Arnsberger Energie-Dialog: Die Energiewende aktiv gestalten

19. Juli 2013 | Kira Crome

Arnsberger Energiedialog

Bildnachweis: Copyright Bezirksregierung Arnsberg

Die Energiewende stellt viele Landkreise und Kommunen vor große Herausforderungen. Die Bezirksregierung Arnsberg will als Impulsgeber und Moderator den Ausbau erneuerbarer Energien auf allen Ebenen beflügeln: Mit dem „Arnsberger Energie-Dialog“ sollen Akteure zusammengebracht, Maßnahmen und Planungsstände vermittelt, Netzwerke gestärkt und Konflikte minimiert werden.

„Die Energiewende bietet Chancen für Wertschöpfung in der Region“, ist Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann überzeugt. Dies gelte für regionale Investoren, insbesondere Bürgergemeinschaften oder Stadtwerke, aber auch für Handwerker durch Installation und Wartung. „Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die Innovationsfähigkeit der regionalen Hochschulen auch in Kooperation mit der heimischen Wirtschaft unter Beweis zu stellen – mit Projekten, die hier in der Region realisiert werden können.“ Eine Machbarkeitsstudie für den Regierungsbezirk Arnsberg aus dem Jahr 2011 bescheinigt der Region hohe Potenziale für die Nutzung erneuerbarer Energien: 27 Prozent des Strombedarfs in der Region könnten demnach aus regenerativen Energien gedeckt und damit der CO2-Ausstoß beim Strom bis ins Jahr 2020 um rund ein Viertel gesenkt werden. Den größten Anteil könnten Windkraft und Photovoltaik erbringen.

Noch ist der Bezirk im bundesweiten Vergleich eher eine „Aufholregion“ – für den Regierungspräsidenten ein besonderer Ansporn: „Um die Ziele zu erreichen, ist ein schnelles und effizientes Handeln erforderlich“, so Bollermann. Keine kleine Aufgabe angesichts der Größe der Region: Der Regierungsbezirk Arnsberg besteht aus fünf kreisfreien Städten, sieben Kreisen mit 78 kreisangehörigen Kommunen und zählt fast 3,6 Millionen Einwohner. Nutzungskonflikte bei der räumlichen Planung auf Regional- und Gemeindeebene, aber auch widerstreitende lokale Interessen begleiten hier die mehrdimensionalen Entscheidungsfindungen beim Ausbau erneuerbarer Energien. „Als Bündelungsbehörde kennen wir diese Konflikte. Es geht darum, sie konstruktiv zu lösen“, erklärt Bollermann. Die Bezirksregierung als Planungs-, Genehmigungs- und Förderbehörde wolle deshalb Impulsgeber und Moderator der Energiewende sein. Und die könne nur gelingen, wenn auf allen Ebenen daran mitgewirkt werde, ist der Arnsberger Regierungspräsident überzeugt. Dafür hat die Bezirksregierung drei zentrale Handlungsfelder ausgemacht – von einer einheitlichen Regionalplanung über die Vernetzung der lokalen Wissenschaft mit der kommunalen Energiewirtschaft bis zum aktiven Wissensmanagement zur Frage intelligenter Netze in der Region.

Meilensteine der Bezirksregierung
Eine zentrale Maßnahme ist etwa die Erarbeitung eines „Sachlichen Teilabschnitt Energie“ für den Regionalplan Südwestfalen. Die Leitlinien dafür liegen bereits vor. Ziel der Regionalplaner ist es, Nutzungskonflikte auf diese Weise bereits auf regionaler Ebene aufzulösen – im Dialog mit örtlichen Planern und regionalen Akteuren. „Diese gemeindeübergreifende Abstimmung der raumbedeutsamen Planungen verschafft den Kommunen Planungssicherheit beim Ausbau der erneuerbaren Energien“, so der Regierungspräsident. Dazu gehöre auch das Abklären von Raumansprüchen für Energievorhaben mit denen anderer Fachressorts – wie zum Beispiel des Naturschutzes. Auf diese Weise werde ein verlässlicher Planungsrahmen für konkrete lokale Erneuerbare Energie-Projekte geschaffen, der künftig örtliche Verhandlungen mit Investoren und Betreibern erleichtert.

Arnsberger Energiedialoge
Begleitet und unterfüttert werden die Vorhaben – zu denen auch die Einbindung der lokalen Wissenschaft und eines regionalen Klima.Netzwerkers der EnergieAgentur.NRW gehört – von den Arnsberger Energiedialogen. Die Veranstaltungsreihe bietet eine Plattform, um die maßgeblichen Akteuren der Region an der Diskussion zu beteiligen, Impulse einzuholen und Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen. „Damit wollen wir Zukunftsthemen besetzen und die Langfristziele der Planung gemeinsam mit Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft, der Wissenschaft und des Naturschutzes erarbeiten“, erläutert Bollermann das strategische Konzept.

Die Energiewende als Chance für die Region begreifen
Landräte, Bürgermeister, Kämmerer und andere Repräsentanten aus den Kommunen waren zur Auftaktveranstaltung im Januar 2012 geladen. Acht weitere Veranstaltungen haben seither stattgefunden – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Akteuren aus Kommunen, Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Verbänden. Themen waren Netzstabilität und Versorgungssicherheit, einvernehmliche Lösungen für Klima-, Natur- und Artenschutz ebenso wie Energieeffizienzmaßnahmen in der Wirtschaft. 
Auf der jüngsten Veranstaltung im Juli standen Bürgerbeteiligungs- und Finanzierungsformen im Fokus. Detailfragen rund um den kommunalen Planungsprozess von Bürgerenergieanlagen und der finanziellen Förderung sollen in weiteren Foren vertieft werden. Die Besucher waren aufgefordert, ihre konkreten Themenwünsche und Fragestellungen zu nennen. Derzeit werden die Fragebögen ausgewertet und die nächsten Veranstaltungen geplant.
In Arnsberg freut man sich über gefüllte Veranstaltungsräume und rege Nachfrage der Diskussions- und Vernetzungsangebote. „Wir wollen ein Meinungsklima schaffen, in dem die Energiewende – bei allen Herausforderungen – als Chance für die Region begriffen wird“, bilanzierte Gerd Bollermann jüngst im Interview. Ein guter Anfang mit vielen Synergieeffekten sei gemacht.

Strukturierter Prozess
Die Bezirksregierung Arnsberg will zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz beitragen, indem sie erforderliche infrastrukturelle Maßnahmen begleitet und fördert sowie Kommunen einen verlässlichen Planungsrahmen bietet. Dafür hat sie drei vorrangige Handlungsfelder in der Region ausgemacht: eine einheitliche Regionalplanung als Basis für rechtssichere Planungen der Kommunen, die Auslobung des „European Energy Award“ für die kommunale Energiewirtschaft und die Bereitstellung von Wissen durch regionale Wissenschaft und Forschung sowie die Etablierung des regionalen Energiemanagements insbesondere durch intelligente Netze. Die Arnsberger Energiedialoge unterstützen diese Maßnahmen als Kommunikationsplattform.

 

Weiterführende Informationen:
Machbarkeitsstudie: Potenziale Erneuerbarer Energien im Regierungsbezirk Arnsberg, Februar 2011
Kurzfassung: www.bra.nrw.de/1428101
Langfassung: www.bra.nrw.de/1428122
Leitlinien für den Regionalplan Arnsberg. Sachlicher Teilabschnitt „Energie“

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