Bilanz: Vierter Monitoring-Bericht zur Energiewende

22. März 2016 | Kira Crome

© Florian Gerlach (Nawaro)/wikimedia.org

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Zum Jahresabschluss 2015 hat die Bundesregierung die Fortschritte der Energiewende evaluiert und die Ergebnisse im vierten Monitoring-Bericht veröffentlicht. Ziel des seit 2011 fortlaufenden Monitoring-Prozesses ist es, regelmäßig einen Überblick über den aktuellen Stand der Energiewende zu erstellen und Bilanz zu ziehen: Welche Maßnahmen greifen und wo muss nachgesteuert werden?

Zweck der Fortschrittsberichterstattung ist es, die Vielzahl der verfügbaren energiestatistischen Daten zu verdichten und verständlich aufzubereiten. Dabei werden bereits realisierte Maßnahmen analysiert und geprüft, in welchen Bereichen künftig weitere Anstrengungen erforderlich sind. Federführend beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verankert, liefert das Monitoring der Bundesregierung so regelmäßig einen Überblick zum Stand der Energiewende.

Zentrale Botschaft des Berichts: Der bundesweite Energieverbrauch ist im Dokumentationsjahr 2014 um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken und erreichte den niedrigsten Stand seit 1990. Zugleich erwiesen sich Erneuerbare Energien als Deutschlands wichtigste Stromquelle. Erstmals habe der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch im ersten Halbjahr 2015 über 30 Prozent gelegen. Der Ausbau Erneuerbaren Energien im Stromsektor befände sich also „auf Zielkurs“.

Zu den weiteren Erkenntnissen gehört, dass die Strompreise zum Anfang des Jahres 2015 erstmals seit über zehn Jahren für die privaten Haushalte gesunken seien. Für Industrie- und Gewerbekunden, die nicht unter Entlastungsregelungen fallen würden, seien die Strompreise im Jahr 2014 nahezu konstant geblieben. Der Börsenstrompreis sei 2014 um weitere 10 Prozent zurückgegangen und auch in 2015 weiter gefallen. Ferner seien die Importausgaben für fossile Energieträger aufgrund niedriger Rohstoffpreise, aber auch geringeren Importmengen um 14 Milliarden Euro auf 81 Milliarden Euro gesunken.

Handlungsbedarf bei der Energieeffizienz
Handlungsbedarf macht der Monitoring-Bericht bei der Energieeffizienz aus: Mit einer durchschnittlichen Steigerung von 1,6 Prozent seit 2008 sei der Zugewinn in Sachen Energieeffizienz hinter dem im Energiekonzept der Bundesregierung erklärten Ziel von 2,1 Prozent zurückgeblieben. Zusätzlichen Schub solle der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz bringen. Auch im Bereich Verkehr seien weitere Anstrengungen nötig: Der Endenergieverbrauch im Verkehr war 2014 rund 1,7 Prozent höher als 2005. Ziel sei es jedoch, den Endenergieverbrauch um 10 Prozent gegenüber 2005 zu senken.

Begleitet werden die Monitoring-Berichte jeweils von Stellungnahmen einer Expertenkommission, die die Ergebnisse bewerten und einordnen. Ihrer Einschätzung nach komme die Energiewende zwar voran, „wenn auch insgesamt nicht so schnell wie ursprünglich geplant und erforderlich“. Während in einzelnen Bereichen wie der erneuerbaren Stromerzeugung die Ziele für das Jahr 2020 erreicht oder übererfüllt werden dürften, würden die bisherigen Fortschritte in anderen Bereichen noch nicht ausreichen. Das gelte insbesondere für das zentrale Klimaziel der Bundesregierung, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Im Verkehr laufe die Entwicklung sogar in die falsche Richtung.

