Bürgerenergieanlagen: Welche Steuern fallen an? – Interview mit Steuerberater Herrmann Hibbe aus Essen

In NRW werden zunehmend Bürgerenergieanlagen wie beispielsweise Bürgersolaranlagen und Bürgerwindparks errichtet. Immer mehr Menschen nehmen auf diese Weise an dem wirtschaftlichen Erfolg der Betreibergesellschaft teil und profitieren von der gesetzlich gesicherten Einspeisevergütung. Doch wie sind die Erträge aus Bürgerenergieanlagen zu versteuern? Hermann Hibbe, Diplom-Kaufmann und Steuerberater in Essen, beantwortet grundlegende Fragen zu diesem Thema.

EnergieAgentur.NRW: Betreibergesellschaften von Bürgerenergieanlagen sind meistens als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Genossenschaft (eG) oder GmbH & Co. KG organisiert. Mit welchen Steuern müssen Bürger für die ausgeschütteten Gewinne bei diesen Gesellschaftsformen rechnen?

Hibbe: Ein Anleger kann die Investition in eine Bürgerenergieanlage über den Erwerb eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft tätigen, also an einer eG, GmbH oder AG. Eine andere Möglichkeit ist, dass er sich als Mitunternehmer in einer Personen­gesellschaft engagiert, also als Kommanditist an einer GmbH & Co. KG oder als GbR-Gesellschafter. Im ersten Fall – also bei einer Kapitalgesellschaft – wird bei einer Ausschüttung die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich des Soli­daritätszuschlags von 1,375 Prozent einbehalten. Damit ist für ihn die Steuer auf dieses Einkommen abgegolten. Bei einer Personengesellschaft hingegen fällt auf der Ebene des Bürgers die Einkommensteuer mit dem individuellen Steuersatz an und nicht die Abgeltungssteuer.

EnergieAgentur.NRW: Fallen für die Betreibergesellschaften selbst noch weitere Steuern an?

Hibbe: Für eine Kapitalgesellschaft fallen auf Unternehmensebene Gewerbesteuer an sowie Körperschaftsteuer, also die Einkommensteuer der juristischen Person. Die Körperschaftsteuer beträgt 15 Prozent des Gewinns. Die Gewerbesteuer als kommunale Steuer variiert je nach Hebesatz der Gemeinde. Bei einem Hebesatz von beispielsweise 470 Prozent liegt die Gewerbesteuer bei rund 18 Prozent des Gewinns. Es ergibt sich eine Steuerlast von rund 33 Prozent des Gewinns. Bei einer GbR oder einer GmbH & Co. KG wird auf Ebene des Unternehmens nur die Gewerbesteuer fällig. Für den Gewinnanteil, der einen Freibetrag von 24.000 Euro übersteigt, beträgt sie bei dem genannten Hebesatz auch rund 18 Prozent.

EnergieAgentur.NRW: Manche Anbieter von Anteilen an Bürgersolaranlagen oder Bürgerwindparks werben mit Steuervorteilen durch Verluste in den ersten Betriebsjahren. Funktioniert das auch tatsächlich?

Hibbe: Ja, das kann funktionieren. Dabei ist aber eins zu beachten: Wenn mit Steuervorteilen in den ersten Jahren geworben wird, dann handelt es sich um eine Beteiligung an einer Personengesellschaft. Durch Maßnahmen wie Investitionsabzugsbeträge oder Abschreibungen können zu Anfang steuerliche Verluste herbeigeführt werden. Da diese an den Anleger weitergereicht werden, reduziert sich die Einkommensteuer der Bürger. Denn die Verluste werden mit den sonstigen positiven Einkünften verrechnet. Bei einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft kann dies hingegen nicht gelingen. Denn die steuerlichen Verluste verbleiben bei der Kapitalgesellschaft und werden nicht an den Bürger weitergereicht.

Weitere Informationen finden Sie in dem Themenportal:

http://www.energieagentur.nrw.de/buergerenergie

Der Artikel ist zuerst erschienen im Magazin innovation & energie, Ausgabe 4/2011.

Im Portrait: Erste Bürger-Sonnenkraftanlage in Bonn

Abbildung 1: © Johanna Risse, Generalanzeiger Bonn

Nichts Spektakuläres, denn Solarmodule sind inzwischen landläufig bekannt, aber ein Novum für Bonn: Die erste Bürger-Sonnenkraftanlage wurde feierlich am 10. Juli 2011 im Stadtteil Beuel auf dem acht Meter hohen Dach des Bioladens Momo eingeweiht. Eingeladen hatten die Betreiber, Investoren und der Projektbegleiter, also die Solarzelle Bonn des gemeinnützigen SolarSolutions Network e.V. (www.solarsolutionsnet.de). Und es kamen viele, darunter auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

Jörg Hipper vom Projektbegleiter ist Wirtschaftsstudent an der Alanus Hochschule und Investor: „Wo ich herkomme, aus einem kleinen Dorf, gibt’s drei Bürgersolaranlagen in der näheren Umgebung. Und hier in Bonn keine einzige. Da dachte ich mir, das kann doch nicht sein. Da muss man doch was machen können.
Der Bioladen Momo verstand sich von vornherein als Informant und Netzwerker für das Vorhaben. Mit seiner Hilfe gelang es, Kunden für die Bürgerkraftanlage zu gewinnen. Betrieben wird sie von der Eigentümergemeinschaft des Hauses, in dem der Bioladen Mieter ist. „Wir wollten zeigen, wie einfach es ist, sauberen Strom zu gewinnen, und aktiv an einer umweltfreundlichen Stadt mitzuwirken. Nicht zuletzt erhoffen wir uns, die entsprechende öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken“, so Raoul Schaefer-Groebel vom Bioladen.

