlichkeit. Zuerst werden Bürgerinnen und Bürger möglichst frühzeitig über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung informiert – etwa in einer Bürgerversammlung. Dann wird der Entwurf des Flächennutzungsplans samt der schriftlichen Begründung und den bereits vorliegenden umweltbezogenen Stellungnahmen für die Dauer eines Monats öffentlich ausgelegt. Während dieser Zeit kann jedermann zu den Entwürfen Stellung nehmen. Alle fristgerecht eingegangenen Kommentare werden von der Verwaltung geprüft und dem Rat der Gemeinde zur Entscheidung vorgelegt. Sollte eine Stellungnahme aus der Öffentlichkeit zu einer Änderung des Entwurfs führen, muss der geänderte Plan erneut ausgelegt werden. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass alle durch die Planung berührten Belange vollständig ermittelt und angemessen bewertet werden können.

Wie sind Windenergieanlagen mit der Erhaltung des Landschaftsbildes vereinbar?
Windenergieanlagen verändern das Aussehen der umgebenden Landschaft. Die Landschaft in Nordrhein-Westfalen ist eine seit Jahrhunderten von Menschen geprägte Kulturlandschaft, die sich stetig weiterentwickelt. Vielerorts prägen Windenergieanlagen bereits das Bild der Kulturlandschaft mit. Insofern steht eine weitere Veränderung dem Windenergieausbau nicht automatisch entgegen. Jeder geplante Standort wird dahingehend geprüft, ob bzw. wie sich eine neue Anlage ins Landschaftsbild einfügt. Die empfundene Beeinträchtigung des Landschaftsbildes allein führt dabei noch nicht zur Unzulässigkeit eines Windenergievorhabens. Vielmehr muss laut Rechtsprechung eine qualifizierte Beeinträchtigung im Sinne einer „Verunstaltung des Landschaftsbildes“ gegeben sein. Diese Entscheidung kann immer nur im Einzelfall mit Blick auf die konkrete Situation vor Ort getroffen werden.

Können Gemeinden Höhenbegrenzungen für Windenergieanlagen festlegen?
Windenergieanlagen sind wirtschaftlich umso effizienter, je höher sie sind. Dennoch kann es Gründe geben, die Anlagenhöhe planungsrechtlich zu beschränken. Die Höhe einer Windenergieanlage kann laut Baunutzungsverordnung begrenzt werden, sofern die Höhenbeschränkung aus der konkreten Situation abgeleitet und städtebaulich begründet wird. Dafür reicht laut Windenergie-Erlass NRW der Hinweis auf eine allgemeine Veränderung des Orts- und Landschaftsbildes nicht aus. Es müssen vielmehr konkrete Gründe (wie z.B. die Sicherstellung des Anflugs eines Flughafens) vorliegen, die im Einzelfall dazu führen, dass die städtebauliche Situation eine Höhenbegrenzung rechtfertigt. Höhenbegrenzungen dürfen jedoch nicht zur Ausweisung von Windenergie-Konzentrationszonen führen, die unbrauchbar sind, weil Windenergieanlagen dort nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Die Kommune ist verpflichtet, die Umsetzbarkeit Ihrer Planung sicherzustellen.

Nach welchen Kriterien werden Mindestabstände zur Wohnbebauung festgelegt?
Es gibt keinen gesetzlich festgelegten pauschalen Mindestabstand für die Entfernung eines Windenergieanlagenstandorts zu Wohnhäusern oder Siedlungsbereichen. Weil sich der Anlagenbetrieb je nach Standort, Anlagenzahl und Anlagentyp unterschiedlich auf die Umgebung auswirkt, sind bei der Standortplanung verschiedene Abstände zu beachten. Für die Entfernung zur nächsten Wohnbebauung sind immissionsschutzrechtliche Abstände maßgeblich, die sich aus den baurechtlichen Vorgaben der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) ergeben. Nach dieser gelten beispielsweise für Industriegebiete höhere Grenzwerte als für allgemeine Wohngebiete und nachts strengere Schallgrenzwerte als tagsüber. Darüber hinaus dürfen Anlagen auf die umliegende Bebauung nicht in rücksichtsloser Weise störend wirken und müssen Abstände entsprechend ihrer Gesamthöhe einhalten. Für Nordrhein-Westfalen gelten für die Einzelfallprüfung Richtwerte: Laut Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Münster wirkt eine Anlage in einem Abstand von mehr als dem Dreifachen ihrer Gesamthöhe in der Regel nicht dominierend (siehe Was besagt der Begriff der „optisch bedrängenden Wirkung“?). Hinzu kommt, dass die Gemeinden im Rahmen ihrer Planungshoheit bei der Ausweisung von Konzentrationszonen für die Windenergienutzung Vorsorgeabstände im Sinne des vorbeugenden Immissionsschutzes zwischen Windenergieanlagen und schutzbedürftigen Einrichtungen festlegen können. Dabei ist aber zu beachten, dass im Gemeindegebiet für die Windenergienutzung noch ausreichend Raum verbleibt.

Wie werden Vögel und Fledermäuse vor Verletzungen durch Windenergieanlagen geschützt?
Durch vorausschauende Planung, eine sorgfältige Standortwahl und die konsequente Umsetzung von Vermeidungsmaßnahmen können tödliche Gefahren für Greifvögel und Fledermäuse vermieden oder zumindest deutlich reduziert werden. Das gewährleisten die Planungs- und Genehmigungsverfahren, die jeder Errichtung von Windenergieanlagen vorangehen. Sie beinhalten immer auch eine Beurteilung des Vorhabens aus Sicht des Arten- und Naturschutzes. Orientierung für den Ablauf und die Methodik des intensiven Prüfverfahrens bietet der Leitfaden Arten- und Habitatschutz des Landes NRW. Hier werden die für Windenergieanlagen empfindlichen Vogel- und Fledermausarten in Nordrhein-Westfalen aufgelistet; Karten mit Schwerpunktvorkommen finden sich im Anhang. Zudem wird eine Reihe von artspezifischen Maßnahmen aufgeführt, die – konsequent angewendet – helfen, die Kollisionsgefahren für Vögel und Fledermäuse deutlich zu reduzieren. Dazu gehören zum Beispiel Abschaltalgorithmen, unattraktive Flächengestaltung im Mastfußbereich, die Anlage attraktiver Nahrungsflächen zur Lenkung von Nahrungssuchflügen und ähnliches.

Genehmigung und Betrieb

Brauchen Windenergieanlagen eine Baugenehmigung?
Die Errichtung einer Windenergieanlage muss immissionsschutzrechtlich genehmigt werden. Moderne Anlagen der Multimegawattklasse mit einer Gesamthöhe von mehr als 50 Metern werden einer anspruchsvollen Prüfung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) unterzogen. Die Genehmigung setzt voraus, dass öffentlich-rechtliche Vorschriften des Planungsrechts, Naturschutzrechts, Baurechts, Immissionsschutzrechts, Wasserrechts, Straßen- und Luftverkehrsrechts nicht entgegenstehen. Darüber entscheiden in Nordrhein-Westfalen seit 2008 die unteren Immissionsschutzbehörden, die bei den Kreisen und kreisfreien Städten angegliedert sind.

Wie laut sind die Geräusche von Windenergieanlagen?
Windenergieanlagen erzeugen Betriebsgeräusche (Schallemission), die durch die Verwirbelungen des Windes an den Rotorblättern entstehen und durch die Mechanik in der Maschinengondel verursacht werden. Durch die technische Weiterentwicklung im Anlagenbau in den letzten Jahren laufen Windräder heute erheblich leiser – zum Beispiel durch eine verbesserte Aerodynamik der Rotorblätter. Wie laut sie vor Ort werden, hängt von dem Anlagentyp und den Bedingungen am Standort ab. Allerdings darf der Geräuschpegel einer Windenergieanlage in ihrem lautesten Betriebszustand die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzgrenzen der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) nicht überschreiten. Nachts gelten dabei strengere Grenzwerte als tagsüber. Um die Einhaltung sicherzustellen, fordern die Behörden im Vorfeld der Genehmigung in der Regel ein umfangreiches Schallgutachten.

Was passiert, wenn eine Windenergieanlage im laufenden Betrieb zu laut ist?Hersteller von Windenergieanlagen müssen die Betriebslautstärke eines Anlagentyps durch unabhängige Prüfinstitute vermessen lassen. Auf Grundlage dieser Typenvermessung wird im Zuge der Genehmigung eines konkreten Vorhabens in aller Regel ein umfangreiches Schallschutzgutachten erstellt. Unter Berücksichtigung der topographischen Bedingungen am Standort wird die voraussichtliche Lärmbelastung vor Ort untersucht und die Einhaltung entsprechender Schutzabstände zur nächsten Bebauung begründet. (siehe Wie laut sind die Geräusche von Windenergieanlagen?)
 Fällt ein Windrad nach seiner Inbetriebnahme dennoch als besonders laut auf, können die tatsächlichen Geräuschpegel im begründeten Einzelfall im Nachhinein durch Messungen überprüft werden. Stellt die zuständige Behörde fest, dass die gesetzlich festgeschriebenen Grenzwerte im laufenden Betrieb überschritten werden, kann sie Maßnahmen zur Lärmreduzierung – wie zum Beispiel eine Nachtabregelung – anordnen. (siehe Wie wird die Schallemission einer Windenergieanlage reduziert?) Die Grenzwertüberschreitung hat jedoch nicht zur Folge, dass die Errichtung der Anlage rechtswidrig war oder diese abgebaut werden muss.

Wie wird die Schallemission einer Windenergieanlage reduziert?
Der Geräuschpegel einer Windenergieanlage hängt im Wesentlichen von der Drehzahl der Rotorblätter ab und steigt mit der Windgeschwindigkeit. Damit eine Anlage die gesetzlich festgelegten Grenzwerte nicht überschreitet, kann sie auf eine bestimmte Drehzahl über die Programmierung der Anlagensteuerung (Abschaltalgorithmus) abgeregelt werden. Ob eine Anlage zu einem gegebenen Zeitpunkt korrekt drosselt, kann anhand der laufend gespeicherten Betriebsdaten geprüft werden.
Nachts gelten sehr viel strengere Grenzwerte als tagsüber. Deshalb laufen Windenergieanlagen in dichter besiedelten Gebieten oder an verdichteten Standorten innerhalb von Konzentrationszonen in der Nacht häufig im abgeregelten Modus.

