Erneuerbare Energien steigern die kommunale Wertschöpfung

14. November 2013 | Kira Crome

Die Energiewende spült Geld in die kommunalen Kassen: Der dezentrale Ausbau der erneuerbaren Energien schafft neue Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und steigert somit die Kaufkraft in der Region. Das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung hat ein Berechnungsmodell entwickelt, um die regionalen Wertschöpfungseffekte beziffern zu können. Jetzt wurden die Daten für das Jahr 2012 berechnet und dabei erstmals auch indirekte Effekte erfasst. Die ökonomischen Potenziale für Kommunen sind Thema des Kommunalworkshops der EnergieAgentur.NRW im Rahmen der Windenergietage in Bad Driburg.

17 Milliarden Euro hat die zunehmende Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse bundesweit im Jahr 2012 in die kommunalen Kassen gespült. Mit rund 16 Milliarden Euro und 68 Prozent an der gesamten Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien trugen Wind- und Solarenergie den weitaus größten Teil bei. Das hat das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) errechnet. Forschungsanlass ist, dass die regionalwirtschaftliche Perspektive in der ökonomischen Debatte der Energiewende noch eine untergeordnete Rolle spielt. Vordringlich bewegen Akzeptanz-, Teilhabe- und Verteilungsfragen die Diskussion. Die Wertschöpfungseffekte durch erneuerbare Energien sind dagegen wissenschaftlich wenig beleuchtet und waren bislang nicht genau quantifizierbar. Diese Lücke wird durch das erweiterte Berechnungsmodell des IÖW geschlossen. Mit dem 2010 erstmals aufgestellten und seither weiterentwickelten Modell ist es möglich, Abschätzungen kommunaler und regionaler Wertschöpfungseffekte für die wesentlichen dezentralen Technologien vorzunehmen.

Nach einem Bottom up-Ansatz werden Unternehmensgewinne, Einkommen der Beschäftigten und kommunale Steuereinnahmen sowie Beschäftigungseffekte in Form von Vollzeitarbeitsplätzen im Bereich erneuerbarer Energien je nach Technologie berechnet. Erstmalig wurde in diesem Jahr das Portfolio erweitert: Aktuell umfasst das Modell 29 Wertschöpfungsketten von dezentralen Strom und Wärme erzeugenden Anlagen, aber auch die Bereitstellung von biogenen Brenn- und Kraftstoffen sowie ein Nahwärmenetz, das durch EE-Anlagen gespeist wird. Nicht enthalten sind große Wasserkraftwerke, die stationäre Nutzung flüssiger Biomasse und Holzvergaser-KWK-Anlagen.

Zuliefer- und Dienstleistungen erstmals ermittelt
Mit einem Gesamtwert von 25 Milliarden Euro wurden erstmals mit dem Berechnungsmodell auch die indirekten Wertschöpfungseffekte beziffert. Darin enthalten sind auch die Vorleistungen der Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen, die allein 8,5 Milliarden Euro an bundesweiter Wertschöpfung eingebracht haben. Darüber hinaus sparte die Nutzung heimischer, erneuerbarer Energiequellen die Kosten für importiertes Öl, Kohle und Gas im Umfang von 6 Milliarden Euro ein.

Rund zwei Drittel der Wertschöpfung und der Arbeitsplätze entstanden in den Bereichen Installation, Planung und Betrieb regenerativer Anlagen. Von diesen Effekten profitiert entsprechend die Vielzahl aller Standortgemeinden. Der Anlagenbau, der auf nur wenige Kommunen konzentriert ist, stellt lediglich ein Drittel der direkt Beschäftigten.

Mithilfe eines Online-Rechners zur Wertschöpfungsermittlung, den das IÖW Anfang des Jahres in Zusammenarbeit mit der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) entwickelt hat, lassen sich Wertschöpfungs-, Beschäftigungs- sowie Klimaschutzeffekte für einzelne oder mehrere Anlagen von vorerst 24 verschiedenen Technologiekategorien ermitteln. Das Tool steht unter www.kommunal-erneuerbar.de zur Verfügung.

Thema für Kommunalworkshop im Rahmen der Windenergietage NRW
Weil der Ausbau erneuerbarer Energien den Kommunen auch große ökonomische Chancen bietet, informiert die EnergieAgentur.NRW in einem eigens auf kommunale Wertschöpfungsmöglichkeiten zugeschnittenen Workshop über regionalwirtschaftliche Potenziale und konkrete Beispiele aus der Praxis. „Die Wertschöpfungseffekte aus Steuern, Gewinnen und Beschäftigung tragen nicht nur dazu bei, die kommunalen Haushalte zu entlasten, sondern erhöhen darüber hinaus auch die Akzeptanz der Anwohner für konkrete Projekte vor Ort“, erläutert Heinz-Jürgen Schütz vom EnergieDialog.NRW-Team den Hintergrund. Der Kommunalworkshop „Regionale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ der EnergieAgentur.NRW findet im Rahmen des zweiten Veranstaltungstages der Windenergietage NRW parallel zum Hauptforum statt und richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunaler Verwaltungsbehörden. Den theoretischen Rahmen liefern aktuelle Studienergebnisse über regionalwirtschaftliche Effekte erneuerbarer Energien der MUT Energiesysteme. Die Studie ist im Auftrag des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBR) im Rahmen des bundesweit angelegten Modellvorhabens zur Raumordnung (MORO) entstanden. Im Mittelpunkt stehen hier konkrete Regionen wie der Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen.

Weiterführende Informationen gibt es hier.

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