Best Practice: Mit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen Mehrwerte schaffen

17. August 2017 | Kira Crome

© Rainer Sturm / PIXELIO 

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dienen dazu, bei Bauvorhaben den Eingriff in die Natur und Landschaft zu kompensieren. Gut geplant, schaffen solche Maßnahmen beim Ausbau der Windenergie über den ökologischen Nutzen hinaus auch weitere Synergieeffekte vor Ort. Das zeigt eine Sammlung von Best Practice-Beispielen aus Thüringen.

Wenn gebaut wird, lassen sich Eingriffe in die Natur nicht immer vermeiden. Dann muss für die Veränderung des Landschaftsbilds oder den Verlust natürlicher Lebensräume der Tierwelt vor Ort angemessener Ausgleich oder Ersatz geschaffen werden. Dazu verpflichtet das Bundesnaturschutzgesetz (§§14, 15 BNatSchG). Jüngst hat die Umsiedlung von Zaun- und Mauereidechsen von Bauplätzen der ICE-Trasse Stuttgart-Ulm Schlagzeilen gemacht: Mehr als 6.000 Exemplare der kleinen Reptilien müssen dem Bauwerk an verschiedenen Stellen weichen, von Hand eingefangen und an neuen Standorten wieder angesiedelt werden. Insgesamt rund 15 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben für den Schutz der auf der Liste der gefährdeten Arten stehenden Eidechsen eingeplant. Das Unternehmen verweist auf den großen Aufwand, den Gutachten, Fang, Flächensicherung und Erfolgskontrolle unter anderem bedeuten. Naturschützer sehen indessen in der schleppenden Planung den Grund für die hohen Kosten: Artenschutz müsse nicht so teuer sein, wenn man nur rechtzeitig daran denke, sagte Johannes Enssle, Landesvorsitzender des baden-württembergischen Naturschutzbundes Nabu gegenüber Medienvertretern. Gut geplant, können Ausgleichsmaßnahmen zudem noch mehr als nur einen ökologischen Nutzen stiften. Darauf macht eine Broschüre der Thüringer Energie- und Green Tech-Agentur zur Eingriffsregelung beim Ausbau der Windenergie aufmerksam.

Auch bei der Errichtung von Windenergieanlagen werden versiegelte Flächen und unvermeidbare Eingriffe in den Naturhaushalt durch realen Ausgleich oder Ersatz vor Ort kompensiert. Maßnahmen wie das Anlegen von Streuobstwiesen oder das Aufforsten von Wäldern haben zum Ziel, die ökologische Funktion des beanspruchten Raumes zu erhalten oder an anderer Stelle wiederherzustellen. Dabei sollte die Kompensation – gemäß dem Bundes- und der Landesnaturschutzgesetze – multifunktional ausgerichtet sein, damit nicht nur ein Schutzgut davon profitiert, sondern mehrere gleichzeitig.

Was getan werden kann, um die unmittelbaren Auswirkungen der Windenergienutzung auf Flora, Fauna und Landschaftsbild vor Ort auszugleichen, wird in der Regel bereits mit dem Planungsbeginn vom Vorhabenträger, Projektentwickler oder Gutachter vorgeschlagen und mit den Naturschutzbehörden abgestimmt. Über den multifunktionalen ökologischen Nutzen hinaus können Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aber auch einen sozialen und ökonomischen Mehrwert für die betroffenen Kommunen entfalten. Acht ausgewählte Praxisbeispiele aus Thüringen, die in der Broschüre vorgestellt werden, zeigen das breite Spektrum der Umsetzungsmöglichkeiten auf.

In der Gemeinde Hohenebra wurden ehemalige Scheunen zurückgebaut und ein großflächig versiegelter Bereich wieder naturnah eröffnet. Neben der ökologischen Aufwertung der Fläche, hat auch der Ort eine neu angelegte Festwiese und damit einen Platz für Dorffeste erhalten. In der Stadt Schkölen wurden im Sinne der ökologischen Siedlungsentwicklung als Ausgleich baufällige unbewohnte Häuser abgerissen und an ihrer Stelle Grünland geschaffen, das von Anwohnern gepflegt wird. Synergieeffekte entstehen auch, wenn Feuchtbiotope und Renaturierungen von Flussläufen so angelegt werden, dass sie dem lokalen Hochwasserschutz dienen. Wenn wie in der Gemeinde Mihla die Baumaßnahmen an Firmen aus der Region vergeben werden, profitiert überdies das lokale Handwerk. Maßnahmen, die auf den Erhalt des Lebensraums geschützter Arten und die Verbesserung der biologischen Vielfalt abzielen, wirken sich auch positiv auf das Landschaftsbild aus. Streuobstwiesen erhalten neue Bäume, Ackerland wird in Grünland umgewandelt, ein brachliegender Trinkwasserspeicher zu einem Fledermausquartier umgebaut – Ansätze, die auch zu einer nachhaltigen Landschaftsgestaltung und der Wiederherstellung ehemaliger Landschaftsstrukturen beitragen.

Die Darstellung der thüringischen Best Practise-Beispiele macht deutlich, dass der Erfolg von Kompensationsmaßnahmen unmittelbar mit einer guten Kommunikation zwischen Vorhabenträgern, Projektierern, Behörden und Gemeinden zu Beginn der Planungsarbeit zusammenhängt. Im besten Fall finden Vorhabenträger und die betroffene Kommune gemeinsam Flächen und Ideen für Kompensationsmaßnahmen. Diese werden in einem Vorschlagskatalog zusammengefasst und bei der zuständigen Fachbehörde eingereicht, die letztlich über die Maßnahmen entscheidet. Hilfreich für planende Kommunen ist auch der Hinweis, dass Städte und Gemeinden Vorschläge und Wünsche für potenzielle Kompensationsmaßnahmen bei den Fachbehörden einbringen können, ohne dass bereits konkrete (Windenergie)-Projekte geplant sind. Wird vorausschauend geplant, so die Kernbotschaft, kann mit wenig Geld viel geschaffen werden.

Weiterführende Informationen:

Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (2017): Unsere Besten! Acht erfolgreiche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Windenergieanlagen in Thüringen

EnergieDialog.NRW (2016): Fachbeitrag Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei Windenergievorhaben

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