Fledermausschutz: Neue Erkenntnisse zum Großen Abendsegler

2. November 2016 | Kira Crome

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) © Dave, Flickr (CC BY-NC-SA)

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) © Dave, Flickr (CC BY-NC-SA)

Während das größte Forschungsvorhaben RENEBAT derzeit Verfahrensstandards entwickelt, um das Kollisionsrisiko von Fledermäusen an Windenergieanlagen zu erfassen und zu mindern, widmen sich Einzelstudien dem Ziel, das Wissen um das Verhalten einzelner Arten im Umfeld von Windenergieanlagen zu verbessern. Eine Fallstudie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung liefert einen weiteren Beitrag zum nächtlichen Flugverhalten des Großen Abendseglers im Umfeld von Windenergieanlagen.

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) © Dave, Flickr (CC BY-NC-SA)

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) © Dave, Flickr (CC BY-NC-SA)

Wie verhalten sich Fledermäuse im Umfeld von Windenergieanlagen? Mit welchen Maßnahmen können die Tiere, die nach europäischem Recht streng geschützt sind, vor Gefahren durch die großen Rotoren bewahrt werden? Um diese Fragen zu klären, widmet sich die Wissenschaft der Erforschung des Flug- und Jagdverhaltens von Fledermäusen, der Erfassung des Kollisionsrisikos und der Entwicklung wirksamer Maßnahmen bei der Planung und dem Betrieb von Windenergieanlagen. Das umfangreichste Forschungsvorhaben RENEBAT hat jüngst einen Leitfaden zur Berechnung anlagenspezifischer fledermausfreundlicher Betriebsmodi sowie ein Statistiktool zur Bestimmung der tatsächlichen Schlagopferzahl für die Planungs- und Genehmigungspraxis vorgestellt (wir berichteten). Jetzt geht es um die Vereinfachung des Erfassungsaufwands und die Verfahrensstandardisierung. Daneben gehen Einzelstudien der Frage nach, wie einzelne Fledermausarten an unterschiedlichen Standorten – im Wald oder im Offenland – durch den Bau und den Betrieb von Windenergieanlagen beeinflusst werden, um tiefere Einsichten in das Verhalten der Tiere zu erlangen.

Das Verhalten einzelner Fledermausarten studieren
Das Freiburger Institut für angewandte Tierökologie (FRINAT) erforscht derzeit in drei Fallstudien, wie sich das Braune Langohr, die Mopsfledermaus und die Bechsteinfledermaus an Windenergiestandorten im Wald verhalten und welche Kompensationsmaßnahmen für diese Arten geeignet sind. Die Forscher gehen der Frage nach, ob diese Waldfledermausarten durch die Schallemissionen von Windenergieanlagen soweit gestört werden, dass sie ihren angestammten Lebensraum im Umfeld der Anlagenstandorte verlassen und woanders hin verlagern. In einer Langzeitbeobachtung werden die Quartiers- und Habitatnutzung sowie Koloniegrößen und Populationsentwicklungen vor und nach der Errichtung von Windenergieanlagen erforscht. Mit Ergebnissen ist in zwei Jahren zu rechnen.

Neue Erkenntnisse zum Großen Abendsegler
Unterdessen hat das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in einer Fallstudie das nächtliche Flugverhalten des Großen Abendseglers via GPS-Tracking beobachtet und die Erkenntnisse jüngst veröffentlicht. Die wandernde, hier heimische Art nistet in Baumhöhlen, jagt bevorzugt in offenen Flächen am Waldrand und über den Baumwipfeln. Ziel der Forscher war es, das Flug- und Jagdverhalten der Tiere im Frühsommer in der Nähe von Windenergieanlagen zu beschreiben: wie groß ihr Aktionsraum ist, wann sie jagen und welche Orte sie dafür bevorzugen. Dafür wurden einzelne Tiere mit miniaturisierten GPS-Loggern ausgestattet. Testgebiet war ein Waldstück in Brandenburg, das von offenem Ackerland und mehreren Windparks umgeben ist.

Die Beobachtungen ergaben neue Anhaltspunkte für den Fledermausschutz, teilten die Forscher mit: Während männliche Tiere im Frühsommer stereotyp zwischen Jagdhabitat und ihrem Quartier pendelten, scheinen weibliche Tiere in dieser Zeit ihren Flugraum auszuweiten und dabei Windenergieanlagen nicht zu meiden. „Eine Erklärung dafür ist, dass die baumbewohnenden Tiere nach der Wochenstubenphase, in der sie ihre Jungen aufzogen, neue Quartiere suchen und die Anlagen fälschlicherweise für große, abgestorbene Bäume halten“, sagt Forschungsleiter Christian Voigt. „Amerikanische Kollegen vermuten das bereits seit längerem für nordamerikanische Arten.“ Die Männchen dagegen hätten in dieser Zeit bereits feste Quartiere etabliert und seien daher während ihrer Jagdflüge weniger ausschweifend. Ferner stellten die Forscher fest, dass die weiblichen Abendsegler im Schnitt länger unterwegs waren und dabei weiter wegflogen als ihre männlichen Artgenossen. Die geografisch kleinräumliche und zeitlich auf eine Jahreszeit beschränkte Studie liefert ein weiteres Detail zum Wissen über das Fledermausverhalten. Langzeitstudien und die Entwicklung von Verfahrensstandards in der Erhebung von Fledermausaktivitäten im Umfeld geplanter Windenergiestandorte tragen dazu bei, den Fledermausschutz bei der Windenergieplanung artenspezifisch zu verbessern.

Weiterführende Informationen:

 

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