Artenschutz und Windenergie: Studie trägt aktuellen Wissensstand zu Vermeidungsmaßnahmen zusammen

21. Dezember 2015 | Kira Crome

 © Uschi Dreiucker/pixelio.de

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Welche Vermeidungsmaßnahmen tragen dazu bei, die Windenergienutzung mit dem Schutz von Vögeln und Fledermäusen besser zu vereinbaren? Die Fachagentur Windenergie an Land hat gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin und der Universität Münster den aktuellen nationalen und internationalen Wissensstand zum Thema aus Praxis, Forschung und Rechtsprechung zusammengetragen. Die Übersicht über die bestehenden Ansätze zur Harmonisierung von Artenschutz und Windenergie ist ein hilfreicher Beitrag zur fachlichen Diskussion.

Die Planung neuer Windenergieanlagen und die Anforderungen des Artenschutzes können in einem Zielkonflikt stehen, wenn zum Beispiel ein windhöffiger Standort den Lebensraum einer geschützten Tierart berührt. Mit dem fortschreitenden Ausbau der Windenergienutzung nehmen zugleich die konfliktfreien oder weniger konfliktträchtigen Räume ab. Für die Windenergieplanung wächst damit die Herausforderung, die Ausbauziele zum Schutze des Klimas mit den Artenschutzinteressen vor Ort in Einklang zu bringen. Ein Mittel, um die Windenergienutzung in Gebieten, in denen gefährdete Vogel- und Fledermausarten vorkommen, mit den Anforderungen des Artenschutzes zu vereinbaren, sind sogenannte Vermeidungsmaßnahmen. Sie sorgen dafür, die Risiken für die betroffenen Arten durch den Windenergieanlagenbetrieb möglichst gering zu halten. Sie tragen damit dazu bei, Verbotstatbeständen des Bundesnaturschutzgesetzes entgegenzuwirken und eine rechtssichere Umsetzung von Windenergieprojekten zu ermöglichen.

Welche Maßnahmen vereinbaren Artenschutz mit Windenergie?
Die Palette der möglichen Vermeidungsmaßnahmen für sogenannte windenergiesensible Vogel- und Fledermausarten ist breit. Sie reicht von der kleinräumigen Optimierung der Anlagenstandorte in der Landschaft über die Anpassung der Anlageneigenschaften und der Betriebsführung bis zu einer artentsprechenden Gestaltung des unmittelbaren Anlagenumfeldes, um Tiere wegzulocken. Welche Vermeidungsmaßnahmen unter welchen örtlichen Voraussetzungen und gegebenen landesspezifischen regulatorischen Rahmenbedingungen umsetzbar und wirksam sind, ist Gegenstand fachlicher Diskussion.

Die Fachagentur Windenergie an Land hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und dem Institut für Umwelt- und Planungsrecht der Universität Münster einen Katalog aller in der naturschutzfachlichen und rechtswissenschaftlichen Literatur diskutierten Vermeidungsmaßnahmen unter Berücksichtigung internationaler Veröffentlichungen zusammengestellt. Ausgewertet wurden außerdem Handreichungen der Bundesländer wie Artenschutzleitfäden und Erlasse.

Systematisierung schafft Transparenz

Die Anwendbarkeit in der Praxis wurde stichprobenartig in Interviews mit Vertreten von Naturschutzbehörden und Trägern der Regionalplanung, die einen Einblick in die Planungs- und Zulassungspraxis haben, abgefragt. Ergänzend kommen relevante Betrachtungen aus der Rechtsprechung hinzu. Mit dieser Zusammenstellung soll Wissen aus der Fachliteratur gezielt der Praxis verfügbar gemacht werden.

„Dieser systematischer Überblick über bestehende Ansätze zur Vermeidung von artenschutzrechtlichen Konflikten, der darüber hinaus bestehende Unsicherheiten und Untersuchungsbedarfe aufzeigt, ist ein hilfreicher Beitrag für die fachliche Weiterentwicklung des Themas“, sagt Sascha Schulz vom EnergieDialog.NRW der EnergieAgentur.NRW. „Der Katalog bündelt das vorhandene Wissen und bezieht auch internationale Erfahrungen mit ein.“
Einzelfallprüfung notwendig

Die einzelnen Maßnahmen werden im Katalog steckbriefartig erläutert. Die Autoren weisen darauf hin, dass aus der Bewertung durch Experten und der Literaturanalyse keine abstrakte rechtliche Bewertung einer Maßnahme abgeleitet werden können. „Ebenso kann, neben der Beurteilung der fachlichen Notwendigkeit einer Vermeidung, die Wirksamkeitsprognose für eine Maßnahme nur im planungsspezifischen Einzelfall vorgenommen werden“, heißt es.

NRW-Leitfaden zum Artenschutz gibt konkrete Vorgaben
Für die praktische Arbeit und die Frage, welche Vermeidungsmaßnahme sich im Einzelfall empfiehlt, haben die jeweiligen Landesvorgaben den größten Stellenwert. In Nordrhein-Westfalen ist das der Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in NRW, der eine standardisierte und rechtssichere Planung möglich macht. Er legt dar, auf welche Weise Belange des Artenschutzes bei der Windenergieplanung zu berücksichtigen sind. Näheres erläutert auch der Fachartikel Artenschutz bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen.

TU Berlin, FA Wind & WWU Münster (2015): Vermeidungsmaßnahmen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen – Bundesweiter Katalog von Maßnahmen zur Verhinderung des Eintritts von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen nach § 44 BNatSchG

Sehen Sie auch unser neues Video „Windenergieanlagen: Wie wird ein Gutachten zum Artenschutz erstellt?“

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