Bioenergie-Regionen: Netzwerken für die Energiewende

28. Juli 2014 | Kira Crome

Netzwerke in Bioenergie-Regionen – Politisch-gesellschaftliche Begleitforschung zum Bundeswettbewerb

Neue Studie: Netzwerke in Bioenergie-Regionen – Politisch-gesellschaftliche Begleitforschung zum Bundeswettbewerb, © Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe

Wenn Kommunen ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen wollen, brauchen sie vor allem eines: starke regionale Akteursnetzwerke. Sie sind der Schlüssel, um die Energiewende vor Ort an die regionalen Gegebenheiten anzupassen und erfolgreich in lokale Wertschöpfungsketten zu integrieren. Das hat die sozialwissenschaftliche Analyse der 25 bundesweit aktiven Bioenergie-Regionen bestätigt. Der Bericht liegt jetzt vor und gibt Aufschluss über das Wie und Was des Netzwerkens für eine gemeinsame, wirtschaftlich sinnvolle Nutzung erneuerbarer Energien.

Seit jeher tun sich Menschen zusammen, um gemeinsam ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Früher gern als „Geklüngel“ gering geschätzt, hat das moderne „Netzwerken“ derlei Vorbehalte längst überholt. Heute schließen sich einzelne Akteure in einem wirtschaftlichen oder sozialen Netzwerk zusammen, weil sie gemeinsam eine höhere Dynamik entwickeln können als allein. Oder systemtheoretisch formuliert: Kooperation und Koordination in Netzwerken sind sozio-ökonomisch erfolgversprechender als hierarchische Strukturen. Wie das Verständnis sozialer Systeme die Energiewende voranbringen und verstetigen kann, zeigt eine aktuelle Fördermaßnahme der Bundesregierung zum Ausbau der Bioenergienutzung in ländlichen Räumen.

Bundeswettbewerb Bioenergie-Regionen: 25 aktive Netzwerke

Seit fünf Jahren unterstützt das Bundeslandwirtschaftsministerium bundesweit ausgewählte Modellregionen dabei, die Bioenergie vor Ort auszubauen. 25 sogenannte Bioenergie-Regionen nehmen an dem Vorhaben teil. Zwei davon liegen in Nordrhein-Westfalen. Jede Region erhielt in der ersten Förderphase jeweils 400.000 Euro. Das Geld durfte jedoch nicht zum Bau von Anlagen verwendet werden. Es diente ausschließlich dem Auf- und Ausbau von regionalen Netzwerken und Strukturen.

Sozialwissenschaftler haben die Entwicklung der regionalen Bioenergie-Netzwerke während der ersten Förderphase über drei Jahre lang begleitet. Mit einer umfangreichen quantitativen Analyse haben die Wissenschaftler in allen 25 beteiligten Regionen geprüft, inwieweit es gelungen ist, mithilfe von Netzwerken die Qualifizierung regionaler Akteure zu stärken und die lokale Wertschöpfung aus der Bioenergienutzung zu erhöhen. Auch der dafür nötige Wissenstransfer und die Entschärfung von örtlichen Konflikten rundum die Bioenergienutzung wurden ausgewertet.

Entstanden ist eine facettenreiche Netzwerktypologie, die zugleich die Wirkungskette von Aktivitäten der regionalen Netzwerke aufzeigt. Die Erkenntnisse bestätigen nach Aussage der Autoren, dass sich „weiche“ Faktoren wie die Vernetzung von Akteuren, der Transfer von Wissen oder akzeptanzschaffende Maßnahmen auf konkret messbare, „harte“ Effekte auswirken.

„Wenn das Ziel einer Region ist, Bioenergie zu fördern oder einen Windpark zu bauen, ist die erste Frage: Wie organisieren wir das am besten und mit wem?“

Netzwerkarbeit heißt, über den eigenen Tellerrand hinweg zu blicken

„Netzwerke sind ein wichtiges Instrument“, weiß auch Nils Krüger, Klimanetzwerker der EnergieAgentur.NRW im Regierungsbezirk Detmold. Der Wert von Netzwerken wächst mit der Zahl derer, die mit ihm verbunden sind. „Wenn das Ziel einer Region ist, Bioenergie zu fördern oder einen Windpark zu bauen, ist die erste Frage: Wie organisieren wir das am besten und mit wem?“ erklärt Krüger. „Netzwerke sind ein gutes Mittel, weil sie die beteiligten Akteure miteinander persönlich verbinden und dadurch das nötige Vertrauen schaffen, um Informationen und Wissen auszutauschen.“ Ihre Stärke liegt in der Zusammenführung und Bündelung von unterschiedlichem Know-how. So konnten die Studienautoren zeigen, dass sich in vielen der geförderten Bioenergie-Regionen erstmals „alle Akteure an einen Tisch gesetzt haben“, dass man sich „auf eine gemeinsame Strategie geeinigt“ hat und dass ein „breites öffentliches und politisches Interesse an der Thematik“ bewirkt wurde.

