Ausgezeichnet: PV-Deponieabdeckung schützt Grundwasser und liefert Strom

1. September 2017 | Kira Crome

Auf der Schwesterdeponie in Dörentrup wurde eine ähnliche Konstruktion für die Deponieabdeckung aus Solarpanelen mit Regenwasserrinnen errichtet. © Wagner Solar GmbH

Auf der Schwesterdeponie in Dörentrup wurde eine ähnliche Konstruktion für die Deponieabdeckung aus Solarpanelen mit Regenwasserrinnen errichtet. © Wagner Solar GmbH

Im Kreis Lippe erzeugt eine Kombination aus PV-Freiflächenanlage und Deponieabdeckung regenerativen Strom. Die Hybridlösung fängt zudem das Regenwasser auf und vermeidet so die aufwändige Aufbereitung des Deponiesickerwassers. Die Anlage, die im Herbst letzten Jahres ans Netz gegangen ist, wurde jüngst als Vorzeigeprojekt für die innovative Verbindung von Klimaschutz und Abfallwirtschaft ausgezeichnet.

Große PV-Freiflächenanlagen brauchen auch viel Platz. Könnte der Flächenverbrauch neben der Ökostromerzeugung auch anderen umweltschützenden Zwecken dienen? Ingenieure arbeiten an innovativen Lösungen, die neben regenerativem Strom auch noch weiteren ökologischen Mehrwert bieten. Am Bodensee haben Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) eine Pilot-Agrophotovoltaikanlage errichtet. Sie steht auf Stelzen und liefert doppelt Ernte: Die Fläche unter den Solarpanelen wird von Biobauer Thomas Schmid bewirtschaftet. Im westfälischen Detmold fungiert ein Freiflächensonnenkraftwerk als Abdeckung einer stillgelegten Mülldeponie. Das Besondere: Die Anlage erzeugt für mehr als 800 Haushalte regenerativen Strom. Das Dach aus Solarpanelen ist zudem so konstruiert, dass das Regenwasser aufgefangen und abgeleitet wird. Damit muss es nicht mehr aufwändig und kostenintensiv als Deponiesickerwasser gereinigt werden.

Stillgelegte Deponien müssen nach gesetzlichen Vorschriften in der Nachsorge für weitere Nutzungen gesichert werden. Vielfach werden die Flächen zum Beispiel als Freizeit- und Erholungsgelände genutzt. Sie eigenen sich aber auch als Standorte für PV-Freiflächenanlagen. Zum Schutz der ehemaligen Mülldeponie Hellsiek in Detmold wurden 37.00 Solarpanele, 111 Wechselrichter und 66.000 Quadratmeter Trapezblech auf einer Fläche von gut acht Fußballfeldern verbaut. Eine technische Herausforderung: Denn die tragende Unterkonstruktion muss die Setzungen der Deponiemasse, die in den nächsten Jahren zu erwarten sind, auffangen. Das Regenwasser muss so gesammelt werden, dass auf die ansonsten erforderliche Folienabdeckung des Deponiekörpers unter den Panelen verzichtet werden kann.

Die Anlage, die bereits im letzten Herbst ans Netz gegangen ist, vereint Grundwasserschutz und regenerative Stromerzeugung in einem. Dafür ist das Vorzeigeprojekt in diesem Jahr mit dem Intersolar-Award als innovative Kombination aus Abfallwirtschaft und Klimaschutz ausgezeichnet worden. Rund neun Millionen Euro investierte der Kreis Lippe in die Anlage. Sie ist von einem Unternehmen, bei dem der Kreis und seine Kommunen Gesellschafter sind, errichtet worden und wird von dieser auch betrieben. Weiterer Partner sind die Stadtwerke Detmold.

Das Projekt sei in dieser Form modellhaft, sagten die Gesellschafter bei der Inbetriebnahme der Anlage. „In Lippe gehen wir neue Wege, wenn es um Klimaschutz geht“, erklärte Landrat Axel Lehmann. „Das gelingt nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, und das ist uns hier definitiv gelungen.“

Im nahen Dörentrup ist auf der Schwesterdeponie bereits 2011 eine ähnlich konzipierte PV-Freiflächenanlage entstanden, die 2013 noch einmal erweitert worden ist. Beide Deponien gemeinsam werden nach Angaben des Kreises Lippe zusammen 12 Millionen Kilowattstunden im Jahr produzieren. Damit können rund 2.500 Haushalte versorgt und mehr als 7.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Die Synergieeffekte kommen laut Bürgermeister Friedrich Ehlert nicht nur der Umwelt, sondern auch den Bürgern durch günstigere Abfallgebühren zu Gute. Die Einspeisung des Stroms und die Verpachtung des Deponiegeländes brächten zusätzliche Einnahmen.

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