Ausbaustand der Windenergienutzung im Wald in NRW

12. August 2016 | Kira Crome

© Dieter Schütz/pixelio.de

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Die Fachagentur Windenergie an Land hat einen umfassenden Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Ausbaustand der Windenergie in deutschen Wäldern veröffentlicht. Demnach wurden in Nordrhein-Westfalen in den letzten fünf Jahren 62 Megawatt Windenergieleistung auf Waldflächen zugebaut. Im Vergleich der Länder, die Windenergie im Wald zulassen, verzeichnet Nordrhein-Westfalen damit den geringsten Ausbau im Wald vor dem Saarland.

Im Reichswald sollen entlang des Kartenspielerwegs zwölf Groß-Windenergieanlagen errichtet werden. Entsprechende Konzentrationsflächen plant die niederrheinische Gemeinde Kranenburg auf Ebene der Flächennutzungsplanung. Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren für das Projekt. Eine Bürgerinitiative ist gegen das Vorhaben. Sie fürchtet um den Erhalt des Ökosystems und die nachhaltige Störung von Wildtieren durch die Windenergieanlagen. Die Öffnung der Wälder für die Windenergienutzung ist ein viel diskutiertes Thema. Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands, 11,4 Millionen Hektar, ist mit Wald bedeckt. 910.000 Hektar davon stehen in Nordrhein-Westfalen, das zu den sieben Bundesländern gehört, die den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen im Wald zulassen. Windreiche Höhenlagen und sturmgeschädigte Nutzforstflächen sind interessante Standorte für die Windenergienutzung. Befürworter halten sie angesichts der Energiewendeziele für erforderlich, Gegner verweisen auf Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz.

Während Untersuchungen zur Windenergie im Wald den aktuellen Kenntnisstand zu den Auswirkungen der Windenergienutzung auf das Ökosystem zusammentragen und weiteren wissenschaftlichen Forschungsbedarf identifizieren, hat die Fachagentur Windenergie an Land den aktuellen Ausbaustand der Windenergie in deutschen Wäldern erhoben, um die Entwicklungslinien Entwicklungstendenzen in diesem Bereich zu verdeutlichen. Demnach standen Ende 2015 bundesweit 1.165 Windenergieanlagen auf Waldflächen. Das sind knapp 5 Prozent des gesamten Anlagenbestandes.

Ausbau der Windenergie im Wald im Vergleich

Drei Viertel der Anlagen im Wald wurde zwischen 2010 und 2015 errichtet. Insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland zeichnet sich dieser Trend deutlich ab. Eine Entwicklung, die nach den Erhebungen der Fachagentur Windenergie an Land auch für Nordrhein-Westfalen gilt: Aktuell stehen hierzulande 43 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 90 Megawatt auf Waldflächen. Knapp die Hälfte der neu zugebauten Anlagen an Standorten im Wald kam nach dem Jahr 2010 hinzu. Im Vergleich der Länder, die Windenergie im Wald zulassen, verlief der Ausbau im Wald auf eher niedrigem Niveau: Am Gesamtbestand der Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen hatten Ende 2015 Waldstandorte einen Anteil von 1,4 Prozent. Der Zubau-Anteil 2015 im Wald lag bei lediglich 0,6 Prozent der Neuanlagen in NRW.

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz steht jeweils ein Viertel des Anlagenparks auf Waldstandorten. In Bayern und Hessen befindet sich jede fünfte Anlage im Wald. Ende 2015 gab es die meisten Windräder im Wald in Rheinland-Pfalz, nämlich 350 der bundesweit 1.200 Anlagen. An zweiter Stelle folgt Brandenburg mit 240 Anlagen. In bayerischen Wäldern waren es Ende letzten Jahres 190 Windturbinen, in Hessen 180 Anlagen. Den zahlenmäßig stärksten Zuwachs innerhalb eines Jahres gab es 2015, als 282 Neuanlagen auf Waldflächen ans Netz gingen.

Neu errichtete Windenergieanlagen in deutschen Wäldern (2010-2015) © FA Wind

Neu errichtete Windenergieanlagen in deutschen Wäldern (2010-2015) © FA Wind

Überblick über landespolitische und planerische Vorgaben
Die Studie bietet zudem einen Überblick über die Vorgaben der Landesraumordnung sowie Empfehlungen der verschiedenen Bundesländer für die Planung auf Waldstandorten. Vorgaben der Länder, in denen die Windenergienutzung auf Waldflächen bislang nicht zulässig ist, werden ebenfalls kurz dargestellt. In Nordrhein-Westfalen wird die Nutzung des Waldes für die Windenergie durch den Windenergieerlass konkretisiert und entsprechende Flächen kategorisiert. Als erstes Bundesland hat Nordrhein-Westfalen 2012 für die planerische Umsetzung einen gesonderten Leitfaden Wind im Wald herausgebracht. Der Leitfaden behandelt alle Fragen von technischen Voraussetzungen, Ansprüchen aus dem Bundeswaldgesetz, Kriterien für die Einzelfallprüfung und Ausgleichsmaßnahmen bis hin zu regionalen Betreibermodellen – also den gesamten Ablauf von der Ausweisung von Konzentrationszonen bis hin zum Betrieb der Anlagen.

Indessen ist in Brandenburg eine Volksinitiative gescheitert, die von der Landesregierung gefordert hat, die brandenburgischen Waldflächen von der Windenergienutzung komplett auszuschließen. Die Initiative hatte bis zum Ende der sechsmonatigen Eintragungsfrist Anfang Juli nur etwas über die Hälfte der erforderlichen 80.000 Unterschriften erhalten.

Fachagentur Windenergie an Land (2016): Entwicklung der Windenergie im Wald – Ausbau, planerische Vorgaben und Empfehlungen für Windenergiestandorte auf Waldflächen in den Bundesländern

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