Geht von Windenergieanlagen für Menschen bedenklicher Infraschall aus?
Als Infraschall wird Schall im Frequenzbereich unterhalb von 20 Hertz bezeichnet. Es handelt sich also um sehr tiefe Töne, die auch in der Natur durch Meeresrauschen oder Wind erzeugt werden und überall in der technisierten Welt auftreten. Wie der Lüfter eines Computers oder eine Klimaanlage erzeugen auch Windenergieanlagen solche tieffrequenten Töne. Gesundheitlich wirkt sich Infraschall nach der derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnislage erst dann auf den Menschen aus, wenn er hör- oder spürbar ist. In diesen Fällen konnten etwa Ermüdung und eine Abnahme der Atemfrequenz wissenschaftlich nachgewiesen werden. Die Infraschallpegel einer modernen Windenergieanlage liegen jedoch laut einer Studie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt im Abstand von 150 bis 300 Metern von der Anlage weit unterhalb der sogenannten Wahrnehmungsschwelle für den Menschen. Daher kann bei Einhaltung der lärmschutzrechtlichen Mindestabstände derzeit davon ausgegangen werden, dass der durch Windenergieanlagen erzeugte Infraschall Anwohner nicht gefährdet.

Was bedeuten die Begriffe „Disko-Effekt“ und „Schlagschatten“?
Als „Disko-Effekt“ wird in der Windenergie das Phänomen „tanzender“ Lichtreflexionen an den sich drehenden Rotorblättern der Windräder bezeichnet. Dieses Problem tritt heute nicht mehr auf, da moderne Rotorblätter mit matten, reflexionsarmen Farben beschichtet werden.

Je nach Sonnenstand können die langen Flügel einer Windenergieanlage allerdings bewegte Schatten werfen. Welches Ausmaß der sogenannte Schlagschatten auf die umliegende Wohnbebauung maximal annehmen könnte, wird im Zuge des Genehmigungsprozesses untersucht und berechnet. Bei der Berechnung geht man davon aus, dass die Sonne 365 Tage im Jahr scheint und sich das Windrad durchgängig dreht. Wird festgestellt, dass unter diesen Bedingungen die rechtlich zulässige Beschattungsdauer von höchstens 30 Minuten am Tag bzw. 30 Stunden im Jahr überschritten wird, muss die Anlage mit einer Abschaltautomatik ausgestattet werden. Diese stellt sicher, dass im laufenden Betrieb die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden und sich das Windrad automatisch abstellt, sobald die Obergrenze tatsächlich erreicht wird.

Was besagt der Begriff der „optisch bedrängenden Wirkung“?
Windräder sind weithin sichtbar und wirken sich auf das Landschaftsbild aus. Nach der aktuellen Rechtsprechung zur Genehmigung von Windenergieanlagen dürfen sie auf umliegende Wohnbebauung nicht in rücksichtsloser Weise störend wirken. Dieser Sachverhalt geht auf das im Baurecht verankerte Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme von baulichen Objekten zurück und wird als „optisch bedrängende Wirkung“ in der Rechtsprechung näher definiert. Für Nordrhein-Westfalen hat das Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Münster in einem Urteil Richtwerte für die Einzelfallprüfung formuliert: Danach kann eine Anlage in einem Abstand von weniger als dem Zweifachen ihrer Gesamthöhe auf die nächste Bebauung in den überwiegenden Fällen optisch bedrängend wirken. Beträgt die Entfernung mehr als die dreifache Höhe, wirkt eine Anlage in der Regel nicht dominierend. Bei Entfernungen, die zwischen der zwei- und dreifachen Höhe liegen, muss der Einzelfall geprüft werden. Die Oberverwaltungsgerichte der anderen Bundesländer sind der nordrhein-westfälischen Rechtsprechung nicht durchgehend gefolgt; hier gelten zum Teil weniger strenge Richtwerte.

Welche Lösungen zur Kennzeichnung von Windenergieanlagen gibt es?
Um die Luftfahrtsicherheit zu gewährleisten, müssen Windenergieanlagen gemäß der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) ab einer Gesamthöhe von 100 Metern besonders gekennzeichnet werden. Unterschieden wird in eine Tages- und Nachtkennzeichnung. Rote Farbstreifen auf den Rotorblättern, in manchen Fällen auch zusätzliche weiße Lampen, sorgen tagsüber für bessere Erkennbarkeit. Bei Dunkelheit kommen rote Blinklichter zum Einsatz. Weil diese Leuchtfeuer mit der zunehmenden Zahl an Windenergieanlagen als störend empfunden werden, suchen Fachleute aus Wissenschaft und Anlagenbau gemeinsam mit den zuständigen Behörden nach besseren Lösungen. Eine aktuelle Übersicht bietet die Arbeitsgruppe Kennzeichnung des Bundesverbandes Windenergie. Signalfeuer neuerer Bauart können nach unten hin abgeschirmt werden. In Windparks kann außerdem die Taktfolge der Feuer bei allen Windrädern synchronisiert werden, um so die Befeuerung ruhiger wirken zu lassen. Ferner kann über sogenannte Sichtweitenmessgeräte, die mit der Befeuerungstechnik gekoppelt werden, die Intensität des Signalfeuers den herrschenden Lichtverhältnissen anpasst werden. Seit neuestem von der Deutschen Flugsicherung zugelassen sind sog. Primärradartechnologien, die eine bedarfsgerechte Befeuerung bei sich kritisch annähernden Luftverkehrsfahrzeugen ermöglichen. Zum Einsatz kommen kann entweder ein Aktivradar, bei dem von Antennen im Windpark elektromagnetische Impulse erzeugt werden, die dann von Flugobjekten in der Nähe reflektiert und von Sensoren im Windpark erfasst werden. Oder es wird ein Passivradar verwendet, das die Reflexionen kontinuierlich bestehender elektromagnetischer Wellen, zum Beispiel vorhandener Rundfunk- oder Mobilfunksignale, auswertet.

Welche Gefahr geht von Eisabwurf aus?
Wie andere Bauwerke auch, können Windenergieanlagen bei winterlichem Wetter Eis ansetzen. Das Ausmaß der Eisbildung hängt nicht nur von den Witterungsverhältnissen, sondern auch vom Standort ab. In der Nähe von Gebäuden oder Verkehrswegen prüft das zuständige Bauordnungsamt im Vorfeld der Genehmigung eines Windrades, ob Gefahr durch herabfallendes Eis besteht. Dazu werden umfangreiche Gutachten unabhängiger Sachverständiger erstellt. Um Eiswurf im laufenden Betrieb zu verhindern, werden moderne Windenergieanlagen häufig mit Eiserkennungssystemen ausgestattet. Diese Systeme können die Bildung von Eis auf dem Rotorblatt registrieren und die Anlage automatisch abschalten. Zusätzliche Rotorblattheizungen, die über Heizdrähte die Oberfläche der Flügel erwärmen oder warme Luft in die Blatthohlräume blasen, können die Eisbildung verhindern und so Stillstandzeiten verringern. Bislang ist bei der großen Zahl von Windenergieanlagen, die deutschlandweit im Einsatz sind, noch kein Fall bekannt geworden, bei dem jemand durch Eisabwurf von einem Windrad verletzt wurde.

Wie viel Fläche wird für eine Windenergieanlage beansprucht?
Die direkte Flächeninanspruchnahme durch Windenergieanlagen ist relativ gering. Diese beschränkt sich insbesondere auf das Fundament sowie auf die Zuwegungsflächen einschließlich Kranstellfläche. Die für das Fundament in Anspruch zu nehmende Fläche ist dabei abhängig von der Bauart und nimmt in der Regel 200 bis 400 m² ein. Ein erheblicher Teil des Fundaments um den Turm herum wird nach Errichtung der Anlage wieder für die Zuwegung zugeschüttet und ist oberirdisch nicht als Fundamentfläche zu erkennen. Die Kranstellfläche variiert nach verschiedenen Krantypen. Für die Zuwegung werden in der Regel vorhandene land- und forstwirtschaftliche Wege genutzt und für die Schwerlasttransporte durch Aufbringen von Schotter ertüchtigt. Abgesehen von der direkt baulich in Anspruch genommenen Fläche, stehen die umliegenden meist land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen weiterhin für die Bewirtschaftung zur Verfügung.

Welche Baumaßnahmen sind für die Errichtung einer Windenergieanlage erforderlich?
Der erste Schritt beim Bau einer Windenergieanlage ist die Erschließung des Geländes. Für den Transport der Anlagenbestandteile zum eigentlichen Aufstellort sind i.d.R. Ertüchtigungen der vorhandenen, meist landwirtschaftlichen Wege erforderlich. Diese müssen mit Fahrzeugen befahren werden, die meist über mehrere hundert Tonnen schwer sind. Daneben müssen Flächen für die kurzzeitige Zwischenlagerung von Anlagenkomponenten (z.B. Turmsegmente, Rotorblätter und Maschinenhaus) sowie die Kranstellfläche geschaffen werden. Neben diesen Baumaßnahmen ist die Verkabelung, d.h. der Anschluss der Windenergieanlage an eine Netzübergabestation, erforderlich. Hierzu werden Kabelverlegemaschinen eingesetzt. Zur Koordinierung dieser Aufgaben, wird ein Infrastrukturplan erstellt, der auch Bestandteil der baubehördlichen Genehmigung ist. Dabei wird in der Regel durch Fristen sichergestellt, dass die Arbeiten vor Beginn der Vegetationsperiode und Brutzeit windenergieempfindlicher Arten erfolgen. Durch die Baumaßnahmen wird der Aufstellort der Windenergieanlage zeitweilig zu einer größeren Baustelle. Die eigentliche Errichtung der Windenergieanlage am geplanten Standort nimmt i.d.R. nur einen Arbeitstag in Anspruch, ist dabei jedoch stark von der Wetterlage abhängig.

Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung

Wie profitiert NRW von der Windenergie?
Die Landesregierung setzt auf die Windenergie auch als Wirtschaftsmotor. Mittlerweile leben mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen von der Windenergie, als von der Steinkohle. Rund 16.500 Beschäftigte sind in der Windenergiebranche überwiegend in hoch qualifizierten Berufen tätig. Eine besondere Rolle erfüllt NRW als Zuliefererland. Außerdem haben Forschungsinstitutionen, Technologieunternehmen und Hersteller hier ihren Sitz. Neben Norddeutschland ist Nordrhein-Westfalen damit das zweite Ballungsgebiet der Windindustrie.

