Auf einen Blick: Wo Bürgerbeteiligung und Klimaschutz gut gelungen sind

1. August 2017 | Kira Crome

© Fachagentur Windenergie an Land e.V.

© Fachagentur Windenergie an Land e.V.

Best Practice-Beispiele stehen für Lösungen, die vorbildlich gelungen sind. Beim Ausbau Erneuerbarer Energien sollen solche Vorzeigeprojekte Nachahmern Mut machen, innovative oder bewährte Wege zu gehen. Verschiedene Online-Datenbanken stellen Kommunen und Projekte vor, die mit guter Bürgerbeteiligung und praktischem Klimaschutz Schule machen.

In Emsdetten im Kreis Steinfurt drehen sich im Ortsteil Veltrup 21 Windenergieenergieanlagen. Acht davon sind vor zwei Jahren hinzugekommen. Der Ausbau wurde von einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung mit Bürgerversammlungen, Infobriefen, Pressearbeit und der Einrichtung einer Projekt-Website begleitet. Stadtverwaltung und Betreiber klärten während der Planung mithilfe einer Mediation strittige Fragen und konnten somit das nachfolgende Genehmigungsverfahren entlasten. Mit Anlagenbesichtigungen und Informationsveranstaltungen warb der Betreiber bei Anwohnern und Flächengebern für Vertrauen.

Good Practices: Beteiligungen bei Windenergieprojekten

Ein erfolgreiches Vorgehen, meint die Fachagentur Windenergie an Land und hat den Ausbau des Emsdettener Windparks als Fallbeispiel gelungener Beteiligungspraxis in ihre jüngst gestartete Online-Datenbank für gelungene Beteiligungen bei Windenergieprojekten aufgenommen. Auch in Sachen finanzieller Beteiligung konnte das Projekt punkten: In vier der acht Neuanlagen konnten die Bürger der Region mit einem Mindestbetrag von 2.000 Euro investieren. 115 private Investoren steuerten so über zwei Millionen Euro zur Finanzierung des Windparks bei. Landwirte und andere regionale Privatinvestoren zeichneten Kommanditanteile über etwas mehr als zweieinhalb Millionen Euro. Fünf Prozent Dividende erhalten die privaten Bürgerwindpark-Anleger in diesem Jahr, trotz mittelmäßiger Windverhältnisse in 2016.

Der Emsdettener Bürgerwindpark ist das erste nordrhein-westfälische Fallbeispiel, das in dem Good Practise-Atlas verzeichnet ist. Darin werden auf einer interaktiven Karte Windenergieprojekte, die beispielhaft bei der Planungs- und Finanzierungsbeteiligung vorgegangen sind, geografisch verortet. Zu jedem Projekt werden die Fakten und Kennzahlen zu Vorhaben, Verfahren und angewendete Methoden steckbriefartig vorgestellt und beschrieben. Über eine Filterfunktion lassen sich gelungene Projekte nach Bundesland, Art der Flächen, Projektstatus, Art der Planungsbeteiligung und finanziellen Teilhabeform suchen. Im April online gegangen, listet die Datenbank noch wenig weitere Einträge aus ganz Deutschland. Die Sammlung guter Beispiele wird kontinuierlich ausgebaut. Wer sein Vorhaben eintragen lassen will, meldet sich mit einem Erfassungsbogen an die Fachagentur Windenergie an Land.

NRW: Bürgerenergie.Atlas
Jüngst online gegangen ist auch der Bürgerenergie.Atlas der EnergieAgentur.NRW. Auf Nordrhein-Westfalen beschränkt, werden in der Online-Datenbank alle Formen der finanziellen Bürgerbeteiligung an Erneuerbare Energie-Projekten verzeichnet. Geografisch auf einer interaktiven Karte verortet, lassen sich zu jedem Projektstandort alle relevanten Eckdaten zur gewählten Finanzierungsform, Ansprechpartner und weiterführenden Informationen abrufen. Aktuell sind 321 nordrhein-westfälische Projekte eingetragen, an denen Bürger finanziell beteiligt sind. Aufgenommen werden solche Finanzierungsformen, die für möglichst viele private Investoren offen stehen. Indikator dafür ist etwa eine Mindestbeteiligung von weniger als 5.000 Euro. Auch der Grad der Einflussnahme, die den Bürgern mit ihrer Beteiligung eingeräumt wird, ist ein Kriterium. Drittes Merkmal ist die regionale Verankerung.