In den Medien wurden vornehmlich die letzten Aspekte in der Berichterstattung über die Monitoring-Ergebnisse aufgegriffen. Wie eine wissenschaftliche Analyse zur Wahrnehmung der Fortschrittsberichterstattung der Bundesregierung des Instituts für Energie- und Klimaforschung, Systemforschung und Technologische Entwicklung (IEK-STE) zeigt, standen die Stellungnahmen der Expertenkommission eher im Mittelpunkt der öffentlichen Rezeption als die Monitoring-Berichte selbst. Was auch mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Monitoring-Berichts kurz vor dem Weltklimagipfel in Paris zusammenhängen könnte, erklärt das Forscherteam indessen mit dem „expliziten Anspruch der Unabhängigkeit der Experten“. Dem Vorwurf, die Fortschrittsberichterstattung diene der Beschönigung der Energiewende, halten die Autoren entgegen, dass die in den Gutachten der Expertenkommission diskutierten Alternativen und Lösungsvorschläge in den Augen vieler Akteure offenbar ein objektiveres, kritischeres und offeneres Diskurselement darstellen als die Monitoring-Berichte der Bundesregierung.

Die Expertenkommission will zukünftig den „konstruktiven, teilweise kritischen Dialog“ mit der Bundesregierung fortsetzen. Letztlich aber dient das Instrument der Fortschrittsberichterstattung der Berichtspflicht. Die Zusammenführung und Aufbereitung der energiestatistischen Daten soll darüber hinaus tiefere Analysen über einen längeren Zeitraum ermöglichen und verlässliche Trends erkennbar machen.

Alle Monitoring-Berichte finden Sie hier.

2 Gedanken zu „Bilanz: Vierter Monitoring-Bericht zur Energiewende

  1. In wie weit wird die Angemessenheit der Ziele der Bundesregierung hinterfragt? Wenn Ziele vorhanden sind, müssten diese aufgrund aktueller Entwicklungen ggf. neu angepasst werden. Wie war also die Entwicklung von extremen Wetterereignissen und deren Folgen für die Menschen in Deutschland? Wie hoch ist der Aufwand für die Klimawandleanpassung? Welchen Anteil hat die Klimaerwärmung an den Flüchtlingsströmen?

    Von daher: was soll ein Monitoring von Zielen, deren Angemessenheit nicht geprüft werden?

    • Sehr geehrter Herr Weber,
      vielen Dank für Ihre Anmerkungen und Fragen zu dem obigen Artikel. Die Entwicklung der Energiewende wird durch den Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ fortlaufend begleitet. Dieser Prozess sieht einen jährlichen Monitoring-Bericht (siehe oben) sowie den sogenannten „Fortschrittsbericht zur Energiewende“ (zuletzt am 03.12.2014 veröffentlicht), der alle drei Jahre vorgelegt wird, vor.
      Der jährlich zu veröffentlichende Monitoring-Bericht basiert dabei auf den Berichtspflichten, die sich aus dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sowie dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ergeben.
      Der Fortschrittsbericht stellt eine umfangreichere Beobachtung der Energiewende dar und ermöglicht tiefergehende Analysen über einen längeren Zeitraum. Neben dieser rückblickenden Analyse, wird natürlich auch der Blick in die Zukunft gerichtet, um Einschätzungen abzuleiten, ob und inwieweit die Ziele des Energiekonzeptes der Bundesregierung mittel- bis langfristig erreicht werden und welche neuen Maßnahmen ggf. ergriffen werden müssen.
      Daneben spielen selbstverständlich auch die Analysen auf Landesebene, z.B. durch die Landesumweltämter eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklungen sowie die Ableitung von Handlungsbedarfen bezogen auf die Klima- und Energiepolitik. Diesbezüglich ist u.a. auf die Analysen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) hinzuweisen. Das LANUV NRW veröffentlicht hierzu beispielsweise regelmäßig Klimaberichte, führt das Treibhausgasinventar für NRW und erfasst mit Hilfe unterschiedlicher sektorspezifischer Mess- und Beobachtungsprogramme die bereits eingetretenen Wirkungen des Klimawandels in NRW in Form eines Klimafolgen-Monitoring. Eine wichtige Schnittstelle zwischen Bundesregierung und Länder ist hierbei die Umweltministerkonferenz (UMK), in der die Vorgehensweise zu umweltpolitischen Fragestellungen zwischen den Ländern und der Bundesregierung abgestimmt wird.

      Ihr Redaktionsteam des EnergieDialog.NRW

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