Wie profitiert die Gemeinde von dem Betrieb eines Windparks?
Laut einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien im Jahr 2012 rund 12,5 Milliarden Euro in die kommunalen Kassen gespült. Wind- und Solarenergie trugen den weitaus größten Teil zu dieser regionalen Wertschöpfung bei. Die Wertschöpfungseffekte setzen sich aus Steuern, Gewinnen und Beschäftigung zusammen und führen so zu kommunalen Einnahmen, die vor allem durch den Betrieb der Anlagen entstehen. Grundsätzlich stehen 70 Prozent des Gewerbesteueraufkommens der Kommune zu, in der die Windenergieanlage steht. Die übrigen 30 Prozent fließen der Kommune zu, in der die Betreibergesellschaft ihren Sitz hat. Zusätzlich können die Kommunen durch entstehende Arbeitsplätze und weitere Einkommen, die die Kaufkraft steigern und so in die Region zurückfließen, profitieren. Die Wertschöpfungseffekte lassen sich weiter steigern, zum Beispiel indem darauf hingewirkt wird, dass der Sitz der Betreibergesellschaft in der Kommune liegt oder erforderliche Bauarbeiten und andere Dienstleistungen von regionalen Unternehmern durchgeführt werden. Auch durch Einnahmen aus der Verpachtung eigener Flächen für die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen kann eine Kommune profitieren.

Was kostet die Errichtung einer Windenergieanlage?
Die Höhe der Investitionskosten für netzgekoppelte Windenergieanlagen an Land hängt von den jeweiligen Standortbedingungen ab. Ein maßgeblicher Faktor ist zum Beispiel die Entfernung zum nächsten Netzverknüpfungspunkt. Dies ist in der Regel ein Standortvorteil für Nordrhein-Westfalen mit seinem engmaschigen Stromnetz und im Vergleich zu anderen Ländern kurzen Wegen zu den Verteilernetzen. Ein installiertes Megawatt kostet derzeit etwa 1,5 Millionen Euro. Moderne Anlagen mit einem Leistungsvermögen von drei Megawatt erfordern dementsprechend Investitionen zwischen 4,5 und 5 Millionen Euro. Darin sind Herstellungs- und Errichtungskosten sowie Planungs- und Finanzierungskosten enthalten. Den größten Kostenblock machen die technischen Bauteile (Fundament, Turm, Rotor) aus. Dazu kommen im Einzelnen: Kosten für Transport und Montage, Bodenverbesserung, Erschließung der Zuwege, der Kranstellfläche und der benötigten Infrastruktur, Netzanschluss inklusive eventuellem Umspannwerk, Planungskosten und Bauüberwachung, Gutachten für die immissionsschutzrechtliche Genehmigung, ökologische Ausgleichsmaßnahmen, Finanzierung etc.

Welche finanziellen Beteiligungsmodelle gibt es?
In der Praxis werden verschiedene Modelle zur finanziellen Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern angeboten. Diese reichen von klassischen Bankprodukten (z.B. Sparbriefe) bis hin zu Unternehmensbeteiligungen (z.B. Geschäftsanteile an Genossenschaften oder Kommanditgesellschaften). Daneben etablieren sich zunehmend neue Modelle, die zu einer indirekten finanziellen Beteiligung am Anlagenbetrieb beitragen. Eine Bürgerstiftung beispielsweise erhält einen Teil der Umsatzerlöse, um damit gemeinnützige Einrichtungen vor Ort zu fördern. Eine Übersicht über die unterschiedlichen, gängigsten Beteiligungsmodelle sowie über realisierte Praxisbeispiele der verschiedenen Gesellschafts- und Beteiligungsformen enthält die Broschüre Klimaschutz mit Bürgerenergieanlagen.
Wenn eine Gemeinde bzw. deren Stadtwerk einen Windpark als Bürgerwindpark konzipiert und betreibt, steigt die regionale Wertschöpfung durch die finanzielle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Dies setzt zunächst eine entsprechende kommunale Flächensicherung voraus. Kommunale Projekte und Bürgerprojekte genießen regelmäßig eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung.

Verlieren Immobilien in unmittelbarer Nähe zu einer Windenergieanlage an Wert?
Die vorhandenen empirischen Untersuchungen zu dem Thema konnten bisher einen langfristigen Werteverlust eher nicht bestätigen. Allerdings ist es grundsätzlich schwierig, einen nachweislichen Preisrückgang von Eigenheimen und Grundstücken eindeutig auf benachbarte Windenergieanlagen zurückzuführen, da die Preisbildung am Immobilienmarkt von vielen Faktoren abhängt. Die Wechselbeziehung zwischen Angebot und Nachfrage wird von Kriterien wie Bodenrichtwert, Größe, Baujahr oder Ausstattung eines Objekts ebenso bestimmt wie von allgemeinen sozio-ökonomischen Effekten wie Lage und Erreichbarkeit, regionale Wirtschaftsstrukturen oder Standortimage. Sie lassen sich in der Fülle von Faktoren des lokalen Immobilienmarktes nicht von anderen Einflussfaktoren, die ebenfalls auf den Immobilienwert wirken, trennen.

Wie sind die Stromgestehungskosten einer modernen Windenergieanlage im Vergleich zu anderen Energieerzeugungsanlagen?
Die über die gesamte Betriebszeit gemittelten Kapital- und Betriebskosten pro Kilowattstunde (Stromgestehungskosten) sind der entscheidende Faktor, wenn es um die Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren im Vergleich zu den fossilen Energieträgern geht. An NRW-typischen Standorten liegen die Stromgestehungskosten einer Windenergieanlage laut einer Studie der Deutschen WindGuard GmbH im Schnitt zwischen 7,2 und 8,6 Cent pro Kilowattstunde. Damit produzieren Windenergieanlagen hierzulande heute schon zu geringeren Kosten Strom als neue Steinkohlekraftwerke, deren Stromgestehungskosten laut dem Fraunhofer ISE Institut 6,3 bis 8 Cent pro Kilowattstunde betragen, oder als Gas- und Dampfkraftwerke, die bei 7,5 bis 9,8 Cent pro Kilowattstunde liegen. Künftig wird der technologische Fortschritt die Stromgestehungskosten für Windenergielagen noch weiter senken.

Wie hoch sind die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Windenergie im Vergleich zu konventionellen Energieerzeugungsarten?
Im Vergleich zur Windenergienutzung ist Strom aus fossilen und atomaren Energiequellen mit sehr hohen gesellschaftlichen Folgekosten verbunden. Dazu zählen beispielsweise Kosten für die Endlagerung und für langfristige Umwelt- und Gesundheitsschäden. Diese sogenannten externen Kosten werden bisher bei der Berechnung von Stromgestehungskosten und auch des Strompreises für Endkunden nicht berücksichtigt. Auch profitieren die konventionellen Energieträger seit Jahrzehnten ganz erheblich von staatlichen Förderungen in Form von Finanzhilfen oder Steuervergünstigungen. Im Unterschied zu den Erneuerbaren wird ein Großteil dieser Kosten jedoch nicht transparent über den Strompreis ausgewiesen und bezahlt, sondern geht zu Lasten des Staatshaushalts. Laut einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) aus dem Jahr 2015 liegen diese gesamtgesellschaftlichen Kosten in der Summe bei der Windenergie mit 5,1 bis 8,7 Cent pro Kilowattstunde weit unter denen von Steinkohle (14,7 bis 16,7 Cent/kWh), Braunkohle (12,6 bis 14,1 Cent/kWh) und Atomenergie (18,5 bis 49,8 Cent/kWh).

Technische Entwicklung

Wie erzeugt eine Windenergieanlage Strom?
Mit einer Windenergieanlage wird die kinetische Energie des Windes (Bewegungsenergie) erst in mechanische und dann in elektrische Energie umgewandelt. Die Bewegungsenergie des Windes wirkt physikalisch auf die Rotorblätter und versetzt durch die aerodynamischen Auftriebskräfte den Rotor der Anlage in eine Drehbewegung. Der Rotor ist über eine Nabe und ein Getriebe mit einem Generator verbunden. Das Getriebe übersetzt die Leistung aus der Rotationsenergie auf den Generator, der daraus mit Hilfe elektromagnetischer Induktion Strom erzeugt. Dieser wird dann in das Stromnetz eingespeist.

Wie viel Strom kann eine moderne Windenergieanlage erzeugen?
Die Energieausbeute einer Windenergieanlage hängt maßgeblich von den örtlichen Windverhältnissen ab. Wie gut sich ein Standort zur Windstromerzeugung eignet, beschreibt die sogenannte Windhöffigkeit, also die mittlere Windgeschwindigkeit an einem bestimmten Standort. Heute am Markt verfügbare und für das Binnenland optimierte Windenergieanlagen beginnen bereits ab Windgeschwindigkeiten von unter 3 Metern pro Sekunde (Einschaltgeschwindigkeit), Strom zu erzeugen. Ab einer Windgeschwindigkeit von ca. 10 Metern pro Sekunde wird die maximale Leistung erreicht, und ab ca. 20 Metern pro Sekunde (Abschaltgeschwindigkeit) werden die Anlagen abgeregelt (Sturmregelung), um technische Schäden an den Anlagenbauteilen zu vermeiden. Physikalisch gesehen kann eine Windenergieanlage nicht die gesamte im Wind enthaltene kinetische Energie in elektrische Energie umwandeln. Der Wirkungsgrad des Rotors einer Windenergieanlage liegt heute bei großen Dreiblatt-Rotoren mit Rotordurchmessern über 100 Metern bei etwa 45 Prozent.
Die elektrische Leistung einer Windenergieanlage steigt proportional mit der Windstärke. Verdoppelt sich die Windgeschwindigkeit beispielsweise, steigt die verfügbare Leistung um den Faktor acht. Für den Energieertrag bedeutet das, dass eine Windenergieanlage in der gleichen Zeit bei stärkerem Wind achtmal so viel Strom erzeugen kann. Ein weiterer Parameter ist die Höhe der Anlage: Mit jedem Meter liefert die Anlage bis zu einem Prozent mehr Ertrag.
Eine einzelne 3-Megawatt-Windenergieanlage kann an einem guten Binnenlandstandort jährlich bis zu 10 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und so rein rechnerisch etwa 2.850 durchschnittliche 3-Personen-Haushalte mit Strom versorgen.

Wie funktioniert eine Windmessung?
Mit Hilfe von Windmessungen werden Informationen über die Windverhältnisse an einem bestimmten Standort gewonnen. Die Daten dienen der Berechnung der Ertragspotenziale sowie der Anpassung der Anlagentechnik auf die vorliegenden Verhältnisse. Gerade die Entwicklung zu immer größeren Nabenhöhen von über 150 Metern erfordert solche Windmessungen, da für große Höhen nur vergleichsweise geringe Kenntnisse über die Windhäufigkeits- und Windrichtungsverteilung vorliegen. Für die Messung gibt es neben der klassischen Mastmessung mit Sensoren zwei bodengestützte Messsysteme (SoDAR- und LiDAR-Messung). Bei der Mastmessung werden mit Hilfe von Schalenkreuzanemometern die Windverhältnisse in einer Höhe von etwa zwei Drittel der geplanten Nabenhöhe gemessen. Bei den bodengestützten Messsystemen werden Licht- (LiDAR – Light Detection and Ranging) oder Schallimpulse (SoDAR – Sound Detecting and Ranging) zur Messung eingesetzt. Um die jahreszeitlichen Einflüsse optimal zu erfassen, werden die Messungen in der Regel über einen Zeitraum von zwölf Monaten durchgeführt.
Die gewonnen Daten werden für Simulationsrechnungen genutzt, um diese auf die geplanten Nabenhöhen zu skalieren. Darin fließen auch Informationen zum Höhenprofil (Geländerauhigkeit aufgrund Topographie, Vegetation oder baulicher Anlagen) ein.

