Größte Solarthermie-Anlage liefert Sonnenwärme ins kommunale Netz

11. November 2016 | Kira Crome

Solare Fernwärme im Grossformat © Ritter XL Solar

Solare Fernwärme im Grossformat © Ritter XL Solar

Im ehemaligen südbrandenburgischen Braunkohlerevier setzen die Stadtwerke Senftenberg auf Sonnenwärme: Sie haben die größte Solarthermie-Freilandanlage Deutschlands in Betrieb genommen. Mit der 8.300 Quadratmeter großen Kollektoroberfläche wird Sonnenenergie in Wärme gewandelt und ins das kommunale Fernwärmenetz gespeist. Schon am ersten Tag konnte die Anlage aufgrund des günstigen Wetters ihre Maximalleistung von 4,5 Megawatt erreichen.

Einst war sie mit ihrem Braunkohletagebau das Kohlerevier im Osten Deutschlands. Jetzt setzt die Bergbaustadt Senftenberg in der Lausitz auf Erneuerbare Energien. 2006 ist dort die damals größte Biogasanlage Deutschlands mit einer Leistung von drei Megawatt ans Netz gegangen. Heute erzeugt die bundesweit größte Solarthermie-Freilandanlage Wärme aus Sonnenenergie für das kommunale Fernwärmenetz. Die Anlage mit einer Fläche von 2,2 Hektar steht auf dem Gelände einer ehemaligen Bauschutt- und Hausmülldeponie. Sie nutzt eine technische Innovation der thermischen Solarenergie: Die in der Anlage verbauten 1.680 Hochleistungsvakuum-Röhrenkollektoren ermöglichen es, größere Anlagen mit höherem Temperaturgewinn direkt als Erzeuger in Nah- oder Fernwärmenetze einzubinden. Die Vakuum-Röhrenkollektoren sind nach Angaben des Herstellers Ritter XL Solar aus Baden-Württemberg in der Lage, viermal so viel Energie auf selber Fläche zu gewinnen wie vergleichbar große Photovoltaik-Module. Durch die mit einem Sonnenwärme absorbierenden Material beschichteten Kollektoren fließt Wasser, das nach dem Prinzip einer Thermoskanne auf Temperaturen von 80 bis 160 Grad erhitzt wird. Die Vakuumschicht sorgt dafür, dass der Wärmegrad lange gehalten wird, so dass die Kollektoren über das ganze Jahr hinweg die Kraft der Sonnenstrahlen nutzen können. Das erwärmte Wasser wird zu einer zentralen Wärmeübergabestation geleitet, die die Steuerungs- und Regeltechnik der Anlage beherbergt und die über einen Wärmetauscher die solar erzeugte Wärme an das Fernwärmenetz übergibt.

Mit einer Bruttokollektorfläche von insgesamt 8.300 Quadratmetern ist die Anlage für einen System-Jahresnutzungsertrag von rund vier Millionen Kilowattstunden (vier Gigawattstunden) ausgelegt. Sie liefert an normalen Sommertagen Warmwasser für die rund 10.000 Haushalte in Senftenberg und deckt zudem den Wärmebedarf einzelner Großverbraucher wie das Klinikum. Im Winter wird die erdgasbasierte Fernwärmeerzeugung durch die Anlage unterstützt. Die Anlage ist so ausgelegt, dass das Wärmenetz an besonders strahlungsreichen Tagen die Überleistung der Anlage aufnimmt und damit als Speicher dienen kann. Damit werden zusätzliche Speicherkapazitäten nicht benötigt.

Das Fernwärmenetz der Stadtwerke Senftenberg hat eine Gesamtlänge von rund 33 Kilometern und bei einem Anschlusswert von rund 50 Megawatt einen jährlichen Wärmebedarf von über 100 Gigawattstunden. Schon am ersten Tag des Probebetriebs konnte die Anlage aufgrund des günstigen Wetters ihre Maximalleistung von 4,5 Megawatt erreichen. In den ersten zwei Wochen sind nach Betreiberangaben über 350 Megawattstunden Wärme erzeugt worden. Dass entspricht rund einem Zehntel des prognostizierten Jahresertrages. Investiert wurden etwa 4,5 Millionen Euro, gefördert aus dem Programm „Erneuerbare Energien Premium“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

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