Alte Substanz trifft auf neue Energie – Beeinträchtigen Solaranlagen Denkmäler?

1. Oktober 2018 | Tomke Lisa Menger

Bei blauem Himmel könnte man viel Sonnenenergie ernten. Aber vertragen sich Solaranlagen mit historischen Stadtbildern? © falco/pixabay

Bei blauem Himmel könnte man viel Sonnenenergie ernten. Aber vertragen sich Solaranlagen mit historischen Stadtbildern? © falco/pixabay

Können auch denkmalgeschützte Häuser die Kraft der Sonne nutzen? Und beeinträchtigen Photovoltaik-Freiflächenanlagen nahestehende Denkmäler? Solaranlagen auf dem Dach stellen meist einen Eingriff in die Substanz des Gebäudes oder deren optische Wirkung dar. Im folgenden Artikel werden die Problematik des Zusammenspiels von Denkmalschutz und Nutzung der Sonnenenergie sowie mögliche Lösungsansätze vorgestellt.

Fachbeitrag von Tomke Lisa Menger, EnergieAgentur.NRW

Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden müssen durch die Untere Denkmalschutzbehörde genehmigt werden. Oft treten hier Probleme auf. Allerdings gibt es Lösungsansätze, die einen Eingriff in die Denkmalsubstanz minimieren können. Auch wenn diese keine Garantie für eine Genehmigung darstellen, so können sie ein Anknüpfungspunkt für den Dialog mit der Behörde sein. Bei großen Photovoltaik-Freiflächenanlagen muss dagegen auf deren optische Wirkung auf benachbarte Denkmäler geachtet werden.

In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 80.000 Baudenkmäler (Quelle: Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW). Gerade wenn die Gebäude dauerhaft genutzt werden, bietet sich neben einer Netzeinspeisung des Solarstroms auch eine Eigenversorgung mit Strom und/oder Wärme aus Solarenergie an. Da verschiedene Akteure Baudenkmäler besitzen, ist dieses Thema sowohl für Gemeinden als auch für Unternehmen, Vereine und Privatpersonen interessant.

Photovoltaik-Anlagen, die auf freier Fläche errichtet werden, bilden zwar nur eine geringe Anzahl der in Deutschland installierten Solaranlagen, jedoch werden jedes Jahr bundesweit einige neue Anlagen hinzugebaut. Somit ist nicht auszuschließen, dass solche Freiflächenanlagen auch in der Nähe von denkmalgeschützten Orten und Objekten geplant werden.

In beiden Fällen ist es jedoch schwierig, den Denkmalschutz und die Erzeugung grünen Stroms und grüner Wärme in Einklang zu bringen. Die möglichen Konfliktkonstellationen werden im Folgenden beleuchtet.

Eingriff in die Substanz und den Anblick der Denkmäler
Das Denkmalschutzgesetz NRW (DSchG NRW) stellt Objekte, an denen ein besonderes öffentliches Interesse besteht, weil sie „für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse“ bedeutend sind, unter einen besonderen Schutz. Erhaltung und Nutzung eines Denkmals sind aus künstlerischen, wissenschaftlichen, volkskundlichen oder städtebaulichen Gründen wichtig. Es können auch nur Teile, z. B. Dächer oder Fassaden, denkmalgeschützt sein. Unterschieden wird meistens zwischen Bau- und Bodendenkmälern sowie Denkmalbereichen. Zudem können auch bewegliche Objekte, z. B. Kunstwerke, unter Denkmalschutz stehen. Baudenkmäler sind Gebäude und Teile von Gebäuden sowie Garten-, Friedhofs- und Parkanlagen. Unter Bodendenkmälern versteht man vor allem archäologische Fundstellen samt der gefundenen Objekte. In Denkmalbereichen hingegen muss nicht jedes Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Schutzwürdig sind beispielsweise bestimmte Stadtviertel aufgrund ihrer Bedeutung als Gesamtwerk (§ 2 DSchG NRW).

Für die vom Bundesnaturschutzgesetz § 28 geschützten Naturdenkmäler gilt ähnliches, allerdings wiegt der Konflikt meist nicht ganz so schwer, denn hier sind vor allem die Beseitigung, Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals verboten. Sie werden in diesem Beitrag nicht gesondert behandelt.