Warum sind Anlagen neueren Bautyps effizienter als alte ältere Anlagen?
Die technische Entwicklung von Windenergieanlagen hat in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gemacht, die sich konkret in Effizienzsteigerungen und entsprechenden Kostensenkungen bemerkbar machen. Der Preis für Windräder sank seit 1990 um über 30 Prozent. Durch die Entwicklung neuer Blattprofile, größerer Rotorblattdurchmesser und Nabenhöhen sowie eine Ausweitung der Serien- und Massenproduktion, konnten beachtliche Effizienzsteigerungen erreicht werden. So betrug die installierte Leistung einer durchschnittlichen Anlage Anfang der Achtziger Jahre noch 55 Kilowatt; Mitte der Neunziger waren schon Anlagen mit einer Nennleistung von 500 Kilowatt im Einsatz. Heute haben die größten Anlagen bis zu 7.000 Kilowatt (7 Megawatt) Nennleistung. Diese kommen vor allem für den Einsatz im offenen Meer in Betracht. Im Jahr 2016 wurden in Nordrhein-Westfalen Windenergieanlagen mit einer durchschnittlichen Nennleistung von etwa 2,7 Megawatt, einem Rotordurchmesser von 104 Meter und einer Nabenhöhe von 129 Meter installiert.
Eine 2-Megawatt-Anlage hat einen etwa sechsfachen Energieertrag im Vergleich zu einer 500 Kilowatt-Anlage älteren Baujahres. Angestoßen wurden diese Effizienzsteigerungen durch Innovationsanreize. So sank insbesondere die Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) stetig. Die kontinuierliche Absenkung der Vergütungszahlungen für regenerativen Strom (Degression) soll Anreize für eine fortschreitende Kostensenkung schaffen.

Können alte Anlagenteile recycelt werden?
Windenergieanlagen sind auf eine Laufzeit von zwanzig Jahren ausgelegt. Wird der Betrieb der Anlage dauerhaft eingestellt oder der Standort aufgegeben, ist der Anlagenbetreiber verpflichtet, die Anlage zurückzubauen und Bodenversiegelungen zu beseitigen (vgl. § 35 Abs. 5 Satz 2 BauGB). Die Bestandteile der Anlagen können fast vollständig recycelt werden. Dabei fällt vor allem Stahl an. Hinzu kommen glasfaser- und kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe sowie in geringem Maße auch Kupfer oder Aluminium. Die Stahlsegmente des Turms werden in Stahlwerken wieder aufbereitet. Der Beton des Fundaments kann wiederaufbereitet im Straßenbau genutzt werden. Die Rotorblätter werden in zum Teil spezialisierten Recyclinghöfen zerkleinert. Die Glasfaseranteile werden als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie verbraucht. Wenn Windenergieanlagen vor ihrer maximalen technischen Nutzungsdauer abgebaut und durch neue, leistungsstärkere Anlage ersetzt werden (siehe Repowering), können sie weitervermarktet und an anderer Stelle, zum Beispiel im Ausland, wieder aufgebaut werden.

Wann hat sich eine Windenergieanlage energetisch amortisiert? Wie ist ihre CO2-Bilanz?
Eine Windenergieanlage der Größenordnung von 1,5 Megawatt muss etwa sechs bis sieben Monate lang laufen, um die Menge an Energie zu produzieren, die für Rohstoffgewinnung, Produktion, Transport, Bau und Betrieb (inklusive Reparaturen sowie Recycling) der Anlage aufgewendet werden musste. Auf die geplante Lebensdauer von 20 Jahren gerechnet, erzeugt die Anlage entsprechend das 40- bis 70-fache der für ihre Herstellung aufgewendeten Energie. Entscheidend für die energetische Amortisation ist die am Standort vorherrschende Windgeschwindigkeit. Verdoppelt sich diese, verachtfacht sich der resultierende Energieertrag. (siehe Wie viel Strom kann eine moderne Windenergieanlage erzeugen?) Zudem kann davon ausgegangen werden, dass sich aufgrund technischer Weiterentwicklungen die Energiebilanzen weiter verbessern werden.
Verglichen mit fossilen Energieträgern hat die Windstromerzeugung eine deutlich bessere CO2-Bilanz. Nachdem die Anlagen energetisch amortisiert sind, produzieren sie bilanziell CO2-neutralen Strom. Es entstehen also keine weiteren Treibhausgase aus Kohlendioxid, da anders als bei der fossilen Stromproduktion kein Brennstoff zum Einsatz kommt. Laut dem Bundesverband Windenergie (BWE) beträgt der CO2-Ausstoß moderner Windräder über die gesamte Lebensdauer von 20 Jahren lediglich 24 Gramm pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Die Verstromung von Braunkohle verursacht durchschnittlich etwa 1.000, Steinkohle 810 und Erdgas 377 Gramm pro Kilowattstunde.
Derzeit führt die schwankende Einspeisung von Windstrom dazu, dass Reservekraftwerke (z.B. Kohle oder Gas) vorgehalten werden müssen. Dadurch verschlechtert sich die Klimabilanz von fluktuierenden Energieträgern. Allerdings wird zukünftig unter anderem durch die Speicherung von Strom, den Netzausbau oder ein intelligentes Lastmanagement der Bedarf an Reserven immer weiter reduziert.

Für welche Standorte eignen sich Kleinwindenergieanlagen?
Die Einsatzmöglichkeiten von Kleinwindenergieanlagen sind vielfältig. Sie können ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz Bestandteil einer autarken Insellösung sein (Off-Grid), um dezentral Strom zu erzeugen (Camping, Caravan, Ferien- oder Einfamilienhaus). Sie können aber auch als netzgekoppelte Anlage mit Wechselrichter und Stromzähler an das öffentliche Stromnetz angebunden sein (On-Grid). Klassische Hofstellenanlagen produzieren so Strom für die Landwirtschaft oder den Gartenbau. Die Wirtschaftlichkeit einer Kleinwindanlage hängt unmittelbar von den vor Ort herrschenden Windverhältnissen ab. Je höher die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit, desto höher der jährliche Stromertrag. Eine moderne, qualitativ hochwertige Turbine kann an einem windhöffigen Standort Windstrom auf dem Preisniveau von Haushaltsstrom generieren. Daher gilt: Je mehr Windstrom selbst verbraucht wird, desto höher die Wirtschaftlichkeit. Kleinwindanlagen sind also im Unterschied zu den Anlagen der Multimegawattklasse grundsätzlich Eigenverbrauchsanlagen. Bei privaten Anlagen über 5 kW Leistung und bei sehr guten Windbedingungen können die Stromgestehungskosten so niedrig sein, dass sie unter dem Strompreis des Energieversorgers liegen.

Wie hoch sind die Volllaststunden von modernen Windenergieanlagen?
Die Volllaststunden von Windenergieanlagen ergeben sich rechnerisch, indem die Jahreserträge einer Anlage (Kilowattstunden) durch die installierte Nennleistung (Kilowatt) dividiert werden. Laut dem Leipziger Institut für Energie weisen alle 2014 in Deutschland installierten Windenergieanlagen im Schnitt eine rechnerische Auslastung von etwa 1860 Volllaststunden auf.
Diese Zahl allein ist wenig aussagekräftig. Die Betrachtung von Volllaststunden dient in erster Linie dem Vergleich unterschiedlicher Anlagentypen und Standortbedingungen. Da es sich um eine rein rechnerische Größe handelt, gibt die Kennzahl keinen Aufschluss darüber, wie viele Stunden im Jahr eine Windenergieanlage tatsächlich in das Stromnetz eingespeist. Grundsätzlich gilt aber: Je höher die Zahl der Volllaststunden, desto stetiger die Einspeisung und desto geringer die Anforderungen an das Stromsystem.
Aus diesem Grund werden Windenergieanlagen in Deutschland zunehmend systemoptimiert und standortdifferenziert ausgelegt. An Binnenlandstandorten sind dazu in den letzten Jahre Anlagen mit größeren Rotordurchmessern bei gleichbleibender Nennleistung errichtet worden. Diese „Schwachwindanlagen“ können auch bei geringen Windgeschwindigkeiten höhere Leistungen und damit eine höhere Volllaststundenzahl erzielen.
Moderne Windenergieanlagen erreichen an typischen Binnenlandstandorten in NRW mittlerweile 2.500 Volllaststunden und mehr. Da die technische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, ist in Zukunft mit einer weiter steigenden Auslastung der Windenergieanlagen und somit einer deutlich gleichmäßigeren Stromeinspeisung und entsprechenden Entlastung der Netzinfrastruktur zu rechnen (siehe auch Studie der Agora Energiewende).

Repowering

Was versteht man unter Repowering?
Repowering bezeichnet das Ersetzen bestehender Altanlagen durch neue, leistungsstärkere und effizientere Windenergieanlagen. Während in den 90er Jahren gebaute Anlagen noch eine Leistung von rund 500 Kilowatt aufwiesen, erbringen neue moderne Anlagen eine Leistung von rund 3 Megawatt und liefern höhere Stromerträge. Im Idealfall soll durch Repowering die Anzahl der Anlagen in einem Gebiet verringert werden, bei mindestens gleichbleibender installierter Leistung. Auf diese Weise kann eine Kommune die lokale Verteilung der Anlagenstandorte neu ordnen und etwaige Fehlplanungen beheben.

Unter welchen Umständen lohnt sich ein Repowering-Vorhaben (und für wen)?
Der Ersatz älterer, leistungsschwächerer Anlagen lohnt sich für den Betreiber in der Regel zumeist nur, wenn die Altanlage vor dem Jahr 2002 in Betrieb gegangen ist. In Nordrhein-Westfalen erfüllt fast die Hälfte aller in Betrieb befindlichen Anlagen diese Voraussetzung.
Für die Kommune ist Repowering insbesondere dann von Vorteil, wenn es viele alte Anlagen im Gemeindegebiet gibt und diese über das ganze Gemeindegebiet verstreut sind. Durch das Repowering können Windkonzentrationszonen geschaffen, vorhandene Windparks neu geordnet und die Anzahl der Anlagen verringert werden. Die Beseitigung von Streuanlagen beruhigt das Landschaftsbild – ein positiver Effekt für die Menschen vor Ort. Bei gesteigerten Ertragsleistungen entstehen außerdem höhere Gewerbesteuereinnahmen für die kommunalen Kassen.