Die Projektarten reichen von der Stromerzeugung über Wärme und Kraft-Wärme-Kopplung bis zur Stadtwerkebeteiligung. Die gegenwärtig 86 gelisteten Windenergieprojekte bilden das ganze Spektrum der Bürgerenergie ab: 15 Genossenschaften, 55 GmbH & Co. KGs, 4 GmbHs, eine GbR und zehn reine finanzielle Beteiligungen. Eine Suchfunktion ermöglicht die gezielte Suche nach Standorten, Projektart, Rechtsform und Beteiligungsform. Ziel des Datenbankangebots ist es, Lösungen für die Bürgerenergie sichtbar zu machen, Informationsquellen zu bündeln und den Kontakt zu Ratgebern zu vereinfachen.

Kommunalatlas: Energie-Kommunen in Deutschland
Nicht in Problemen denken, sondern Lösungen finden – das müssen auch Städte und Gemeinden, wenn sie sich Klimaschutz und den Ausbau Erneuerbarer Energien auf die Fahnen schreiben. Welche Kommunen ihre Handlungsmöglichkeiten angesichts angespannter Haushaltslage kreativ und innovativ ausschöpfen, dokumentiert der Kommunalatlas der Agentur für Erneuerbare Energien. Die interaktive Online-Datenbank liefert mit wenigen Klicks Informationen über solche Kommunen, die Vorreiter in Sachen lokaler Energiewende sind. Monatlich zeichnet die Agentur für Erneuerbare Energien eine vorbildliche „Energie-Kommune“ aus, deren Vorgehen beispielhaft ist – von der Entwicklung innovativer Energiekonzepte zur regenerativen Strom- und Wärmeversorgung und zur Sektorenkopplung, über die Beteiligung der Bürger vor Ort bis zur Verfolgung langfristiger Klimaschutzstrategien. Zuletzt wurde die nordrhein-westfälische Stadt Warstein im Mai 2017 für ihr beispielhaftes Engagement für den Ausbau von Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ausgezeichnet. Alle ausgezeichneten Energie-Kommunen sind auf einer Karte verzeichnet. Projektinfos und ein längeres Portrait liefern Einzelheiten.

KommEN: Kommunale Energie NRW
Welche Kommunen in Nordrhein-Westfalen sich bei den Themen Energieeffizienz, Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energien beispielhaft engagieren und gute Lösungsansätze verfolgen, zeigt die bereits seit vielen Jahren etablierte Online-Datenbank Kommunale Energie NRW der EnergieAgentur.NRW auf. Mehr als 500 Städte und Gemeinden, zum Teil auch aus anderen Bundesländern, sind in der Datenbank alphabetisch sortiert gelistet. Neuester Eintrag ist die Stadt Siegburg, die ihren Bürgern ein kommunales Lastenfahrrad zum klimafreundlichen Transport von schweren oder sperrigen Gütern kostenlos anbietet.

Die Aufnahme von guten Beispielen erfolgt nach den Kriterien des European Energy Awards, einem Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren. Es unterstützt seit mehr als 10 Jahren Kommunen auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz. Die Maßnahmenbereiche, in denen Städte und Gemeinden mit innovativen Konzepten stark machen, reichen von Entwicklungsplanung, Effizienz und Ressourcenmanagement über Versorgung und Mobilität bis zu Prozess- und Steuerungsinstrumenten.

Online Datenbanken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.