Die Eigentümer der (Kultur-) Denkmäler müssen für deren Erhaltung und ihre angemessene Nutzung sorgen (§ 7 Absatz 1, § 8 Absatz 1, DSchG NRW). Jedoch muss eine Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde (angesiedelt bei den Städten und Gemeinden) eingeholt werden, wenn man Baudenkmäler „beseitigen, verändern, an einen anderen Ort verbringen oder die bisherige Nutzung ändern will“ oder in seiner engeren Umgebung „Anlagen errichten, verändern oder beseitigen will, wenn hierdurch das Erscheinungsbild des Denkmals beeinträchtigt wird“ (§ 9 DSchG NRW). Es heißt weiter: „Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn a) Gründe des Denkmalschutzes nicht entgegenstehen oder b) ein überwiegendes öffentliches Interesse die Maßnahme verlangt“ (§ 9 Absatz 2 DSchG NRW). Ob der Klimaschutz durch die Erzeugung von Strom bzw. Wärme aus Solarenergie ein derartiges öffentliches Interesse darstellt und deswegen eine Genehmigung erteilt werden muss, ist umstritten. Oft wird argumentiert, dass der Klimaschutz im Gegensatz zum Denkmalschutz auch an anderen Orten und durch andere Maßnahmen erfolgen kann.

Anders als bei Denkmälern ist bei Denkmalbereichen zwar nicht die Erhaltung der Substanz des Denkmals, sondern der Schutz des Erscheinungsbildes das Ziel. Doch dies bedeutet ebenfalls eine Genehmigungspflicht für Änderungen, die dieses Erscheinungsbild betreffen. Dazu gehört auch die Installation von Solaranlagen.

Was könnte eine Solaranlage genehmigungsfähig machen?
Es gibt verschiedene Ansätze, den Eingriff der Solaranlage in die Denkmalsubstanz zu minimieren. Eine Möglichkeit, einen Konflikt mit dem Denkmalschutz zu umgehen, ist, die Solaranlage auf eventuell vorhandenen, nicht denkmalgeschützten Nebengebäuden zu installieren. Dabei gilt natürlich ebenfalls, dass das Denkmal optisch nicht beeinträchtigt werden darf. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht, geht es darum, die Anlage stattdessen optisch möglichst gut in das Erscheinungsbild des Denkmals zu integrieren. Dies kann auf mehrere Weisen geschehen. Im Gegensatz zu einem roten Dach, ist ein dunkles Dach gut dafür geeignet, die Solaranlage visuell „verschwinden“ zu lassen. Die Module sollten sich an geometrischen Linien, also vor allem an der Dachkante und eventuell vorhandenen Dachgauben, orientieren. Besonders eine „Sägezahn-Optik“ (das versetzte Anbringen der Module, sodass eine Zickzack-Linie entsteht) sollte vermieden werden. Zudem sollten die Module möglichst Rahmen in der gleichen Farbe wie die Module und das Dach oder gar keine Rahmen besitzen und mit Hilfe von unauffälligen Befestigungen angebracht werden. Die Module müssen außerdem so schonend angebracht werden, dass sie ohne zurückbleibende Schäden oder Spuren wieder abmontiert werden können (Rückbaubarkeit).

Sägezahnoptik: Zwar ist hier die Farbe der Solaranlage an die des Daches angepasst, doch zackige Kanten und helle Rahmen sollten bei Baudenkmälern vermieden werden. © P-association/pixabay

Sägezahnoptik: Zwar ist hier die Farbe der Solaranlage an die des Daches angepasst, doch zackige Kanten und helle Rahmen sollten bei Baudenkmälern vermieden werden. © P-association/pixabay

Eine weitere Möglichkeit – auch in Kombination mit der optischen Einpassung – ist die Installation der Solaranlage auf einem „versteckten“ (nicht einsehbaren) Teil des Daches. Dies kann sich jedoch schwierig gestalten. Das Dach sollte nämlich auch nicht von höher gelegenen Lagen, vor allem von Aussichtspunkten, einsehbar sein. Gleichzeitig muss es die zur Energieernte nötige Ausrichtung (südlich oder auch nach Osten oder Westen) besitzen und darf nicht durch Vegetation, andere Gebäude etc. verschattet werden. Für zu Denkmalbereichen gehörende Gebäude gelten ähnliche Hinweise. Hier kommt es darauf an, die Solaranlage so zu gestalten und zu „verstecken“, dass sie den geschützten Gesamtanblick nicht stört.

Wenn eine PV-Freiflächenanlage in der Nähe eines Denkmals aufgestellt werden soll, sind die Dinge etwas anders gelagert. Dann geht es vor allem darum, eine Fläche zu finden, die das Denkmal optisch nicht beeinträchtigt. An der Anlage selbst lässt sich kaum etwas verändern. In einigen Fällen kann es jedoch möglich sein, die Fläche so zuzuschneiden, dass keine Blickachsen mehr bestehen. Um durch das EEG eine Einspeisevergütung zu erhalten, muss für die Fläche, auf der die PV-Anlage errichtet werden soll, ein entsprechender Bebauungsplan der Gemeinde vorliegen oder ein Plangenehmigungs- oder Planfeststellungsverfahren durchgeführt worden sein. Bei Anlagen größer 750 kWp muss an der bundesweit stattfindenden Ausschreibung teilgenommen werden. Zudem muss für die Errichtung einer Freiflächenanlage eine Baugenehmigung eingeholt werden. Sowohl in den Plan- als auch im Genehmigungsverfahren müssen Denkmalschutzbelange beachtet werden.