Ist jeder Standort für eine Umrüstung geeignet?
Weil repowerte Anlagen in der Regel höher sind und häufig ein stärkeres Fundament brauchen, muss der Standort neu betrachtet werden. Standorte, die beispielsweise der Sicherheit des Luftverkehrs widersprechen oder ungünstige Bodenverhältnisse aufweisen, können sich als ungeeignet erweisen. Aber auch planungsrechtliche Hindernisse können dem Repowering entgegenstehen. Wurde in einem Gemeindegebiet eine Windkonzentrationszone ausgewiesen, dürfen neue Windenergieanlagen in der Regel nur innerhalb Gebiets errichtet werden. Das gilt auch dann, wenn sich eine Altanlage außerhalb einer – nachträglich ausgewiesenen – Konzentrationszone befindet. Zwar genießen alte Anlagen – vorausgesetzt sie sind rechtmäßig errichtet worden – sogenannten Bestandsschutz, wenn sich die gesetzlichen Vorschriften nachträglich ändern. Dieser erlischt jedoch mit Abbau der Anlage und gilt nicht für die Neuanlage fort. Hat sich das Planungsrecht in der Zwischenzeit geändert, kann es sein, dass die Errichtung einer neuen Anlage am selben Standort der Altanlage nicht mehr zulässig ist. Das gleiche gilt für Altanlagen, die in einem nachträglich ausgewiesenen Schutzgebiet stehen.

Welche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind durch die moderneren Anlagentypen zu erwarten?
Moderne Windenergieanlagen haben eine größere Nabenhöhe und einen größeren Rotordurchmesser, weisen aber eine geringere Drehzahl auf. Sie sind zwar weithin sichtbar, bewegen sich aber langsamer und wirken so im Landschaftsbild wesentlich ruhiger. Liefen alte Anlagen noch mit 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute, drehen sich moderne nur noch etwa 20 Mal in der Minute. Durch die Weiterentwicklung der Anlagentechnik laufen moderne Windräder außerdem erheblich leiser. Sie weisen durch neue Beschichtungstechnologien tagsüber keinen „Disko-Effekt“ durch tanzende Lichtreflexe mehr auf und sind durch verbesserte Befeuerungslösungen nachts unauffälliger.

Wie können Kommunen Repowering-Aktivitäten unterstützen?

Die Kommune muss dafür sorgen, dass das Repowering baurechtlich zulässig ist. Mithilfe eines „Bebauungsplan für das Repowering“ kann sie ein Gebiet festlegen, in dem der Bau von Windenergieanlagen möglich ist – unter der Voraussetzung, dass bestimmte Altanlagen zurückgebaut oder stillgelegt werden. Die Umsetzung ist dann allerdings Sache von Betreibern und Investoren. Um das Repowering voranzutreiben, sollten alle Akteure – dazu gehören auch die Grundstücksinhaber – frühzeitig am Repoweringprozess beteiligt werden. Alternativ kann die Kommune einen Flächennutzungsplan aufstellen oder ändern, und diesen mit einem städtebaulichen Vertrag kombinieren. In diesem Vertrag, der zwischen der Gemeinde und dem Beteiligten geschlossen wird, kann vereinbart werden, dass in einem als Konzentrationszone ausgewiesenem Gebiet nur dann Anlagen errichtet werden, wenn an anderer Stelle Anlagen abgebaut oder stillgelegt werden. Damit das Repowering sozialverträglich erfolgt und die Akzeptanz für Repoweringprojekte gesteigert wird, sollten Kommunen – falls alter und neuer Betreiber bzw. Grundstückeigentümer nicht identisch sind – über einen finanziellen Ausgleich nachdenken. (siehe Sind Gemeinden verpflichtet, Konzentrationszonen auszuweisen? Können Windenergieanlagen außerhalb von Konzentrationszonen errichtet und betrieben werden?)

Photovoltaik

Ziele und Potenziale

Welche Potenziale hat Nordrhein-Westfalen für den Ausbau der Photovoltaik?
Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Nordrhein-Westfalen soll sich bis 2025 auf mindestens 30 Prozent erhöhen. Dazu gehört auch der Ausbau von Solarenergie. Laut der landesweiten Potenzialstudie Erneuerbare Energien NRW zur Solarenergie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz könnten auf einer Gesamtfläche von maximal 469 Quadratkilometern Photovoltaikanlagen errichtet werden. Das entspricht einer maximal installierbaren Leistung von rund 84 Gigawatt-Peak (GWp) bzw. einer jährlichen Strommenge von etwa 72 Terrawattstunden (TWh). Im Jahr 2015 wurden lediglich ca. 5 Prozent, also etwa 3,7 TWh, des Potenzials ausgeschöpft. Würde das Sonnenenergiepotenzial vollständig ausgenutzt, könnte der Solarstrom etwa die Hälfte des landesweiten jährlichen Strombedarfs (2010: 145 TWh) decken. Das gesamte Potenzial könnte rein rechnerisch neun konventionelle Kraftwerke ersetzen.
Mehr als die Hälfte der Potenzialflächen zur Nutzung der Solarenergie entfallen auf Dächer, der kleinere Teil auf Freiflächen. Mehr als 60 Prozent der Freiflächen liegen entlang von Autobahnen und Schienenwegen. Aber auch Deponien und Halden sowie Parkplätze und Industrie- oder Gewerbegebiete bieten sich an. Die Grundlagenkarten der Solarpotenzialstudie sind im Energieatlas NRW einsehbar.

Technische Entwicklung


Wie funktioniert eine Solarzelle?

Solarzellen wandeln die Energie des Sonnenlichts in Strom um. Eine Solarzelle besteht meist aus einer Siliziumscheibe (Wafer). Damit aus dieser Siliziumscheibe eine Solarzelle wird, muss in einem speziellen Fertigungsprozess eine hauchdünne Siliziumschicht gezielt mit Fremdatomen wie Bor und Phosphor „verunreinigt“ werden (Dotierung). Das führt dazu, dass bei Lichteinfall negative und positive Elektronen freigesetzt werden und der Halbleiter leitend wird. Diese negativ und positiv dotierten Schichten werden durch ein internes elektrisches Feld getrennt. Auf diese Weise entsteht eine Spannung zwischen den Metallkontakten, die an der Oberfläche der Solarzellen angebracht sind. Wird der äußere Kreis geschlossen, fließt ein elektrischer Gleichstrom. Mehrere Solarzellen werden in einem Modul in Reihe zusammengeschaltet.

Welche Arten von Solarzellen gibt es und welche Wirkungsgrade haben diese?“
Solarzellen unterscheiden sich durch die eingesetzten Halbleitermaterialien. Das auf dem Photovoltaikmarkt mit Abstand am häufigsten genutzte Material ist Silizium. Höchste Wirkungsgrade im Sinne der erzeugten elektrischen Energie im Verhältnis zur einfallenden Lichtenergie erreicht monokristallines Silizium (ca. 20 %), während das in der Herstellung preiswertere multi- oder polykristalline Silizium einen etwas geringeren Wirkungsgrad (ca. 18 %) hat. Als weitere Alternative bietet der Markt Dünnschicht-Solarzellen. Ihr Marktanteil liegt derzeit bei etwa 20 Prozent. Sie unterscheiden sich von traditionellen Solarzellen vor allem durch die Schichtdicke der verwendeten Materialien: Die Dünnschichttechnologie verarbeitet deutlich weniger Halbleitermaterial, das in einer Dicke von nur wenigen Mikrometern auf dem Trägermaterial aufgebracht wird. Ferner sind die Produktionsverfahren im großtechnischen Maßstab vergleichsweise einfacher. Verwendete Halbleiterstoffe sind unter anderem amorphes Silizium (Wirkungsgrad 5-7 %), Kupfer-Indium-Disulfid bzw. Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid (17-18 %) und Cadmium-Tellurid (ca. 10 %).
Die Forschung beschäftigt vor allem die Erhöhung der Wirkungsgrade bei gleichzeitiger Kosteneffizienz. Insbesondere Dünnschichtproduzenten wollen so den Anschluss an den Massenmarkt schaffen. Neben der sogenannten HIT-Technik, die amorphe und kristalline Zellen vereint, werden außerdem organische Stoffe und Farbstoffzellen für die Photovoltaiknutzung erforscht.

Aus welchen Komponenten setzt sich eine PV-Anlage zusammen?
Je nach Größe und Typ werden in einer Photovoltaikanlage mehrere Module in Serie und/oder in Reihe geschaltet und zu einem Solargenerator zusammengefasst. Ein Wechselrichter wandelt den vom Solargenerator erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um, der dann – beispielsweise im Haushalt – direkt genutzt oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Zusätzlich zum herkömmlichen Strombezugszähler wird ein Einspeisezähler notwendig, der die Menge des eingespeisten Solarstroms misst. Die Funktionen der beiden Geräte können auch durch einen Zweirichtungszähler übernommen werden. Für neue Anlagen über einer Bagatellgrenze (10 kWp) muss zusätzlich ein gesonderter Erzeugungszähler installiert werden, um die Menge des eigenverbrauchten Stroms ermitteln zu können, auf den seit 2014 eine anteilige EEG-Umlage erhoben wird. Eine weitere Komponente ist eine Lastmanagementvorrichtung. Mithilfe eines Rundsteuergeräts kann die Anlage bei Bedarf heruntergeregelt oder sogar vollständig vom Netz genommen werden. (siehe Warum wird die Nachrüstung vorgeschrieben? Was ist das „50,2 Hz-Problem“?) Ergänzend kann die Anlage mit einem Batteriespeicher ausgestattet werden. (siehe Lohnt sich ein PV-Speicher?)

Wie wird die PV-Dachanlage montiert?
Eine „Aufdachanlage“ wird auf einer speziellen Unterkonstruktion auf das Gebäudedach montiert. Um höchste Erträge zu erzielen, sollte das Dach möglichst in südlicher Richtung ausgerichtet sein. Ost-West-Anlagen sind ebenfalls möglich. Sie führen zwar zu Mindererträgen von etwa 10 Prozent, dafür wird der Solarstrom etwas gleichmäßiger über den Tag produziert, was unter Umständen die Eigenverbrauchsquote und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlage erhöhen kann. Daneben sollte die Dachfläche eine geeignete Neigung aufweisen. In Nordrhein-Westfalen ist ein Winkel von ca. 37 Grad optimal. Neben der Aufdachmontage gibt es auch andere Varianten wie die Einfassung in das Dach selbst („Indachmontage“), eine Freiaufstellung oder eine integrierte Fassadenmontage. Bei der Wahl der Montageart spielen neben der optimalen Ausrichtung und Neigung auch optische und architektonische Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle. (siehe Ist mein Haus für eine PV-Anlage geeignet?)

