Ausstellung: Die Energiewende im Ruhrgebiet gestern, heute, morgen

16. November 2017 | Kira Crome

Eine tonnenschwere Pleuelstange aus der Zeche Oberhausen erinnert an die Energieproduktion von einst. © LVR-Industriemuseum, Jürgen Hoffmann

Keine andere Region verdeutlicht den Wandel der Energieproduktion so deutlich wie das Ruhrgebiet. Wenn im Dezember 2018 die letzte deutsche Steinkohlezeche in Bottrop geschlossen wird, geht eine Ära in der Energiegeschichte zu Ende. Anlass für eine große Sonderausstellung des LVR-Industriemuseums in Oberhausen, die gerade ihre Tore geöffnet hat: Sie stellt den wechselvollen Weg vom Land der Zechen zur erneuerbaren Energielandschaft zur Schau.

25 Tonnen ist der sperrige Koloss schwer: Die zwölf Meter lange Pleuelstange ist das Prunkstück der neuen Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“, die das Rheinische Industriemuseum in der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen zeigt. Das schwere, original erhaltene Maschinenbauteil kommt aus dem stillgelegten Schacht 2 der GHH-Zeche Oberhausen. Einst war es Teil einer komplexen Konstruktion, die Pumpen in den Tiefen des Schachtes mit einer Dampfmaschine verband, um das Grubenwasser nach oben zu pumpen. Heute steht das riesige Exponat für eine Form der Energieproduktion, die bald der Vergangenheit angehört: Ende nächsten Jahres wird die letzte deutsche Steinkohlezeche, Prosper Haniel in Bottrop, geschlossen. Anlass für die Ausstellungsmacher, die wechselvolle Geschichte der Energiegewinnung zwischen Rhein und Ruhr zu zeigen und zugleich in ihre Zukunft zu blicken.

Energiewende im Plural
Wo einst Zechen und Großkraftwerke das Bild geprägt haben, sind heute Solarparks und Windenergieanlagen Landmarken einer neuen Zeit. Der Rundgang durch die Ausstellung zeigt, was ihr Titel schon andeutet: Die „eine“ Energiewende gibt es nicht. Wer auf die Geschichte der Stromerzeugung zurückblickt, entdeckt vielmehr eine Reihe von Meilensteinen, die eine Wende in der Energieproduktion eingeleitet haben. So präsentieren die Ausstellungsmacher die Energiegeschichte an Rhein und Ruhr als eine Abfolge von Umwälzungen, die damals wie heute große Folgen für die Gesellschaft und die Umwelt hatten.

Exponate auf fast 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche dokumentieren den Wandel von Wind- und Wassermühlen über die Dampfmaschine und die Elektrifizierung der privaten Haushalte bis zu einem Leitstand aus dem Kernkraftwerk Philippsburg 1 und den neuen Energieformen. Thematisiert wird auch, wie die epochemachenden Veränderungen von den Menschen aufgenommen wurden. So wird beispielsweise neben dem Deckelsegment des Reaktordruckbehälters aus dem Atomkraftwerk Würgassen die bürgerliche Protestbewegung gegen die neue Energieform dokumentiert oder neben der Schaufel eines Tagebaubaggers die Folgen für die Region und das Verschwinden ganzer Dörfer dargestellt. Die Ausstellung geht auch den Pionieren der gegenwärtigen Energiewende nach und präsentiert einige beispielhafte Lösungsansätze aus Nordrhein-Westfalen zur Nutzung regenerativer Energien. Auch der globale Aspekt der aktuellen Energiewende kommt zur Sprache. Rund um eine riesige Globus-Installation werden in kleineren Themeninseln beispielhafte Energieprojekte aus aller Welt gezeigt.

Die Ausstellungsmacher erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit, noch wollen sie Bilanz ziehen. „Wir zeigen die großen Herausforderungen, die sich mit der Energiewende stellen und wollen sie in interaktiven Installationen anschaulich machen“, sagen die Kuratoren. In spielerischen oder quizartigen Elementen geht es um aktuelle Herausforderungen der Energiewende wie zum Beispiel Zielkonflikte, Verteilungsgerechtigkeit und Rebound-Effekte. Erlebbar wird die Energiegeschichte mithilfe einer großen, begehbaren Landkarte der Rhein-Ruhr-Region.

Digital erlebbare Energielandschaft
Hier können die Besucher die Energielandschaft der Region interaktiv erforschen und sich entsprechende Landmarken wie Mühlen und Stauseen, Halden, Tagebaue, Schornsteine und Kühltürme mithilfe eines Tablets erschließen. Bereits im Vorfeld der Ausstellung wurden dazu über einen öffentlichen Wettbewerb Fotos von Relikten und Meilensteinen der Energiegeschichte in der Region gesammelt. Wer mag, kann diese Karte mit eigenen Bildern ergänzen, die zeigen, wie sich die Energielandschaft derzeit aus der ganz persönlichen Sicht verändert, und damit zur Geschichtsschreibung beitragen. Ein digitales Gästebuch am Ende der Ausstellung bietet Besuchern die Möglichkeit, ihre persönliche Vision und eigenen Ideen aufzuschreiben, wie ihr eigener Beitrag zur Energiewende aussieht und wie sie die Zukunft ihrer Region sehen.

Vielseitiges Veranstaltungsprogramm
Bis zum Oktober nächsten Jahres wird die Ausstellung geöffnet sein. Begleitet wird sie von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm. Dazu gehören Führungen, Angebote für Kinder Gesprächsrunden und Filmabende. Beim Auftakt der Filmabende zum Thema Energie am 24. November 2017 steht die Windenergienutzung im Vordergrund. Zwei Fernsehdokumentationen des ZDF dienen als thematische Einstimmung auf die anschließende Diskussionsrunde. Sie bietet eine Plattform, um mit Experten und Praktikern über die Herausforderungen der Energiewende ins Gespräch zu kommen. Mit dabei auch ein Vertreter des EnergieDialog.NRW-Teams.

Weitere Informationen: 
Energiewenden – Wendezeiten
20.10.2017 – 28.10.2018
LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg
Hansastraße 20, 46049 Oberhausen

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