Ein funktionierendes Netzwerk kann dort Strukturen für die Erschließung regionaler Wertschöpfungspotenziale aufbauen, wo es vorher noch keine gab. „Was ein einzelner Akteur nicht stemmen konnte, gelingt, wenn Ressourcen vernünftig gemeinschaftlich genutzt werden“, ist Krüger überzeugt. Das zeigt das Beispiel einer der beiden nordrhein-westfälischen Bioenergie-Netzwerke: Im Landkreis Höxter werden im Biomassenhof Borlinghausen Straßenrandbegrünungsreste, Äste und Strauchschnitt aus Wäldern, von landwirtschaftlichen Nutzungsflächen und Privathaushalten aus den umliegenden Kommunen energetisch sinnvoll weiterverwertet. „Das waren minderwertige Reststoffe, die in der Vergangenheit kaum sinnvoll genutzt wurden und deren Entsorgung sehr teuer war“, erklärt der lokale Biomassekoordinator. In Höxter wurden Strategien entwickelt, wie sich diese Stoffe zentral sammeln und technisch so aufbereiten lassen, dass sie für die kommunale Wärmenutzung genutzt werden können. Ein Pilotprojekt, das für viele andere Kommunen als Vorbild dienen kann.

Nachhaltige statt kurzfristige Effekte

Für Klimanetzwerker Nils Krüger ist die Förderung zum Aufbau von Akteursnetzwerken ein sinnvoller Weg: „Auf diese Weise wird regionalen Akteuren geholfen, aus eigenen Kräften und Impulsen heraus voranzukommen und damit dauerhafte Wirkungen statt kurzfristiger Effekte zu erreichen.“ Denn das Betreiben der Energiewende fordert zu allererst viel Engagement. Es braucht vor allem professionelle Kümmerer, die nicht nur die Fähigkeit haben, Leute zusammenzubringen und gemeinsame Aktivitäten anzuregen. Es braucht auch Zeit, um jenseits des Tagesgeschäfts den Ausbau der Bioenergienutzung an die regionalen Gegebenheiten anzupassen und in regionale Wertschöpfungsketten zu integrieren, notwendiges Wissen zu transferieren, die Bevölkerung einzubeziehen sowie Akzeptanz zu gewährleisten und Konflikte zu vermeiden.

Die EnergieAgentur.NRW bietet den Bioenergie-Akteuren in Nordrhein-Westfalen eine Plattform, um sich zu vernetzen, gemeinsam an neuen Projekten zu arbeiten und sich über das Geschehen im Markt zu informieren. Im Netzwerk Biomasse engagieren sich rund 1.300 Akteure der Branche. Relevante Informationen werden vom Netzwerk neutral aufbereitet, Kompetenzen gebündelt und Biomasse-Akteure auf Veranstaltungen, Messen und in persönlichen Gesprächen auf den neuesten Entwicklungsstand gebracht. Das Online-Portal www.biomasse.nrw.de bietet Informationen rund um Rohstoffe und Technologien, Gesetze und Förderprogramme. Ferner bietet der Bioenergieatlas.NRW die Möglichkeit, gezielt nach Ansprechpartnern oder Projekten in Nordrhein-Westfalen zu suchen.

In der aktuellen zweiten Phase des Bioenergie-Regionen-Projektes konzentrieren sich die Akteure auf die gezielte Steigerung der regionalen Wertschöpfung durch Bioenergie, auf die Effizienzsteigerung und Optimierung der Stoffströme sowie auf die Weitergabe der Erfahrungen an Partner-Regionen. Die Bioenergie-Regionen arbeiten nun mit sogenannten Zwillingsregionen zusammen und leisten auf diese Weise einen ganz gezielten Wissenstransfer.

Mehr dazu unter www.bioenergie-regionen.de

Beteiligte Bioenergie-Kommunen in NRW:
www.bioenergieregion.kreis-hoexter.de
www.bioenergiedialog-rheinland.de

Netzwerk Biomasse der EnergieAgentur.NRW: www.biomasse.nrw.de und www.bioenergieatlas.nrw.de

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