Wie hoch ist die Lebensdauer einer PV-Anlage?
Für belastbare Aussagen zur Lebensdauer von Photovoltaikanlagen fehlt es grundsätzlich noch an Langzeiterfahrungen. Die von den Modulherstellern gewährte Leistungsgarantie liegt häufig zwischen 20 und 25 Jahren. Rein physikalisch gibt es keine Gründe, warum eine Solarzelle nicht auch 40 Jahre oder länger funktionieren soll. Solarzellen der ersten Generation sind zum Teil noch heute in Betrieb. Dies setzt allerdings eine ordentliche Verarbeitung der anderen Werkstoffe wie Glasabdeckung, Anschlussdosen und ähnlichem voraus. Grundsätzlich ist aufgrund der Degradation mit einem Minderertrag von maximal 0,5 Prozent pro Jahr zu rechnen. Die Lebensdauer eines Wechselrichters ist mit etwa zehn Jahren deutlich kürzer, weshalb in der Regel davon auszugehen ist, dass dieser mindestens einmal ersetzt werden muss. Weil durch Sturm, Hagel oder Blitzschlag Anlagenteile beschädigt werden können, ist der Abschluss einer Allgefahren-Versicherung für die Photovoltaikanlage zu empfehlen.

Wann hat sich eine PV-Anlage energetisch amortisiert?
Solarzellen produzieren während ihrer gesamten Lebensdauer zwischen 7,5 und 17 Mal mehr Energie, als für ihre Produktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbraucht wird. Die Herstellungsmethoden von Solarzellen haben sich in den letzten Jahren rasant verändert. Dadurch hat sich die Zeitspanne, in der die für die Produktion verbrauchte Energie wieder ausgeglichen wird, erheblich verkürzt. Dabei spielen auch die Standortbedingungen eine große Rolle. Eine vergleichende Betrachtung relevanter Studien kommt zu dem Schluss, dass die an einem typischen deutschen Standort realistische Amortisationszeit von monokristallinen Siliziumzellen aufgrund der aufwendigen Herstellung mit etwa 40 Monaten am längsten dauert. Polykristalline Solarzellen benötigen dagegen nur 30 Monate. Die Energiebilanz von Dünnschichtzellen ist noch einmal deutlich besser, weil die Fertigung effizienter und der Rohstoffverbrauch geringer ist als bei kristallinen Zellen. Amorphe Dünnschichtzellen amortisieren sich demnach nach etwa 28 Monaten, Kupfer-Indium-Disulfid-Zellen nach 17 Monaten. (siehe Welche Arten von Solarzellen gibt es und welche Wirkungsgrade haben diese?)

Können alte Anlagenteile recycelt werden?
Photovoltaikanlagen der älteren Generation erreichen gegenwärtig das Ende ihrer Lebensdauer und werden abgebaut. Ausgediente Module können recycelt werden, um so wertvolle verbaute Rohstoffe und Halbleitermaterialien zurückzugewinnen. Insbesondere die in bestimmten Modultypen verwendeten seltenen Metalle Indium und Tellur sind im Vergleich zu Silizium deutlich aufwendiger abzubauen. Seit 2014 schreibt daher die überarbeitete WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment) der EU den Modulimporteuren und -herstellern eine kostenfreie Rücknahme- und Recyclingpflicht vor. In Deutschland konkretisiert das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) diese Verpflichtung. Viele Solarimporteure und -hersteller haben sich in der freiwilligen Vereinigung PV CYCLE zusammengeschlossen, die als Dienstleister im Auftrag ihrer Mitglieder ein eigenes Sammelnetz und einen Abholservice zur Übernahme von Altmodulen zur Verfügung stellt.

Was ist der Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie?
Eine Photovoltaikanlage wandelt Sonnenenergie in elektrischen Strom um. Bei der Solarthermie wandeln die Kollektoren auf dem Dach das Sonnenlicht über sogenannte Wärmetauscher in nutzbare Wärme um, die in der Regel in Pufferspeichern zwischengelagert und so für die Heizung und Warmwasserbereitung genutzt wird.

Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung

Ist mein Haus für eine PV-Anlage geeignet?
Pro Kilowatt-Peak elektrischer Leistung benötigt eine Photovoltaikanlage mit kristallinen Modulen eine Fläche von etwa acht Quadratmetern. Maßgeblich für den Energieertrag und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlage ist der Standort. In Nordrhein-Westfalen ist bei optimaler Süd-Ausrichtung ein Energieertrag von 860 – 920 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak (kWh/kWp) möglich, bei einer Süd-West oder Süd-Ost-Ausrichtung immerhin noch 810 – 870 kWh/kWp. Eine Ost-West-Ausrichtung führt zwar zu weiteren Mindererträgen, dafür wird der Solarstrom etwas gleichmäßiger über den Tag produziert, was unter Umständen die Eigenverbrauchsquote und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlage erhöhen kann. Für die Dachneigung gilt ein Mittelwert, weil der Sonnenstand geografisch und im Tages- und Jahresverlauf variiert. In Nordrhein-Westfalen ist ein Neigungswinkel von ca. 37 Grad in diesem Sinne optimal. Ferner sollten die Module möglichst nicht im Schatten von Schornsteinen, Gauben, Bäumen und ähnlichem stehen. Auch nur kleine Schattenwürfe auf einzelne Solarzellen eines Moduls – etwa durch Dachantennen – können wegen der Reihenschaltung der Solarzellen große Ertragsverluste bewirken. Eine Verschattung in den frühen Morgen- und späten Abendstunden kann allerdings vernachlässigt werden. Viele Städte und Gemeinden bieten mittlerweile sogenannte Solarkataster zur ersten Orientierung an. Letztlich ist eine Vorortberatung zu empfehlen. Beim Solar-Check NRW prüft ein geschulter Berater die Möglichkeiten der Solarenergienutzung für Ihr Haus.

Wie teuer ist eine PV-Anlage?
Die Gesamtkosten einer Photovoltaikdachanlage hängen zu etwa 50 Prozent von den Investitionskosten für die Module ab. Die Modulpreise sind in den letzten Jahren vor allem aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der damit einhergehenden Großserienproduktion sowie der zunehmenden Automatisierung rasant gesunken. Der durchschnittliche Netto-Endkundenpreis für fertig installierte Dachanlagen zwischen 10 und 100 Kilowatt-Peak (kWp) liegt Ende 2015 laut Bundesverband Solarwirtschaft bei 1.270 Euro pro kWp und ist damit seit 2006 um etwa 75 Prozent gefallen. Hinzu kommen in der Regel Mietkosten für den notwendigen Einspeisezähler (15 – 40 Euro), Versicherungskosten (höhere Gebäudeversicherung, Haftpflichtversicherung und Allgefahren-Versicherung) sowie gegebenenfalls ein Rundsteuergerät (einmalig 400 Euro). Ferner kommen Wartungskosten zwischen 150 und 250 Euro (bei einem Einfamilienhaus) hinzu. (siehe Welche Maßnahmen der Instandhaltung sind notwendig?)

Was ist die sinnvolle Größe für eine PV-Anlage?
Die Größe einer Photovoltaikanlage wurde in der Vergangenheit nach der maximalen Größe der geeigneten Dachfläche ausgelegt. Anhaltspunkt ist ein mittlerer Flächenbedarf von acht Quadratmetern pro Kilowatt-Peak (kWp) installierter Leistung. Auf privaten Dächern werden bevorzugt Anlagengrößen zwischen 2 und 5 kWp errichtet. (siehe Wieviel Strom kann eine PV-Anlage produzieren?) In Zukunft gilt die maximale Anlagengröße aber nicht mehr als wirtschaftlichste Lösung: In der Zwischenzeit wurde die garantierte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soweit abgesenkt, dass sie unter dem Niveau der durchschnittlichen Haushaltsstrompreise liegt. Der solar erzeugte Strom rechnet sich daher vor allem durch die Reduzierung des Netzstrombezugs. Deshalb ist mittlerweile ein möglichst hoher Eigenverbrauchsanteil am erzeugten Solarstrom für die Auslegung der Anlagengröße ausschlaggebend. Der typische Eigenverbrauchsanteil eines Vier-Personen-Haushalts liegt derzeit – abhängig vom Nutzerverhalten – über das Jahr gesehen bei etwa 30 Prozent. Mit Hilfe eines Energiemanagements und/oder eines Batteriespeichers kann dieser Anteil zukünftig gesteigert werden (siehe Lohnt sich ein PV-Speicher?). Ein Solarrechner erlaubt eine erste grobe Einschätzung zur Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage.

Lohnt sich ein PV-Speicher für Dachanlagen?
Mithilfe eines Batteriespeichers lässt sich der Eigenverbrauchsanteil an dem selbst produzierten Solarstrom erhöhen. Produziert die Anlage mangels Sonneneinstrahlung keinen Strom, wird der gespeicherte Strom genutzt. Batteriespeicher unterstützen zudem das Energiesystem, weil sie Leistungsspitzen – zum Beispiel am Mittag – abfedern und somit zur Entlastung der örtlichen Verteilstromnetze beitragen können. Die Anschaffungskosten für Batteriespeicher sind in den letzten Jahren massiv gesunken. Aufgrund des wachsenden Wettbewerbs auf dem PV-Speichermarkt ist weiterhin mit stark sinkenden Gerätepreisen zu rechnen, so dass die Investition in ein Speichersystem auch finanziell immer interessanter wird. Eine erste Einschätzung der Wirtschaftlichkeit ermöglicht ein Speicherrechner im Internet. Steht für den Anlagenbetreiber eine möglichst autarke Stromversorgung im Vordergrund, ist die Speicherlösung in jedem Fall die beste Möglichkeit.

Eine Entscheidung für einen PV-Speicher erfordert eine sorgfältige Planung und Beratung vor Ort, da die Stromspeicherkapazität der Batterie auf die Leistung der Photovoltaikanlage und den Haushaltsstrombedarf abgestimmt sein muss (siehe Was ist die sinnvolle Größe für eine PV-Anlage? Welche Speichertechnologie ist empfehlenswert?).

