EEG 3.0: Marktanalysen für Erneuerbare Energien

13. April 2015 | Kira Crome

Marktanalyse der Windenergie an Land

Windenergieprojekte benötigen durchschnittlich rund fünf Jahre Zeit für Planung und Genehmigung, bis die erste Anlage in Betrieb geht.
© Gabi Schoenemann/PIXELIO

Die Förderung von Erneuerbare-Energie-Anlagen soll spätestens 2017 über ein wettbewerbliches Ausschreibungsverfahren bewerkstelligt werden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterlegt den aktuellen Diskussionsprozess zur Erarbeitung eines Ausschreibungsdesigns mit Analysen der verschiedenen Erneuerbaren-Energieträger-Märkte. Zur Marktanalyse der Windenergie liegen jetzt vier Studien vor.

Ausschreibungen statt feste Fördersätze

Mit der Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung eine Änderung des bisherigen Fördersystems für die Errichtung von Erneuerbare-Energie-Anlagen beschlossen. Statt gesetzlich festgelegter Vergütungssätze sollen die Förderhöhen ab 2017 wettbewerblich mithilfe von Ausschreibungen ermittelt werden. Diese Umstellung soll dazu führen, dass der erzeugte Strom aus Erneuerbaren Energien nur in der Höhe vergütet wird, die für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage erforderlich ist. Dieses System setzt einen ausreichenden Wettbewerb um die Förderung von Erneuerbare-Energie-Anlagen voraus und erfordert ein passgenaues Ausschreibungsdesign.

Analysen beleuchten Marktmechanismen einzelner Technologien

Grundlage dafür ist eine gute Kenntnis des Marktes. Die im Februar gestartete Pilotausschreibung für Photovoltaik-Freiflächen dient dazu, erste Erfahrungen mit dem neuen Fördersystem zu sammeln. Bis zum 15. April können Investoren innerhalb der ersten Ausschreibungsrunde ihre Gebote bei der Bundesnetzagentur einreichen. Ab spätestens 2017 sollen auch für die anderen erneuerbaren Energieträger Ausschreibungsverfahren eingeführt werden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie will den Diskussionsprozess zur Erarbeitung eines Ausschreibungsdesigns strukturieren und stellt Analysen der verschiedenen Energieträger-Märkte an, die von offenen Konsultationen flankiert werden. Darin werden für jeden Energieträger der Stand des Ausbaus, die Anlagenstruktur, die relevanten Akteure, die bestehende Wettbewerbslage, die Potenziale für den weiteren Ausbau einschließlich der damit verbundenen Kosten sowie der Ablauf und Zeitrahmen des Planungs- und Genehmigungsverfahrens zusammengestellt. Jetzt liegen verschiedene Studien zur Marktanalyse der Windenergie an Land vor.

Vier Studien untersuchen Teilaspekte des Windenergiemarkts

Die Fachagentur Windenergie an Land hat mithilfe einer Umfrage bei Unternehmen und Behörden typische Zeit- und Finanzaufwendungen im Planungs- und Genehmigungsprozess von Windenergieanlagen an Land ermittelt und dabei auch den Einfluss, den unterschiedliche Planungsinstrumente auf die Realisierung neuer Windparks haben, analysiert. Wesentliche Ergebnisse dieser Analyse zu Dauer und Kosten der Windenergieprojektierung sind: Windenergieprojekte benötigen im Schnitt rund fünf Jahre Planungs- und Genehmigungszeit, bis die erste Anlage in Betrieb geht. Der zeitliche Vorlauf bis zum Genehmigungsantrag liegt im Mittel bei drei Jahren. Die Genehmigungsphase durchläuft der Großteil der untersuchten Vorhaben innerhalb von eineinhalb Jahren. Die Inbetriebnahme eines Windrades erfolgt im Schnitt ein Jahr nach dessen Genehmigung. Der finanzielle Aufwand bis zur fertigen Genehmigung bewegt sich beim Gros der untersuchten Vorhaben zwischen 70 und 115 Euro je Kilowatt projektierte Anlagenleistung. „Diese Ergebnisse zeigen, dass der Planungs- und Genehmigungsprozess zur Errichtung von Windenergieanlagen im Vergleich zu anderen Erneuerbare-Energie-Anlagen ungleich komplexer und aufwendiger ist“, sagt Simon Trockel vom EnergieAgentur.NRW-Team. „Erkenntnisse aus der angelaufenen Pilotausschreibung für Photovoltaik-Freiflächen werden nur bedingt übertragbar sein.“

Die Stiftung Umweltenergierecht hat in der Studie „Planungs- und genehmigungsrechtliche Anknüpfungspunkte als materielle Präqualifikationsmerkmale einer Ausschreibung für Windenergie an Land“ die rechtlichen Unterschiede zwischen Photovoltaik und Windenergie untersucht. Die rechtswissenschaftliche Analyse kommt zu dem Schluss, dass sich das bestehende Präqualifikationsdesign für PV-Freiflächenanlagen, das mit einem Bebauungsplan verknüpft ist, nicht auf die Windenergie übertragen lässt. Bestes Indiz für die Realisierungswahrscheinlichkeit eines Windenergievorhabens ist der Genehmigungsbescheid. Der liegt jedoch erst zu einem sehr späten Zeitpunkt im Projektverlauf vor. Das bedeutet: Weil am Ende des langen Planungs- und Genehmigungsprozesses nicht sichergestellt ist, dass der Zuschlag im Bieterverfahren erteilt wird, steigt das Finanzierungsrisiko und damit auch die Kosten von Windenergie-Projekten.

Weitere Studien zur Analyse des Windenergiemarkts sind die Untersuchungen des Leipziger Instituts für Energie zum Ausbau der Windenergie an Land. Sie werten die Entwicklungen zum Ausbau der Windenergie unter anderem unter den Gesichtspunkten der Anlagenkonfigurationen und der Standortqualitäten aus. Die Studie der Deutschen Windguard im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie beleuchtet die Akteursstrukturen von Windenergieprojekten in Deutschland. Sie liefert ein differenziertes Bild der heute bestehenden Marktteilnehmer im Windenergie-Bereich und identifiziert die Teilnahmehürden für bestimmte Akteursgruppen.

Marktanalysen zu Biomasse, Geothermie und anderen Technologien

Eine Übersicht über die übrigen Marktanalysen anderer erneuerbarer Technologien und weiterführende Informationen zur Ausgestaltung der Ausschreibungsverfahren finden sich auf den Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums.

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