Gewusst wie: Energiesparen in Bürgerhand

24. August 2015 | Kira Crome

Café-Inhaber Florian Steiner setzt auf energieeffiziente Beleuchtung © BUND

Gutes Beispiel: Café-Inhaber Florian Steiner setzt nun auf energieeffiziente Beleuchtung. Bei der Umsetzung half die Klimaschutz+ Stiftung. © BUND Bundesverband, Jörg Farys

Energieeffizienz ist neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ein wichtiger Motor der Energiewende. Erhebliche Triebkraft könnte dafür auch das bürgerschaftliche Engagement entwickeln, sofern private oder genossenschaftliche Initiativen finanziell gefördert, rechtlich beraten und fachlich unterstützt würden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg. Sie zeigt auf, welche Möglichkeiten das Energiesparen in Bürgerhand bietet.

Bürgerenergie-Projekte, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien mitgestalten und die Dezentralisierung der Stromversorgung ausbauen, gibt es viele. Rund die Hälfte der Erneuerbare-Energie-Anlagen befindet sich in Bürgerhand. Da scheint es nur naheliegend, das gemeinschaftliche Engagement auch auf die andere Seite der Energiewende zu lenken: Energieverbräuche zu reduzieren und benötigte Energie klug zu nutzen. Energieeinsparmaßnahmen und Energieeffizienzansätze bieten große Potenziale für den Klimaschutz. Welche Möglichkeiten sich in diesem Bereich für private und genossenschaftliche Initiativen bieten, hat das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) im Auftrag des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BND) und des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) untersucht.

Von Stadtcafés über kleinere Unternehmen bis zu Nahwärmenetzen

Die Studie „Energiesparen in Bürgerhand“ zeigt: Die Effizienzwende in Bürgerhand kann auf vielfältige Weise vorangetrieben werden. Angefangen mit nicht-investiven Maßnahmen zur Verhaltensanpassung – zum Beispiel in Schulen –, reichen die Maßnahmen von der energetischen Sanierung von Schulgebäuden über den Einbau stromsparender Beleuchtung in kleineren Unternehmen und öffentlichen Liegenschaften bis zum Bau und Betrieb kommunaler Nahwärmenetze für Bürgergruppen. Diese, von bürgerschaftlichem Engagement getragenen kleinteiligen und dezentralen Ansätze, zeichnen sich vor allem durch die starke lokale Vernetzung, Identifikation und Akzeptanz aus.

„Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir Energieeffizienz und Energiesparen als die natürlichen Partner der Erneuerbaren Energien voranbringen.“

In der Studie werden einzelne Projekte beispielhaft vorgestellt und erläutert, wie die durch Bürger mitinitiierten Maßnahmen erfolgreich finanziert und umgesetzt werden können. So hat der Inhaber eines kleinen Stadtcafés in Heidelberg ein Mikro-Effizienzprojekt auf den Weg gebracht und sein Ladenlokal mit energiesparender Beleuchtung ausgestattet, die je nach Bedarf einzeln regelbar ist. Unterstützt wurde er dabei von der Bürgerstiftung Klimaschutz+. „Unsere Erfahrung ist, dass wir mit der gemeinschaftlichen Investition in Energieeffizienz auch einen bewussteren Umgang mit Energie fördern“, erklärt Peter Kolbe von der Klimaschutz+-Initiative. „Wir haben gezeigt, dass das möglich ist und wünschen uns viele Nachahmer.“

Die Ansätze reichen von kleinen Effizienzprojekten bis zu Investitionen in Millionenhöhe, die Finanzierungsmodelle von Contracting über genossenschaftliche Investitionen bis Crowdfunding. Das beweist: „Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir Energieeffizienz und Energiesparen als die natürlichen Partner der Erneuerbaren Energien voranbringen“, ist Robert Pöschmann, Energieeffizienzexperte beim BUND, überzeugt. Allerdings könne nur durch direkte Beteiligungen ein substantieller Schub bei der Energieeffizienzwende erreicht werden, glaubt Thomas Bannig, Vorstandsvorsitzender des BEEn. Um dort aktiv zu werden, müssten lokales Wissen, Verantwortung und Vernetzung ineinandergreifen.

Bürgerschaftliches Engagement stärker fördern

Die Autoren der Studie betonen deshalb, dass bürgerschaftliches Engagement zum Thema Energieeffizienzwende dringend weitgehender unterstützt werden müsse. Gefragt seien hier die politischen Entscheidungsträger der Bundesregierung sowie der Bundesländer und Kommunen. Schon allein im eigenen Interesse sollten diese das große Potenzial der durch die Bürger angestoßenen Effizienzwende fördern. Der nationale Aktionsplan Energieeffizienz der Bundesregierung stelle hierzu einen ersten richtigen Schritt dar, müsse jedoch ausgebaut und inhaltlich konkret weiter ausgestaltet werden. Es bedürfe daher einer geeigneten Förderung, klaren rechtlichen Regelungen, Risikoabsicherungen und einem Vorgehen, welches einen verstärkten Wissenstransfer begünstigt. Über Möglichkeiten zur Umsetzung von Energiespar- und Effizienzmaßnahmen in Bürgerhand informiert auch die Themenseite Bürgerenergie der EnergieAgentur.NRW.

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