Generell gilt: Je früher die Denkmalbehörde eingebunden wird, desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Innovationen mindern Konflikt mit dem Denkmalschutz
Hatten Photovoltaik-Module früher alle die gleiche, rechteckige Form, bieten mehrere Hersteller mittlerweile auch PV- und Solarthermie-Module in Form von Dachziegeln an. Da sie die kleinteilige Dachstruktur erhalten, sind diese Dachziegel besonders gut geeignet, um Dächer von Denkmälern mit Solaranlagen auszustatten. Sie sind zudem in verschiedenen Farben erhältlich und können so beispielsweise Schieferdächer oder Biberschwanz-Schindeln gut nachahmen. Muss das Dach sowieso erneuert werden, lohnt es sich, über den Einsatz von Solarziegeln nachzudenken. Denn: Originalsubstanz des Daches ist dann nicht mehr vorhanden bzw. geht nicht verloren und der optische Eindruck bleibt erhalten.

Manchmal reicht es auch schon, normale PV-Module farblich dem Gebäude anzupassen, um sie optisch unauffällig zu machen. Das Fraunhofer ISE testet derzeit eine Beschichtung, mit der sich Leistungsverluste verringern lassen, die aufgrund der Tönung von PV-Modulen entstehen.

Bevor jedoch eine teure Innovation angeschafft wird, sollte auch hier das Gespräch mit der Denkmalbehörde gesucht werden.

Spezialfall Kirchendächer
Kirchen scheinen sich besonders für Solaranlagen anzubieten, da sie oft hoch aufragen, meist eine südlich ausgerichtete und zudem große Dachfläche besitzen. Allerdings ist schon allein aufgrund der Statik, Zugänglichkeit und des Brandschutzes des Kirchendachs die Installation einer Photovoltaik-Anlage oft schwierig. Viele Kirchen sind zudem denkmalgeschützt, womit die gleichen Konflikte wie bei anderen Denkmälern auftreten. Die meist exponierte Lage der Kirche und insbesondere ihres Daches erschweren die Lösungsfindung. Obwohl es sicherlich einige Gemeinden gibt, die ihre christliche Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung gerne für jeden sichtbar ausüben möchten, ist in den meisten Fällen die Errichtung von Solaranlagen auf Nebengebäuden sinnvoller, wenn diese das Erscheinungsbild des Denkmals nicht stören. Denn Gemeindehaus und Kindergarten verbrauchen meist viel mehr Energie als das Kirchengebäude selbst. Warum die Solaranlage nicht dort anbringen, wo sie auch wirklich gebraucht wird?

Fazit
Solaranlagen auf denkmalgeschützten Häusern bewegen sich in einem großen Konfliktfeld des Denkmalschutzes: auf der einen Seite das Kulturerbe zu erhalten und auf der anderen Seite die geschützten Gebäude in der heutigen Zeit nutzbar zu machen und dem Umweltgedanken Rechnung zu tragen. Viele Behörden und Landschaftsverbände, deren Aufgabe eben diese Erhaltung des kulturellen Erbes ist, stehen der Verbindung von Energietechnologie und Denkmal eher skeptisch gegenüber. Sie haben Bedenken, was den Eingriff in die alte Substanz und die veränderte Optik betrifft. Für viele dieser Probleme gibt es mittlerweile Lösungsansätze. Dennoch muss im Einzelfall verhandelt werden, ob gemeinsam eine von der Denkmalbehörde mitgetragene Möglichkeit gefunden werden kann. Gerade bei Städten mit einem hohen Anteil denkmalgeschützter Bausubstanz könnten solche Lösungen dazu beitragen, weiteres Potenzial für den Ausbau von Solarenergie zu erschließen. Sollte es in den nächsten Jahren zu einem weiteren Zubau von Freiflächenanlagen kommen, wird es hier in Zukunft wohl ebenfalls vermehrt zu Konflikten mit dem Denkmalschutz kommen.

Weiterführende Informationen:

Denkmalschutz und Denkmalpflege beim Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW

Forschung des Fraunhofer ISE zu farbigen PV-Modulen

Fachbeitrag zum Thema Denkmalschutz und Windenergie auf dem EnergieDialog.NRW