Im Portrait: Erste Bürger-Sonnenkraftanlage in Bonn

Abbildung 1: © Johanna Risse, Generalanzeiger Bonn

Nichts Spektakuläres, denn Solarmodule sind inzwischen landläufig bekannt, aber ein Novum für Bonn: Die erste Bürger-Sonnenkraftanlage wurde feierlich am 10. Juli 2011 im Stadtteil Beuel auf dem acht Meter hohen Dach des Bioladens Momo eingeweiht. Eingeladen hatten die Betreiber, Investoren und der Projektbegleiter, also die Solarzelle Bonn des gemeinnützigen SolarSolutions Network e.V. (www.solarsolutionsnet.de). Und es kamen viele, darunter auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

Jörg Hipper vom Projektbegleiter ist Wirtschaftsstudent an der Alanus Hochschule und Investor: „Wo ich herkomme, aus einem kleinen Dorf, gibt’s drei Bürgersolaranlagen in der näheren Umgebung. Und hier in Bonn keine einzige. Da dachte ich mir, das kann doch nicht sein. Da muss man doch was machen können.
Der Bioladen Momo verstand sich von vornherein als Informant und Netzwerker für das Vorhaben. Mit seiner Hilfe gelang es, Kunden für die Bürgerkraftanlage zu gewinnen. Betrieben wird sie von der Eigentümergemeinschaft des Hauses, in dem der Bioladen Mieter ist. „Wir wollten zeigen, wie einfach es ist, sauberen Strom zu gewinnen, und aktiv an einer umweltfreundlichen Stadt mitzuwirken. Nicht zuletzt erhoffen wir uns, die entsprechende öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken“, so Raoul Schaefer-Groebel vom Bioladen.

Abbildung 1:  Abbildung 2: © Pohlen-Solar, Geilenkirchen

Die Idee zu der Bürger-Sonnenkraftanlage entstand im April 2010 während einer Podiumsdiskussion mit Hermann Scheer, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien. Die Eigentümergemeinschaft gründete als Betreiber eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und entwickelte zusammen mit den Investoren und mit Hilfe einer fachlichen Begleitung durch die Solarzelle Bonn in wenigen Monaten ein Finanzierungsmodell ohne viel bürokratischen Aufwand. „Ganz einfach. Das heißt ohne Verein oder Genossenschaft, nur mit Hilfe von Darlehen in Höhe von je 5000 Euro zu einem festen Zinssatz“, so Fritz Pieper, Sprecher der Solarzelle Bonn. – Treibendes Motiv war den Investoren nicht so sehr das Geld, sondern vielmehr, Sinnvolles zum Klimaschutz in Bonn beizutragen.

Die Finanzierung erfolgte ohne Beteiligung eines Kreditinstituts. Die Darlehensverträge entstanden auf der Grundlage einer Synopse bestehender Darlehensverträge von Solaranlangen. Die Darlehen selbst sind unbefristet und jährlich kündbar. Der Betreiber, der keine Pacht für die Nutzung des Daches erhob und selbst Investor ist, gab für fünf Jahre eine Festzinszusage. „Danach wird unter Berücksichtigung des tatsächlichen Anlagenertrages und der dann aktuellen Verzinsung am Markt neu kalkuliert, so Fritz Pieper. Die Zinszahlungen an die Investoren erfolgen jährlich, wobei die Tilgung endfällig ist.
Die 88 in Wismar gefertigten Solarzellen-Module wandeln mit einer Spitzenleistung von 20 Kilowatt (Peak) täglich Sonnenlicht in Strom um. Im Jahresdurchschnitt sind das rund 17.000 Kilowattstunden Strom, der vom Bioladen Momo verbraucht wird – ausreichend für einen Vier-Personen-Haushalt. Eingespart werden zehn Tonnen Kohlendioxid jährlich.

2,4 Millionen Quadratmeter Dachflächen stehen in der Stadt zur Verfügung. Mit ihnen ließen sich über 290.000 Megawattstunden Strom erzeugen und 18 Prozent des gesamten Strombedarfs in Bonn decken. Ob es sich lohnt, in Solarenergie zu investieren, macht seit März 2010 der Solardachkataster jedem Hausbesitzer via Internet farblich deutlich und kalkuliert die Wirtschaftlichkeit seines Daches.

„Unsere Erfahrung lehrt: Bonner sind engagiert. Die Schwierigkeit liegt darin, Dach-Eigentümer zu finden“, so Raoul Schaefer-Groebel vom Bioladen Momo. Doch Fritz Piper ist sich sicher, dass die Bürgerkraftanlage in Bonn-Beuel nicht die letzte in Bonn gewesen sein wird.