Energiewende-Umfrage: Viel Zustimmung, Dialog weiterhin wichtig

2. November 2015 | Kira Crome

Energiewende Umfrage TNS Emnid

Akzeptanz der Energiewende: Informations- und Wissensvermittlung als Schlüssel zum Erfolg.

Die Energiewende findet großen Rückhalt in der Bevölkerung. So das Ergebnis der jüngsten repräsentativen Umfrage im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien. Im Vergleich zu den Umfragewerten der Vorjahre wächst auch die Zustimmung zum Bau von Erneuerbare-Energie-Anlagen am eigenen Wohnort. Die Steuerung der Energiewende bleibt trotzdem eine Herausforderung, die an Komplexität noch zunehmen wird.

Die Energiewende genießt eine unverändert hohe Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung. Laut der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid halten 93 Prozent der Befragten den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien für wichtig. Seit nunmehr neun Jahren lässt die Agentur für Erneuerbare Energien jährlich die Stimmung zur systematischen Transformation unserer Energieversorgung erheben. Die Ergebnisse der 1.006 befragten Bundesbürger zeigen: Während sich der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch seit 2007 auf knapp 28 Prozent im Jahr 2014 verdoppelt hat, liegt die Zustimmung zum Ausbau der Ökostromerzeugung über die Jahre laut der Meinungsforscher stabil bei über 90 Prozent. Und das, obwohl der Zubau großer PV-Freiflächenanlagen oder Windparks immer wieder Kritik schürt. Die Kritiker sorgen sich um das Landschaftsbild oder um die Auswirkungen von Erzeugungsanlagen auf Menschen und Natur.

Generationengerechtigkeit und Klimaschutz stehen auf der Haben-Seite

Regelmäßig zeichnen die Umfragewerte dagegen ein anderes Bild: Die Erneuerbaren Energien tragen zur Zukunftssicherung bei, erklären mehr als drei Viertel der Befragten. Sie stehen ihrer Ansicht nach für Generationengerechtigkeit und Klimaschutz. Für die ökologische Transformation des Energiesystems sprächen aber auch Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Argumente. Das bestätigt die Marktbilanz: 2014 investierten Unternehmen und Privatpersonen etwa 16 Milliarden Euro in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der größte Anteil stammt dabei laut dem aktuellen Jahresreport Föderal Erneuerbar von Privatpersonen. Landwirte und andere private Anlagenbetreiber trugen demnach zu fast der Hälfte zum Fortschritt der Energiewende bei.

Viel Zustimmung für den Ausbau im eigenen Wohnumfeld

Positiv sind auch die Umfragewerte für den weiteren Ausbau der Erneuerbare-Energien-Nutzung am eigenen Wohnort: Befürworteten im vergangenen Jahr 65 Prozent den Bau von Ökostromanlagen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld, kletterte die Zustimmung inzwischen um drei Prozentpunkte nach oben. Dagegen wollen nur sieben Prozent ein Kohlekraftwerk in der eigenen Nachbarschaft haben.

Besonders aufschlussreich ist die Differenzierung der Meinungsforschungsumfrage nach Vorerfahrungen mit den verschiedenen Erneuerbare-Energie-Technologien. Die Ergebnisse zeigen: Sind die Menschen mit Erneuerbaren-Anlagen vertraut, steigt die Zustimmung zu Solar-, Windenergie- und Biomasseanlagen sogar noch an. So hat sich die Akzeptanz von großen PV-Freiflächenanlagen im Vergleich zum Vorjahr von 72 auf 77 Prozent erhöht. Wenn Befragte schon in der Nähe einer solchen Anlage wohnen, steigt die Zustimmung sogar auf 86 Prozent.

Umfrage TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien

Quelle: Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien, 1006 Befragte, Stand 8/2015

Bei der Windenergie, die vielerorts negative Schlagzeilen macht, sieht es ähnlich aus. Haben die Befragten bereits Windenergieanlagen in ihrem Wohnumfeld, steigt die Befürwortung des Zubaus von 59 auf 72 Prozent. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt allerdings: Die aktuelle Debatte um die Regelungen und Folgen der Windenergienutzung hat bewirkt, dass die Technologie in ihrer allgemeinen Akzeptanz zwei Prozentpunkte eingebüßt hat: Im vergangenen Jahr lag die Zustimmung zum Ausbau der Windenergie bei 61 Prozent.

Komplexität und Interessenkonflikte stehen auf der Soll-Seite

„Die Ergebnisse bestätigen, dass Information und Wissen eine wichtige Grundlage für Akzeptanz ist“, sagt Sascha Schulz von der EnergieAgentur.NRW. Weil die Energiewende vom Wesen her dezentral ist und die Komplexität weiter zunehmen wird, ist die Steuerung des Ausbaus der Energiewende vor Ort eine wesentliche Herausforderung. Vielerorts entstehen Bürgerinitiativen, die gegen Ausbauvorhaben Front machen. Hier setzt das neutrale Vermittlungs- und Beratungsangebot des EnergieDialog.NRW an: Über 100 Einsätze verzeichnet das Beratungsteam für das Jahr 2014. Darunter Beratungen vor Ort und Teilnahme an Arbeitsgruppen sowie Vorträge, Informationsveranstaltungen und Moderationen von Runden Tischen. „Der Schwerpunkt unserer kommunalen Beratungsarbeit liegt in der Regel im Spannungsfeld zwischen der Windkonzentrationszonenausweisung und den Belangen von Natur-, Arten- und Landschaftsschutz sowie der Luftverkehrssicherheit“, erläutert Schulz. „Daneben informieren wir auch zur Beteiligung an Planungs- und Genehmigungsprozessen und sind mit Vertretern von Bürgerinitiativen im Gespräch.“

Breitgefächertes Instrumentarium für Information und Dialog

Die Diskussion um das Für und Wider der Energiewende vor Ort braucht Sachlichkeit. Mit dem jüngst gestarteten Internetportal WindDialog.NRW erhalten Kommunen und Projektentwickler die Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürger über ihr lokales Windenergievorhaben zu informieren und sie an den Planungen zu beteiligen. Fünf Pilotprojekte nutzen die Plattform bereits. Daneben bietet das Portal eine Übersicht über Online-Tools zur Planung in Nordrhein-Westfalen und informiert über aktuelle Entwicklungen in Wissenschaft und Forschung.

Transparenz will auch das Online-Tool WindPlanung.Navi schaffen. Es veranschaulicht, wie die Planungs- und Genehmigungsverfahren für ein Windenergievorhaben typischerweise entlang der Zeitschiene aussehen. Interaktiv lässt sich nachvollziehen, welche Aspekte zu welchem Zeitpunkt von Bedeutung sind, wie die unterschiedlichen Verfahrensschritte ineinandergreifen und an welchen Stellen die Bürgerbeteiligung einhaken kann.

Wie die Windenergieplanung funktioniert, erläutert ein interaktives Lern.Portal. Es bietet einen Grundlagenkurs zum etwa zweistündigen Selbststudium. Sechs Lernkapiteln von A wie Ausgleichs- bis Z wie Zuwegungsfläche verschaffen einen kompakten Überblick über planerische, rechtliche, umweltbezogene und technische Aspekte der Onshore-Windenergie. Die Lerninhalte werden mithilfe von Bildern, Videos und Infografiken aufgelockert. Hinweise auf vertiefende Informationen sowie ein umfangreiches Glossar helfen nicht nur dem interessierten Laien weiter, sondern helfen auch planungsbetroffenen Akteure in Städten und Gemeinden weiter. Die Nutzung des Online-Tools ist unentgeltlich.

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