Welche Speichertechnologie ist empfehlenswert?
Am Markt erhältlich sind derzeit Bleibatterien und Lithium-Ionen-Batterien, die sich in ihrer nutzbaren Kapazität, der maximalen Entladetiefe sowie der Anzahl der möglichen Be- und Entladungen (Zyklenzahl) grundlegend unterscheiden. Die Zyklenzahl bestimmt die Lebensdauer. Bleibatterien halten beim Einsatz in einem typischen Durchschnitthaushalt 6 bis 12 Jahre, Lithium-Ionen-Batterien 16 bis 25 Jahre. Bleibatterien sind bewährter und entsprechend deutlich günstiger. Entscheidender sind aber letztlich die Kosten pro gespeicherte Kilowattstunde, die den Gerätepreis mit der speicherbaren Energiemenge ins Verhältnis setzen. Die Entscheidung für eine der beiden Speichertechnologien kann also nur im Einzelfall von einem Fachmann vor Ort geklärt werden. (siehe Lohnt sich ein PV-Speicher?) Zu berücksichtigen sind letztlich auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen unterschiedlicher Speichertechnologien über ihren gesamten Lebenszyklus. Lithium ist ein endlicher Rohstoff, der unter größeren Umweltauswirkungen abgebaut wird. Blei wiederum ist ein giftiges Schwermetall. Bleibatterien sind entsprechend Sondermüll und müssen aufwendig recycelt werden.

Wie viel Strom kann eine eigene PV-Anlage produzieren?
Die Energieausbeute einer Photovoltaikanlage hängt vom Standort, von der Dachneigung und der verwendeten Technologie ab. Im Schnitt erzeugt eine Photovoltaikanlage in Nordrhein-Westfalen bei optimaler Süd-Ausrichtung pro Kilowatt Peak (kWp) installierter Leistung 860 bis 920 Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr. Der jährliche Strombedarf eines Durchschnittshaushalts von 3.500 kWh könnte demnach durch eine Anlage auf dem eigenen Dach in der Größe von 4 kWp rein rechnerisch gedeckt werden. Die Erzeugung des Solarstroms und der Stromverbrauch im Haushalt finden allerdings nicht immer deckungsgleich statt. Deshalb liegt der typische Eigenverbrauchsanteil eines Vier-Personen-Haushalts derzeit eher bei etwa 30 Prozent. Angesichts der gesunkenen Einspeisevergütung besteht in Zukunft die Herausforderung darin, möglichst viel von dem erzeugten Solarstrom selbst zu verbrauchen. (siehe Was ist die sinnvolle Größe für eine PV-Anlage?)

Kommunale Planung

Bedürfen PV-Dachanlagen einer Genehmigung?
In Nordrhein-Westfalen sind Photovoltaikanlagen auf Dächern oder an Fassaden laut der Landesbauordnung genehmigungsfrei. Bei denkmalgeschützten Gebäuden oder besonders erhaltenswerter Bausubstanz sollten weitere Erkundigungen beim örtlichen Bauordnungsamt eingeholt werden. Gegebenenfalls können einer PV-Dachanlage auch örtliche Gestaltungssatzungen entgegenstehen, etwa auf Gebäuden in einer historischen Altstadt. Neu in Betrieb genommene Dachanlagen sind der Bundesnetzagentur zu melden, um die garantierte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgezahlt zu bekommen.

Wie kann die Kommune PV-Anlagen fördern?
Viele Kommunen oder Kreise haben mittlerweile sogenannte Solardachkataster erstellt. Darin werden sämtliche Dachflächen in einer Stadt oder Region auf der Basis von Luftbildern oder Laserscans analysiert und mögliche Potenziale für die Solarenergienutzung aufgezeigt. Anhand dieser Daten erhalten private und gewerbliche Gebäudeeigentümer erste Anhaltspunkte, ob und wie gut sich ihre Dachflächen für die Installation von Photovoltaik- oder auch Solarthermieanlagen eignen. Um die Solarenergienutzung in Neubauten anzuregen, können Kommunen, die eigene Baugrundstücke veräußern, einen Aufpreis in die Kaufverträge schreiben, der an den Käufer zurückgezahlt wird, wenn er innerhalb eines bestimmten Zeitraumes eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage auf seinem Neubau errichtet (Solarbonus). Ferner erstellen einige Kommunen Solardachkataster eigens für kommunale Gebäude und stellen die geeigneten Gebäudedachflächen Dritten zur Verfügung. Potentielle Investoren, insbesondere interessierte Bürgerinnen und Bürger, können diese kommunalen Dachflächen pachten und dort Photovoltaikanlagen installieren. (siehe Welche finanziellen Beteiligungsmöglichkeiten gibt es?)

Welche planungsrechtlichen Voraussetzungen gelten für PV-Freiflächenanlagen?
PV-Freiflächenanlagen bedürfen einer Baugenehmigung. Im Zuge des Verfahrens wird geprüft, ob die geplante Anlage gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften verstößt. Dazu zählen insbesondere bauplanungsrechtliche Vorgaben. Freiflächenanlagen können außerhalb zusammenhängender Bebauung im Außenbereich im Einzelfall als sonstige Vorhaben zugelassen werden. Besteht also bereits ein Bebauungsplan für die Fläche, auf der die Photovoltaikanlage errichtet werden soll, muss das Vorhaben den Festsetzungen entsprechen. Ist das nicht der Fall oder liegt für die Fläche noch keine Bebauungsplanung vor, muss der Plan entsprechend im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung überarbeitet bzw. neu aufgestellt werden. Dabei müssen die Gemeinden die Ziele der Raumordnung beachten. Enthält der Regionalplan textliche oder zeichnerische Aussagen zu PV-Freiflächen, sind diese grundsätzlich zu berücksichtigen. Auf Fachplanungsflächen, wie beispielsweise Deponien, ist ein gesondertes Verfahren notwendig.

Bürgerbeteiligung

Welche finanziellen Beteiligungsmöglichkeiten gibt es?
Bürgersolaranlagen sind die bekannteste Form einer finanziellen Bürgerbeteiligung bei der Nutzung der Solarenergie. Als gemeinschaftlich organisierte Projekte werden sie überwiegend in ehrenamtlicher Arbeit angestoßen: von der Suche nach geeigneten Flächen und dem Aushandeln eines Pachtvertrags über das Einholen von Angeboten für die PV-Anlage bis zur Gründung einer Betreibergesellschaft. Für den eigentlichen Betrieb bieten sich verschiedene Rechtsformen an. Am einfachsten und kostengünstigsten ist die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Die GbR erhält als Eigentümerin der PV-Anlage die Einspeisevergütung für den erzeugten und eingespeisten Strom. Der größte Nachteil einer GbR besteht darin, dass die Gesellschafter in vollem Umfang mit ihrem Privatvermögen haften. Als alternative Gesellschaftsformen kommen – insbesondere bei größeren Projekten – auch die GmbH und Co. KG oder die Genossenschaft in Frage. Kommunen können Bürgersolarvorhaben mit der Bereitstellung von kommunalen Dachflächen oder Grundstücken aktiv unterstützen und so den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. (siehe Wie kann die Kommune PV-Anlagen fördern?)

Bioenergie

Ziele und Potenziale

Was ist Bioenergie?
Bioenergie wird aus Biomasse gewonnen, indem die in den pflanzlichen Rohstoffen gespeicherte Sonnenenergie durch mikrobielle Vergärung nutzbar gemacht wird. Zu den nutzbaren Bio-Rohstoffen gehören nachwachsende Pflanzen von Holz über Mais bis Schilfgras, aber auch Reststoffe wie Gülle und Stroh aus der Landwirtschaft, Biomüll und Klärschlamm aus dem Siedlungsbereich oder Abfälle aus der Nahrungsmittelproduktion. Diese festen, flüssigen oder gasförmigen organischen Roh- und Reststoffe werden in entsprechend ausgelegten Biomasseanlagen zur Energiegewinnung umgewandelt. Dazu wird zum Beispiel das in der Anlage gewonnene Biogas direkt am Ort in einem angeschlossenen Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Es kann aber auch in weiter entfernte Satelliten-Blockheizkraftwerke geleitet werden, um dort verstromt zu werden, wo ein großer und kontinuierlicher Wärmebedarf besteht. Eine dritte Möglichkeit ist die Aufbereitung des Biogases, um es in das Erdgasnetz einzuspeisen. Die Leistungskapazitäten der verschiedenen Biomasseanlagen reichen dabei von wenigen Kilowatt (kW) bis zu einigen Megawatt (MW).

Welche Vorteile bietet Biomasse als erneuerbarer Energieträger?
Anders als Wind- und Solarenergie kann Biomasse als erneuerbarer Energieträger rund um die Uhr für die Energiegewinnung genutzt werden. Sie ist darüber hinaus dezentral und flexibel einsetzbar – ob zur Stromerzeugung, Wärmegewinnung oder für eine kombinierte Kraft-Wärme-Kopplung. Deshalb ist die Biomassenutzung gerade im kommunalen Bereich interessant und stärkt damit die regionale Wertschöpfung, beispielsweise im Rahmen der Nahversorgung größerer Wärmeabnehmer durch Holzheizkraftwerke (z.B. Schwimmbäder, Gärtnereien, Schulen) oder aber auch in Form von Biogasanlagen mit angeschlossenen Blockheizkraftwerken (BHKW), die nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsprinzip gleichzeitig Strom und Wärme liefern. Weil Biomasse eine so vielseitig nutzbare Energiequelle ist, bietet die vollständige Erschließung ihrer Potenziale entlang der verschiedenen Wertschöpfungsketten noch viele Entwicklungsansätze.

Wie trägt eine Biogasanlage zum Klimaschutz bei?
Biogasanlagen können durch die Substitution von fossilen Energieträgern einen bedeutenden Beitrag zur Senkung klimaschädlicher Emissionen leisten. Inwiefern das gelingt, ist maßgeblich vom jeweiligen Anlagenkonzept abhängig. Neben den eingesetzten Substraten, der Transportentfernung und dem jeweiligen Wärmenutzungskonzept (Substitution fossiler Wärmeenergieträger), spielt hierbei auch die Anlagengröße (Betrieb und Errichtung) eine bedeutende Rolle. Eine positive Bilanz kann insbesondere durch einen hohen Anteil von Wirtschaftsdüngern und Reststoffen im Substratmix, einen hohen Wärmenutzungsgrad, eine effiziente Rohstofferzeugung und –ausnutzung sowie durch die Minimierung von Methanverlusten erreicht werden.

Wie hat sich die Biogasnutzung in Nordrhein-Westfalen entwickelt?
Die Bioenergienutzung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 2013 wurden bundesweit insgesamt 47,8 Milliarden Kilowattstunden Strom, 117 Milliarden Kilowattstunden Wärme sowie 3,4 Millionen Tonnen Biokraftstoffe aus Biomasse erzeugt. In Nordrhein-Westfalen waren Ende 2015 allein in der Landwirtschaft etwa 623 Anlagen mit einer Leistung von 295 Megawatt in Betrieb. Im Jahr 2015 steuerte die Bioenergie 8,9 Prozent zum Endenergiebedarf Deutschlands bei. Weil die Bioenergienutzung in den verschiedenen Wertschöpfungsketten fester, flüssiger und gasförmiger Biomasse viel Entwicklungspotenzial bietet, entsteht in Nordrhein-Westfalen derzeit eine Vielzahl an innovativen Projekten zur effizienteren Nutzung der Roh- und Reststoffe aus land-, forst- und abfallwirtschaftlichen Quellen. Über 1.300 Akteure sind dafür im Netzwerk Biomasse der EnergieAgentur.NRW engagiert, um an neuen Projekten zu arbeiten und sich über das Geschehen im Markt zu informieren.

