EnergieDialog.NRW in Xanten: Vorträge und Diskussion zur Windkraft mit fast 100 Bürgern

Windkraftnutzung hat in Xanten Tradition. Das zeigt die so genannte Siegfriedmühle, die Mitte des 18. Jahrhundert errichtet wurde. Die historische Windmühle steht in unmittelbarer Nähe des LVR RömerMuseums in Xanten. Dort veranstaltete die EnergieAgentur.NRW am 4. September 2012 gemeinsam mit dem Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. (LEE NRW) eine Tagung mit dem Titel „Windkraftnutzung – Ziele, Chancen, Bedenken“. So ließ sich an diesem Veranstaltungsort der Bogen von den historischen Vorläufern zur heutigen Technik spannen. Fast 100 Bürgerinnen und Bürger informierten sich auf der Tagung über die moderne Windkraftnutzung und das Zukunftspotenzial dieser Technik.

Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte als Moderator durch das Programm. „Die Energiewende bietet den Städten und Gemeinden große Chancen für die kommunale Wertschöpfung“, erklärte er und betonte aber auch: „Nach wie vor ist es enorm wichtig, die Berührungsängste abzubauen.“ Genau dazu sollte die Tagung beitragen. Sie fand im Rahmen des EnergieDialog.NRW statt. Das Projekt ist eine Informations- und Beratungsplattform für alle Fragen zu erneuerbaren Energien, angesiedelt bei der EnergieAgentur.NRW.

Grundlegende Informationen vor allem für die Akteure in den Kommunen lieferte zunächst Andreas Lahme von der Kanzlei Engemann & Partner in Lippstadt mit seinem Vortrag „Planungsrechtliche Rahmenbedingungen: Ausweisung von Windvorranggebieten im Sinne kommunaler Wertschöpfung und Bürgerpartizipation“. Der Rechtsanwalt wies darauf hin, dass so etwas wie Verhinderungsplanung unzulässig ist. Der Windenergienutzung müssen substantielle Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden. Andernfalls macht sich eine Kommune bei der Ausweisung von Eignungs- und Vorranggebieten angreifbar. Zudem sei eine Kommune schlecht beraten, wenn sie bei der Planung auf Geheimhaltung setze. „Offenes Kommunizieren ist sicherlich die beste Methode. Akzeptanz und Bürgerbeteiligung funktioniert nur auf Basis von Freiwilligkeit“, erklärte Lahme.

Mit ihrem Vortrag „Windenergie – das Spannungsfeld Arten- und Klimaschutz“
wandte sich Claudia Bredemann von Ökoplan Essen dem Schwerpunktthema der Tagung zu. Im neuen Windenergieerlass von 2011 ist der Gebietsschutz erhalten geblieben. Auch weiterhin ist Windenergienutzung in Nationalparken sowie in Natur- und Vogelschutzgebieten nicht möglich. Doch das alleine reiche nicht aus, sagte Bredemann. „Der Konfliktfall für Vögel und Fledermäuse bleibt bestehen. Denn die Tiere fliegen herum und halten sich nicht an Abstandsregelungen.“ Mit der Novellierung ist im Windenergieerlass zusätzlich die Berücksichtigung des europäischen Artenschutzrechtes gefordert. Es geht um die Schonung ausgewählter Tierarten und ihrer Lebensstätten unabhängig vom Gebietsschutz.

Die Forschung, inwiefern Windenergieanlagen eine Gefährdung für welche Tiere bedeuten, hat in jüngster Zeit wesentlich genauere Ergebnisse erbracht. So konnte nachgewiesen werden, dass die Kollisionsgefahr bei Einzelanlagen größer ist als bei Windparks. Brutvögel lassen sich zudem von größeren Anlagen weniger stören als von kleinen. „Werden Erkenntnisse dieser Art in die Planung mit einbezogen, lässt sich die Gefährdung von vorneherein reduzieren“, so Bredemann. Auch die automatische Abschaltung der Anlagen zu bestimmten Zeiten könne erheblich dazu beitragen. Damit ließe sich beispielsweise berücksichtigt, dass Fledermäuse vor allem im ersten Viertel der Nacht besonders viel fliegen. Das Fazit der Referentin lautete daher: Durch vorausschauende Planung ist Konfliktvermeidung möglich. Insbesondere das Repowering, also das Ersetzen von Altanlagen durch neue leistungsfähigere und damit auch höhere Anlagen, kann zur Verbesserung des Artenschutzes genutzt werden.

Auf die Vorteile des Repowerings aber auch die Hemmnisse ging Bettina Bönisch von der Repowering Infobörse in ihrem Vortrag näher ein. Eine Studie auf Basis von ausführlichen Befragungen habe ergeben, dass die Komplexität der Akteursinteressen als ein gravierendes Problem angesehen wird. Ebenso wie die Herausforderung der kommunalen Planungsstrukturen. In diesem Bereich ist noch mehr Vermittlung, Austausch und Diskussion erforderlich.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion. Sie stand unter der Leitfrage „Klimaschutz versus Naturschutz – ein Widerspruch?“ Michael Theben vertrat das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW und betonte: „Wir sehen Klimaschutz und Naturschutz als eine Einheit. Das Problem ist, zu bestimmen, was das im Einzelfall bedeutet. Für die Konfliktfälle müssen wir noch mehr Klarheit schaffen.“ Diesen Punkt griff Josef Tumbrinck, Vorstandsvorsitzender des NABU NRW, auf. „Die Schwierigkeit ist immer, den Spagat hinzubekommen. Denn natürlich wollen wir die Windkraft. Wir brauchen sie. Aber der Artenschutz ist genauso wichtig. Da geht es um unser Naturerbe“, so betonte er. Die Herausforderung bestehe darin, die geeigneten Flächen für den Einsatz dieser Technik zu finden. Daraufhin setzte Theben nochmal nach: „Wir lernen hinsichtlich des Artenschutzes ständig hinzu. So können wir zukünftig immer besser die Abgrenzung hinbekommen, was verträglich ist und was nicht.“ Rechtsanwalt Lahme verwies nochmal auf den Aspekt, dass die Weiterentwicklung der Technik zu wesentlich höheren Anlagen keineswegs nur Gefährdung bedeute, sondern auch vorteilhaft für den Schutz von Vögeln und Fledermäusen sein könne. Wilfried Roos, Bürgermeister der Gemeinde Saerbeck, betonte: „Es geht darum, die für die Windkraft gewünschte Örtlichkeit konkret und differenziert anzuschauen. Nur dann lassen sich gute Lösungen finden.“ Der Bürgermeister weiß, wovon er spricht. Die Gemeinde Saerbeck ist vorbildlich in ihrem Engagement für Klimaschutz und erneuerbare Energien und hat schon zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt.

Die Vorträge der Veranstaltung können hier herunterladen werden.

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