DFS baut Bodenfunkfeuer ab – weniger Konflikte mit der Windenergie?

14. November 2017 | Kira Crome

Die DFS will die Navigationsinfrastruktur für den Flugverkehr bis 2029 modernisieren. © DFS

Die Deutsche Flugsicherung will die Sicherung des Luftverkehrs technisch modernisieren und langfristig von Bodenfunkfeuern auf Satelliten-Navigation umstellen. Dazu sollen bis zum Jahr 2029 derzeit noch genutzte Drehfunkfeuer-Anlagen abgebaut werden. Die umliegenden Flächen könnten dann unter anderem der Windenergienutzung offen stehen. Welche der elf Anlagen in NRW in Frage kommen, ist derzeit noch unklar.

Funkfeuer dienen der Luftfahrt zur Navigation. Sie senden spezielle Funksignale aus, die die Flugzeuge auf ihrer Flugroute vom Boden aus leiten. Von dieser konventionellen Technologie will sich die Deutsche Flugsicherung (DFS) in den kommenden Jahren verabschieden und die Sicherung des Luftverkehrs schrittweise auf moderne Satellitennavigationsverfahren umstellen. Sie machen eine flexiblere Routenführung möglich. Das schafft nicht nur mehr Streckenkapazität im immer enger werdenden Luftraum. Es hilft auch, Flugzeit und Treibstoff einzusparen. Bis zum Jahr 2029 soll das Modernisierungsprogramm der Anlagen zur Flugsicherung abgeschlossen sein, teilte die DFS Ende September mit.

Davon könnte auch die Windenergienutzung profitieren. Bislang lehnt die DFS in ihrer gutachterlichen Funktion bei der Genehmigung von neuen Windenergieanlagen Standorte im Schutzbereich von Drehfunkfeuern in einem Umkreis von 15 Kilometern ab. Sie fürchtet, dass die hoch aufragenden Bauwerke Funksignale und Radarwellen ablenken. Flugzeuge, die nicht mit modernster Navigationstechnik ausgerüstet und noch auf die konventionelle Funknavigation angewiesen sind, werden dadurch gefährdet, argumentiert die DFS und verweist auf die Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (IAOC). In der Vergangenheit musste deshalb eine Vielzahl an Repowering-Vorhaben oder neuen Windenergieplanungen aufgegeben werden. Der Bundesverband Windenergie bezifferte die Größenordnung, einer Mitglieder-Umfrage aus dem Jahr 2015 zufolge, auf nahezu 800 geplante Projekte, die aus Gründen der Flugsicherheit nicht genehmigt worden seien. 121 davon in Nordrhein-Westfalen.

Störpotenzial von Bodenfunkfeuern umstritten
In vielen Kommunen erschwert die Klärung des möglichen Störpotenzials von Windenergieanlagen auf Navigationsanlagen die Ausweisung von Windkonzentrationszonen und das Repowering alter Anlagen. Allein in Nordrhein-Westfalen sind 20 Prozent der Landesfläche von dem 15-km-Schutzradius um Funkfeueranlagen betroffen. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht die Auffassung der DFS in einer Grundsatzentscheidung zwar gefestigt. Ungeklärt aber ist der Streit unter Windenergie-Experten, Gutachtern und Juristen über die technischen Methoden, die die DFS für ihre Störungsprognose von Windenergieanlagen auf Funknavigationsanlagen anwendet. Sie seien zu stark vereinfachend und wissenschaftlich nicht abschließend validiert, kritisiert die Windenergiebranche. Überdies werde ein großer Teil der Drehfunkfeuer- und Radaranlagen der DFS nicht oder nur eingeschränkt genutzt, heißt es beim Bundesverband Windenergie. Untersuchungen in Schleswig-Holstein, aber auch Hinweise für Privatflieger aus dem Luftfahrthandbuch belegten dies. Die Technik werde lediglich als Backup-Lösung vorgehalten und in der professionellen Luftfahrt kaum genutzt.

Weniger entgegenstehende Belange bei der Windenergieplanung?
Das von der DFS angekündigte Modernisierungsprogramm könnte den Konflikt entspannen. „Werden bodengebundene Flugsicherungsanlagen abgebaut, stehen die frei werdenden Flächen dann für andere Verwendungen zur Verfügung“, teilt die DFS mit. Unklar ist aber derzeit noch, welche Drehfunkfeuerstandorte im Zuge der Umstellung tatsächlich abgebaut werden. Bundesweit betreibt die DFS etwa 60 Funknavigationsanlagen. 11 davon stehen in Nordrhein-Westfalen. Die Ablösung der alten Technik erfolgt nach einem umfangreichen Prüfprozess. Zwar fliegen mittlerweile beinahe 95 Prozent der Luftfahrzeuge mithilfe moderner Navigationssysteme. Für die restlichen noch nicht entsprechend ausgerüsteten Flugzeuge müsse die DFS jedoch weiterhin Lösungen auf konventioneller Basis anbieten. Den Übergang von Funk- auf Satellitennavigation will die DFS deshalb schrittweise gestalten und bis zum Jahr 2029 in einem mehrstufigen Verfahren abgeschlossen haben. „Dafür teilen wir den Luftraum über Deutschland in sieben Cluster auf“, erklärt Kristina Kelek, Pressesprecherin der DFS. „Damit gliedern wir alle 60 Verkehrs- und Sonderflugplätze in Deutschland, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden und Abhängigkeiten aufweisen.“ Cluster um Cluster werden rund 2.800 An- und Abflugverfahren in den sieben Räumen geprüft und auf die neue Navigationsinfrastruktur umgestellt.

Zeitlicher Ablauf steht noch nicht fest
Den Anfang bildet das Cluster Elbe/Weser in Norddeutschland. 2020 soll hier auf die neue Navigationstechnik umgestellt werden. Damit muss eine hier geplante neue Drehfunkfeuer-Anlage gar nicht erst gebaut werden. Das umstrittene Drehfunkfeuer Michaelsdorf im nördlichen Ostholstein, das Ende 2021 außer Betrieb gehen sollte, wird schon ein Jahr früher abgestellt. Flächen, die in seinem Umkreis wegen Bedenken der DFS noch im letzten Jahr aus den Regionalplänen herausgenommen worden waren, könnten der Windenergienutzung dann wieder offen stehen.

Welche Cluster folgen werden, hängt vom Verlauf des Prüfprozesses und den nötigen Verfahrensanpassungen ab. Nach dem aktuellen Stand der Planungen stehen neben dem Standort Michaelsdorf weitere acht ältere Bodenfunkfeuer in Deutschland derzeit zur Disposition. Es könnten im Zuge der Prüfungen auch mehr werden, heißt es bei der DFS. Auf konkrete Standorte könne man sich derzeit jedoch noch nicht festlegen. Klar sei jedoch: Nach der Umstellung auf die moderne Navigationsinfrastruktur werde der Weiterbetrieb von einigen wenigen Drehfunkfeuern für die Sicherung des Flugverkehrs dennoch unabdingbar bleiben.

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21.04.2016: Bundesverwaltungsgericht entscheidet zu Drehfunkfeuern
06.11.2014: Rechtsgutachten zur Bedeutung des Errichtungsverbots des § 18a LuftVG bei der Genehmigung von Windenergieanlagen
08.09.2014: Flugsicherheit und Windenergie: Bremse für die Energiewende?

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