Fraunhofer-Studie: Finanzierungsstrategie für die Energiewende

28. Februar 2014 | Kira Crome

Die aktuelle Diskussion um die Energiewende dreht sich vor allem um die Kosten. Eine jüngst vorgestellte Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) will die Debatte um Strompreisbremse, Zubau-Deckelung oder Netzausbau versachlichen und liefert dafür ökonomische Argumente.

Kosten- und Erlösbetrachtung ohne Kapitalkosten bei gleichbleibendem Preisniveau für fossile Brennstoffe: Bei der Kosten-Nutzen-Bilanzierung werden die Brennstoffkosteneinsparungen den Investitionen gegenübergestellt. Der Deckungsbeitrag (gestrichelte rote Linie) als Differenz zwischen Brennstoffeinsparung und Investition dient dabei auch als Kenngröße für die Wirtschaftlichkeit des Projektes. ( © Fraunhofer IWES)

Kosten- und Erlösbetrachtung ohne Kapitalkosten bei gleichbleibendem Preisniveau für fossile Brennstoffe: Bei der Kosten-Nutzen-Bilanzierung werden die Brennstoffkosteneinsparungen den Investitionen gegenübergestellt. Der Deckungsbeitrag (gestrichelte rote Linie) als Differenz zwischen Brennstoffeinsparung und Investition dient dabei auch als Kenngröße für die Wirtschaftlichkeit des Projektes. ( © Fraunhofer IWES)

Global betrachtet, steigen die Klimagasemissionen des Energiesektors schneller als die anderer Industriezweige. Ein Trend, den ein entschlossener Ausbau der erneuerbaren Energien stoppen soll. Doch die Systemtransformation hat ihren Preis: Es müssen nicht nur Anlagen zur Energieerzeugung errichtet werden, sondern auch eine entsprechende Infrastruktur mit geeigneten Stromnetzen und Energiespeichern. Experten des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel haben in einer Studie errechnet, dass „Investitionen in die Energiewende durchaus rentabel sind“, wenn man diesen Kosten die Einsparungen durch den Rückbau der fossilen Energieträgertechnologien rein rechnerisch gegenüberstellt. Denn fossile Energien wie Kohle und Öl verursachen hohe Betriebskosten und müssen teuer importiert werden. Werden im Laufe der Systemtransformation weniger davon genutzt, müssten die entsprechend sinkenden Ausgaben für Primärenergie und deren Importe in die ökonomische Betrachtungen der Energiewendeinvestitionen mit eingenommen werden, argumentieren die Experten.

„Break-Even“ für erneuerbare Energien mittelfristig möglich
Derzeit gibt Deutschland im Jahr rund 83 Milliarden Euro für fossile Energieträger aus. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien könnten diese Kosten innerhalb von 40 Jahren auf null gesenkt werden, haben die Experten errechnet. In bis zu 20 Jahren werde der Punkt erreicht, an dem die Ausbaukosten für Ausbaukosten für die erneuerbaren Energien und die Beschaffungskosten für die fossile Energie zusammen genommen die heutigen Primärenergiekosten unterschreiten.

„Nach Erreichung dieses Break-Even werden die Energiekosten kontinuierlich absinken und in rund 30 Jahren, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien weitgehend beendet ist, sind Investitionen hauptsächlich für den Erhalt der neu aufgebauten Infrastruktur – im Sinne eines Repowering – notwendig. Diese fallen damit pro Jahr deutlich geringer aus als während der Transformationsphase“, prognostiziert der Leiter der Studie, Norman Gerhardt. Bis zu 380 Milliarden Euro müssten demnach bis zum Break-Even vorfinanziert und nachfolgend getilgt werden. Auch bei einem gleichbleibenden Preisniveau für fossile Energien rechnen die IWES-Experten bis 2050 mit einer inflationsbereinigten Verzinsung der Darlehen von 2,3 Prozent. Dieser Betrag könne sogar vier bis sieben Prozent betragen, wenn die Preise für Öl und Erdgas steigen. Dabei sind die Kosten für Treibhausgasmissionen noch nicht berücksichtigt.

Selbst ehrgeizige Ziele wie die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 seien demnach wirtschaftlich darstellbar. „Das Kostenargument ist also für klimapolitische Entscheidungen nicht mehr zielführend“, schließt IWES-Institutsleiter Clemens Hoffmann aus den Studienergebnissen.

Energiewende erfordert ein modernes Management
Allerdings schließt das Vollversorgungsszenario alle Energiesektoren von Strom über Wärme bis Verkehr ein. Um die prognostizierten wirtschaftlichen Vorteile voll erschließen zu können, dürfe die derzeitige Kosten-Nutzen-Diskussion nicht allein auf den Stromsektor fokussiert werden. Vielmehr müssten neue Anwendungen für Strom aus erneuerbaren Energien im Wärme- und Verkehrsbereich sowie in der Energieeffizienz vorgetrieben werden, empfehlen die Experten.

Um die Energiewende umzusetzen und dabei Fehlinvestitionen zu vermeiden, sei ein Masterplan unerlässlich, der verbindliche Ziele benennt, auf Basis der Energiebilanzen die benötigte Infrastruktur festlegt und eine Finanzierungsstrategie festschreibt, betont Hoffmann. Dass die Finanzierungsfrage prinzipiell lösbar sei, belege die vorliegende Studie. Zudem sei das für die Energiewende nötige Kapital durchaus vorhanden, so Hoffmann.

Studie: Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES): „Geschäftsmodell Energiewende. Eine Antwort auf das „Die-Kosten-der-Energiewende“-Argument“. Januar 2014

Kosten- und Erlösbetrachtung ohne Kapitalkosten bei gleichbleibendem Preisniveau für fossile Brennstoffe: Bei der Kosten-Nutzen-Bilanzierung werden die Brennstoffkosteneinsparungen den Investitionen gegenübergestellt. Der Deckungsbeitrag (gestrichelte rote Linie) als Differenz zwischen Brennstoffeinsparung und Investition dient dabei auch als Kenngröße für die Wirtschaftlichkeit des Projektes. ( © Fraunhofer IWES)

Kosten- und Erlösbetrachtung ohne Kapitalkosten bei gleichbleibendem Preisniveau für fossile Brennstoffe: Bei der Kosten-Nutzen-Bilanzierung werden die Brennstoffkosteneinsparungen den Investitionen gegenübergestellt. Der Deckungsbeitrag (gestrichelte rote Linie) als Differenz zwischen Brennstoffeinsparung und Investition dient dabei auch als Kenngröße für die Wirtschaftlichkeit des Projektes. ( © Fraunhofer IWES)

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