DBFZ: Prognose zur Entwicklung von Biomassebestandsanlagen

11. April 2016 | Kira Crome

© Dirk Schmidt/commons.wikimedia.org

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Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) rechnet mit Blick auf die gegenwärtige Diskussion über den Ausbaupfad der Biomasse im Zuge der anstehenden EEG-Novellierung mit einem deutlichen Rückgang der Biogasanlagen. In einem jüngst veröffentlichten Hintergrundpapier prognostizieren die Wissenschaftler die voraussichtliche Entwicklung des Anlagenbestandes in Deutschland sowie in den einzelnen Bundesländern.

Derzeit sind rund 8.000 Biogasanlagen in Deutschland installiert. Mit einer Gesamtleistung von etwa 4.500 Megawatt liefern sie sieben Prozent des erzeugten Stroms, indem sie organische Rohstoffe wie Energiepflanzen, Gülle, Klärschlamm, Zwischenfrüchte oder Pflanzenreste verwerten. Während Mikrobiologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) mit einem internationalen Forschungsteam derzeit erforschen, wie sich die Biogasproduktion flexibilisieren und bedarfsorientiert steuern lässt, um den Anteil der Stromerzeugung aus Biomasse zu erhöhen, stehen die Rahmenbedingungen für die Biomasse im Zuge der anstehenden Novellierung des EEG 2016 gegenwärtig in der Diskussion. Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) warnt vor einem deutlichen Rückgang der Bestandsanlagen und hat eine entsprechende Prognose der Entwicklung des Anlagenbestandes in Deutschland sowie in den einzelnen Bundesländern vorgelegt.

Hintergrund ist die Novellierung des EEG 2014, mit der die Förderung für Biogasanlagen deutlich gesenkt und der jährliche Ausbau der Biomassenutzung begrenzt wurde. In der Folge hat sich der Zubau neuer Anlagen verlangsamt. Für die Biogasanlagen der ersten Stunde laufen die Vergütungen im System der festen Einspeisevergütung zunehmend aus. Im Zuge der EEG-Novellierung 2016 soll die Förderhöhe für Bestandsanlagen zukünftig über Ausschreibungen festgelegt werden.

Das DBFZ geht aufgrund der Kostenstrukturen im Bereich der Bioenergie davon aus, „dass Biomasseanlagen nicht mehr ausschließlich mit dem an der Börse zu erlösenden Strompreis arbeiten können. Beim derzeitig diskutierten Ausbaupfad würde es“, so die Autoren des Hintergrundpapiers, „daher zu einem Abbau im Anlagenbestand kommen.“ Ohne eine Regelung zur Anschlussförderung könne von der Stilllegung des überwiegenden Teils der Anlagen ausgegangen werden. Von der gegenwärtig installierten elektrischen Leistung von Biomasseanlagen im EEG mit 6.600 Megawatt würden, nach der Prognose des DBFZ, im Jahr 2025 noch 5.100 Megawatt zur Verfügung stehen. Im Jahr 2030 seien es dann nur noch 2.300 Megawatt. Die letzten Anlagen aus dem gegenwärtigen Bestand würden voraussichtlich ab dem Jahr 2035 aus der EEG-Förderung ausscheiden. In Nordrhein-Westfalen werden die bestehenden Biomasseanlagen, die laut der DBFZ-Analyse im Jahr 2014 rund 4 Terrawattstunden Strom erzeugt und eine EEG-Vergütung von knapp 595 Millionen Euro erhalten haben, bereits ab dem Jahr 2020 kontinuierlich abnehmen.

© Deutsches Biomasseforschungszentrum

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Bei den derzeit diskutierten Vorschlägen für die weitere Förderung von Biomasse, würde die bundesweite Stromerzeugung von 38,36 Terrawattstunden (2014) auf maximal 8,7 Terrawattstunden im Jahr 2035 sinken. Die Bundesregierung will auf Ausschreibungen für eine Anschlussförderung setzen. Auf diese Weise solle erreicht werden, dass die kostengünstigsten und effizientesten Bestandsanlagen weiterbetrieben sowie flexibilisiert und modernisiert werden. Noch werde der kostengünstigste Weg geprüft. Das fortgeschriebene Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums stellt jedoch auf eine mögliche gemeinsame Ausschreibung für neue und bestehende Biomasseanlagen ab.

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