Aus der Praxis: Workshops zur Bürgerbeteiligung

30. August 2018 | Tomke Lisa Menger

Im World-Café versetzten sich die Teilnehmer in die Rollen der Zielgruppen von Beteiligungsverfahren.

Im World-Café versetzten sich die Teilnehmer in die Rollen der Zielgruppen von Beteiligungsverfahren.

Bereits zum zweiten Mal erarbeiteten die Teilnehmer des Workshops „Die Energiewende vor Ort: Wie, wann, warum die Öffentlichkeit beteiligen?“ Mitte Juli 2018 Ansätze für eine gelungene Verzahnung von informeller und formeller Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen von Erneuerbare-Energien-Projekten. Der erste Workshop unter gleichem Titel im Februar 2018 stieß bei den Teilnehmern auf durchweg positive Resonanz, sodass der EnergieDialog.NRW die Veranstaltung noch einmal wiederholte. Die Themen Transparenz, Frühzeitigkeit, das Anerkennen verschiedener Interessen und die Auswahl passender Formate erwiesen sich in beiden Workshops als besonders relevant.

Das Unperfekthaus in Essen bot diesmal eine ganz besondere Atmosphäre, die es ermöglichte, auch einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Unter den Teilnehmern waren bei beiden Workshops Vertreter aus Kommunen, Unternehmen, Verbänden und der Wissenschaft. Der Workshop bestand sowohl aus interaktiven als auch aus informativen Elementen. Nach einem kurzen Einführungsvortrag zu den allgemeinen Grundlagen der Bürgerbeteiligung, erarbeiteten sich die Teilnehmer die Perspektiven windenergiekritischer Bürgerinitiativen, nicht-organisierter Bürger und der Naturschutzverbände auf den Beteiligungsprozess. Dazu versetzten sich die Teilnehmer in einem World-Café in die Rolle ihrer Zielgruppen. An einem fiktiven Szenario zur Ausweisung von Windkonzentrationszonen wurde so deutlich, dass allen Gruppen vor allem eines wichtig sein dürfte: ein transparenter Beteiligungsprozess. Damit kamen sie zu ähnlichen Ergebnissen wie die Teilnehmer des ersten Workshops im Februar 2018.

Am Nachmittag konnte ein Referent mit langjähriger Erfahrung in der Beteiligungspraxis konkrete Hinweise zur Umsetzung von Beteiligungsmaßnahmen geben: Dr. Frank Claus, Mitbegründer des Beteiligungsdienstleisters IKU_DIE DIALOGGESTALTER. Er erläuterte die Grundlagen guter Bürgerbeteiligung im Rahmen der Energiewende, die Verzahnung informeller und formeller Verfahren und illustrierte dies mit Beispielen aus seiner langjährigen Arbeit. Zum Abschluss hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, offen gebliebene Fragen und Problemstellungen gemeinsam mit Herrn Dr. Claus zu diskutieren. So waren sie schließlich für ihre tägliche Arbeit gerüstet.

Der Workshop „Die Energiewende vor Ort“ ist ein Beispiel, wie der EnergieDialog.NRW Wissen um die Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern in Planungsentscheidungen der Energiewende verbreitet und deren Umsetzung fördert. Ein weiteres Instrument sind Veröffentlichungen zu diesem Thema wie der Aufbau einer Methodensammlung zur Bürgerbeteiligung bei der Energiewende. Während es in dem Workshop und den Veröffentlichungen darum geht, Grundlagen der Partizipation zu vermitteln, können in einer gezielten Erstberatung vor Ort Ansätze zur Bürgerbeteiligung erarbeitet werden, die zu den lokalen Gegebenheiten passen. Denn ein methodisches Allheilmittel, das bei jedem Vorhaben angewandt werden kann, gibt es nicht. Für jede Situation muss ein passendes Beteiligungskonzept erarbeitet werden.

Gerade bei Erneuerbare-Energien-Projekten ist es wichtig, die Öffentlichkeit über das vorgeschriebene Maß hinaus zu beteiligen. Denn jedes einzelne Projekt verändert das Lebensumfeld der Menschen. Zwar sind in den meisten Planverfahren Beteiligungsmöglichkeiten gesetzlich vorgeschrieben. Diese finden jedoch meist erst zu einem sehr späten Zeitpunkt des Verfahrens statt. Wird die Öffentlichkeit dagegen schon früh informiert und die Möglichkeit zur Beteiligung geschaffen, kann dies dazu beitragen, dass Planungsentscheidungen verbessert und Konflikte gemindert werden. Diese Zusammenhänge soll der Workshop vermitteln und die Teilnehmer dazu motivieren und befähigen, Beteiligungsprozesse bei der Energiewende so zu gestalten, dass alle Perspektiven früh wahrgenommen werden. „Ich bin froh, dass ich auf diesen Workshop aufmerksam wurde“, berichtet eine Teilnehmerin. „So habe ich viele hilfreiche Hinweise für unser anstehendes Beteiligungsverfahren erhalten.“