Anlagenbetrieb

Wie entsteht Biogas?
Biogas entsteht beim Abbau von organischer Substanz durch Mikroorganismen überall dort, wo es keinen Sauerstoff gibt (anoxisch). Die organische Substanz besteht vor allem aus Wasser, Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten und Mineralstoffen. In dem auch als Vergärung oder Verfaulung genannten mehrstufigen, anoxischen Prozess, der von unterschiedlichen Mikroorganismen durchgeführt wird, werden diese Stoffe in die hauptsächlichen Endprodukte Wasser (H2O), Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) zersetzt. Letzteres stellt als brennbares Gas mit einem Anteil von 50 bis 75 Prozent den eigentlichen Energieträger dar.


Aus welchen Bestandteilen setzt sich eine Biogasanlage zusammen?

Eine Biogasanlage besteht im Wesentlichen aus einer Vorgrube, einem Fermenter, einem Gastank, einem Blockheizkraftwerk inklusive Wärmespeicher (Pufferspeicher) sowie einem Lagerbehälter. Die Vorgrube ist ein vorgeschaltetes Lager für die Sammlung der eingesetzten Biomasse (Substrat). Der Fermenter, oder auch Faulbehälter, ist das Kernstück einer Biogasanlage: Darin werden in einem Vergärungsprozess die eingesetzten Substrate (z.B. Gülle, Bioabfälle) unter anoxischen Bedingungen – unter Ausschluss von Sauerstoff –, mit Hilfe von Mikroorganismen zersetzt. Dabei entsteht Biogas, das zwischengespeichert und schließlich in ein nachgeschaltetes Blockheizkraftwerk geleitet wird. Dieses Kraftwerk funktioniert nach dem sogenannten Kraft-Wärme-Kopplungsprinzip (KWK). Das heißt, das Biogas wird in Strom umgewandelt und die dabei entstehende Abwärme genutzt. Neben der Strom- und Wärmeproduktion durch ein angeschlossenes Kraftwerk vor Ort kann das Biogas auch weitergeleitet und in einem Satelliten-BHKW mit Nahwärmenetz verstromt werden. Alternativ kann das gewonnene Biogas in einer entsprechenden Anlage aufbereitet und in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden.

Was wird in einer Biogasanlage vergärt?
Biogas ist ein Naturprodukt, das aus unterschiedlichen nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Mais oder aus organischen Abfällen wie Gülle und Mist gewonnen wird. Der jeweilige Methangehalt der eingesetzten Stoffe bestimmt, wieviel Energie das gewonnene Biogas liefert. Als Faustregel gilt: Ein Kubikmeter Methan verfügt etwa über einen Energiegehalt von rund zehn Kilowattstunden.
Was in einer Biogasanlage vergärt wird, hängt vor allem von der regionalen Verfügbarkeit der Substrate sowie von der eingesetzten Biogastechnologie ab. Es gibt zwei Arten von Biogasanlagen: Solche, die mit Substraten wie Biomüll oder Klärschlamm betrieben werden, und solche, die nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo) und Reststoffe aus der Landwirtschaft wie Gülle und Mist vergären. Im Jahr 2015 wurden bundesweit in landwirtschaftlichen Biogasanlagen überwiegend nachwachsende Rohstoffe sowie landwirtschaftliche Abfälle wie Gülle und Mist als Inputstoffe eingesetzt. Als nachwachsende Rohstoff-Substrate kommen jedoch nur solche Pflanzen in Frage, die in der unmittelbaren Umgebung der Anlage wachsen, weil sonst der Energieaufwand für den Transport zu hoch wäre.
Den größten Anteil an den in Biogasanlagen eingesetzten nachwachsenden Rohstoffen hatte bislang Mais, weil sich damit hohe Masse- und Gaserträge erzielen lassen – bei zugleich geringen spezifischen Kosten. In einigen Regionen hat deshalb der Maisanbau zugenommen. Eine Entwicklung, die wegen der negativen Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität kritisch gesehen wird.

Wie viel Strom und Wärme kann eine durchschnittliche Biogasanlage produzieren?
Die Strom- und Wärmeproduktion ist von der Menge des erzeugten Biogases abhängig. Mit einem Kubikmeter Biogas können, je nach Methananteil, 5 bis 7 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. In Nordrhein-Westfalen waren Ende 2015 etwa 623 landwirtschaftliche Biogasanlagen in Betrieb. Diese verfügen in der Summe über eine installierte elektrische Leistung von rund 295 Megawatt, d.h. die durchschnittliche elektrische Leistung lag bei etwa 470 Kilowatt pro Biogasanlage. Eine solche Biogasanlage kann rund 3,4 Mio. Kilowattstunden Strom und 792.000 Kilowattstunden Wärme pro Jahr produzieren. Hiermit lassen sich rechnerisch rund 970 Haushalte mit Strom und gleichzeitig 70 Haushalte mit Wärme versorgen.

Wie kann die Wärme einer Biogasanlage genutzt werden?
Zur Stromproduktion aus Biogas werden Blockheizkraftwerke (BHKW) eingesetzt, die nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung(KWK) das Biogas verfeuern und dadurch sowohl Strom als auch Wärme produzieren. Während der erzeugte Strom unmittelbar ins öffentliche Versorgungsnetz eingespeist werden kann, gibt es für die Wärmenutzung verschiedene Möglichkeiten. Neben der direkten Nutzung in der Biogasanlage selbst (z.B. Beheizung des Fermenters), können damit die Ställe, Wohn- und Betriebsgebäude eines Hofes oder auch Gewächshäuser in Gartenbaubetrieben geheizt werden. Neben der unmittelbaren Nutzung am Ort der Produktion, kann das Biogas direkt in ein Wärmenetz eingespeist oder in ein dezentrales Satelliten-Blockheizkraftwerk eingeleitet werden, um dort verfeuert zu werden. Auf diese Weise können öffentliche Gebäude wie Schulen und Schwimmbäder beheizt, aber auch Industrie- und Gewerbebetriebe mit Wärme versorgt werden. Welche Abnehmer wirtschaftlich sinnvoll mit der Wärme aus der Biogasanlage versorgt werden können, ist im Einzelfall zu prüfen.

Gehen Geruchsemissionen von Biogasanlagen aus?
Biogasanlagen müssen so gebaut werden, dass weder Flüssigkeiten noch Gase austreten. Trotzdem kann es bei der Anlieferung, Einbringung und Lagerung der Substrate zu unangenehmen Gerüchen kommen. Diese entstehen allerdings nur dann, wenn die Substrate nicht sachgerecht gelagert werden oder wenn der biochemische Prozess aus dem Gleichgewicht kommt. Das kann zur Folge haben, dass die Gärreste nicht vollständig ausgären und somit die Restgülle, die bei der Gaserzeugung überbleibt und als Dünger auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird, unangenehm riecht. Wird Gülle als Substrat in einer Biogasanlage eingesetzt, wird die Geruchsintensität im Vergleich zur offenen Lagerung reduziert. Aus diesen Gründen ist die richtige Planung und Betriebsführung einer Biogasanlage von zentraler Bedeutung für die Verminderung der Geruchsintensität.

Wie laut sind Biogasanlagen?
Biogasanlagen müssen in Bezug auf Lärmemissionen die gesetzlichen Richtwerte einhalten. Maßgeblich ist hierbei die Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (TA Lärm), die der Vorsorge und dem Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche dient. Neben dem zur Stromerzeugung genutztem Blockheizkraftwerk (BHWK), sind die Fahrzeuge, die Substrate anliefern, und die technische Verarbeitung der eingesetzten Stoffe bei der Sortierung oder der Zerkleinerung als Lärmquellen zu nennen. Die Geräusche, die der Betrieb einer Biogasanlage mit sich bringt, darf die in § 6 der TA Lärm genannten Richtwerte nicht überschreiten. Maßgeblich für die Beurteilung ist die jeweilige bauplanungsrechtlich Gebietskategorie (z.B. Industrie-, Gewerbe- oder Wohngebiete). Zur Vermeidung von Lärmemissionen kann die Standortwahl ebenso beitragen, wie die Umsetzung von zusätzlichen Schallschutzmaßnahmen (z.B. Anlegung eines Erdwalls, Anordnung der baulichen Anlagen).

Kommunale Planung

Welche bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen gelten für landwirtschaftliche Biogasanlagen?
Biogasanlagen gehören im baulichen Außenbereich gemäß § 35 Abs. 1 Nr. 6 BauGB zu den sogenannten privilegierten Vorhaben, sofern diese der energetischen Nutzung von Biomasse dienen, beispielsweise im Rahmen eines landwirtschaftlichen Betriebes. Darüber hinaus formuliert das Baurecht unterschiedliche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Biogasanlage planungsrechtlich als privilegiertes Vorhaben im Außenbereich zulässig ist. Hierzu zählt der räumlich-funktionale Zusammenhang zum landwirtschaftlichen Betrieb (z.B. Nähe zur Hofstelle, Verwendung von Reststoffen), die Herkunft der eingesetzten Biomasse (z.B. überwiegend aus dem Betrieb oder Betrieb in Kooperation mit nahe gelegenem, privilegiertem Betrieb), die Beschränkung auf eine Anlage je Hofstelle sowie eine Beschränkung der Erzeugungskapazität der Biogasanlage auf 2,3 Mio. Normkubikmeter Biogas pro Jahr.

Bedürfen landwirtschaftliche Biogasanlagen einer Genehmigung?
Für die Zulassung von Biogasanlagen sind die Genehmigung nach Baurecht sowie die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) zu unterscheiden. Ob eine Biogasanlage eine baurechtliche oder eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung (nach BImSchG) bedarf, hängt im Wesentlichen von der Leistungsklasse bzw. der Anlagengröße ab. Aufschluss über das anzuwendende Verfahren gibt die vierte Bundes-Immissionsschutzverordnung (4. BImSchV). Hiernach sind alle Biogasanlagen (gemäß Ziffer 1.15), die mehr als 1,2 Millionen Normkubikmeter Rohbiogas pro Jahr erzeugen, nach dem BImSchG genehmigungspflichtig. Weitere Kriterien für die Beurteilung des anzuwendenden Genehmigungsverfahrens können sich ferner zum Beispiel aus der Kapazität für abgedeckte Gärrestelager (> 6.500 m³) ergeben.