Abbildung 1:  Abbildung 2: © Pohlen-Solar, Geilenkirchen

Die Idee zu der Bürger-Sonnenkraftanlage entstand im April 2010 während einer Podiumsdiskussion mit Hermann Scheer, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien. Die Eigentümergemeinschaft gründete als Betreiber eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und entwickelte zusammen mit den Investoren und mit Hilfe einer fachlichen Begleitung durch die Solarzelle Bonn in wenigen Monaten ein Finanzierungsmodell ohne viel bürokratischen Aufwand. „Ganz einfach. Das heißt ohne Verein oder Genossenschaft, nur mit Hilfe von Darlehen in Höhe von je 5000 Euro zu einem festen Zinssatz“, so Fritz Pieper, Sprecher der Solarzelle Bonn. – Treibendes Motiv war den Investoren nicht so sehr das Geld, sondern vielmehr, Sinnvolles zum Klimaschutz in Bonn beizutragen.

Die Finanzierung erfolgte ohne Beteiligung eines Kreditinstituts. Die Darlehensverträge entstanden auf der Grundlage einer Synopse bestehender Darlehensverträge von Solaranlangen. Die Darlehen selbst sind unbefristet und jährlich kündbar. Der Betreiber, der keine Pacht für die Nutzung des Daches erhob und selbst Investor ist, gab für fünf Jahre eine Festzinszusage. „Danach wird unter Berücksichtigung des tatsächlichen Anlagenertrages und der dann aktuellen Verzinsung am Markt neu kalkuliert, so Fritz Pieper. Die Zinszahlungen an die Investoren erfolgen jährlich, wobei die Tilgung endfällig ist.
Die 88 in Wismar gefertigten Solarzellen-Module wandeln mit einer Spitzenleistung von 20 Kilowatt (Peak) täglich Sonnenlicht in Strom um. Im Jahresdurchschnitt sind das rund 17.000 Kilowattstunden Strom, der vom Bioladen Momo verbraucht wird – ausreichend für einen Vier-Personen-Haushalt. Eingespart werden zehn Tonnen Kohlendioxid jährlich.

2,4 Millionen Quadratmeter Dachflächen stehen in der Stadt zur Verfügung. Mit ihnen ließen sich über 290.000 Megawattstunden Strom erzeugen und 18 Prozent des gesamten Strombedarfs in Bonn decken. Ob es sich lohnt, in Solarenergie zu investieren, macht seit März 2010 der Solardachkataster jedem Hausbesitzer via Internet farblich deutlich und kalkuliert die Wirtschaftlichkeit seines Daches.

„Unsere Erfahrung lehrt: Bonner sind engagiert. Die Schwierigkeit liegt darin, Dach-Eigentümer zu finden“, so Raoul Schaefer-Groebel vom Bioladen Momo. Doch Fritz Piper ist sich sicher, dass die Bürgerkraftanlage in Bonn-Beuel nicht die letzte in Bonn gewesen sein wird.


Europawoche 2012 im Hochsauerlandkreis: Thema Energie im Fokus

Die Europawoche 2012 findet zum Thema „Energiewende in Europa – der Hochsauerlandkreis macht mit!“ mit drei Veranstaltungen vom 4. bis 10. Mai statt. In der Auftaktveranstaltung am Freitag, 4. Mai, von 15 bis 16.30 Uhr im Kreishaus Meschede, Steinstraße 27, erläutert der heimische Europaabgeordnete Dr. Peter Liese die Rolle der EU zum Klimaschutz und zur Energiepolitik. Von der Energiewende vor Ort berichtet Helmut Hentschel, verantwortlich für das Klimamanagement in der Stadt Schmallenberg.

 Zu einem Unternehmerfrühstück eingeladen hat die Wirtschaftsförderung des Hochsauerlandkreises in die Räumlichkeiten der Firma Olsberg Hermann Everken in die Hüttenstraße 38 in Olsberg am Dienstag, 8. Mai, ab 8.30 Uhr. Ekkehard Wiechel von der Effizienz-Agentur NRW wird zu Methoden, Praxisbeispielen sowie Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten bei der Ressourceneffizienz in den Betrieben referieren. Den zweiten Schwerpunkt bildet das Wärmesenkenkataster, das von Dr.-Ing. Wolfgang Wiest von der FH Südwestfalen vorgestellt wird.

 Das „Forum Energie“ im Kreishaus Meschede am Donnerstag, 10 Mai, widmet sich ab 15 Uhr der Energiewende in der EU, in der Region und vor Ort. Weitere Themen sind Energiesparmöglichkeiten für Mieter und Eigentümer sowie die Sonnenenergienutzung in der Praxis. Die Referenten kommen von der Verbraucherzentrale NRW, der Energie-Agentur NRW, der RWE Westfalen-Weser-Ems Netzservice GmbH, aus dem Bioenergiedorf Ebbinghof sowie von einem privaten Dienstleister.

 Abgerundet wird die Europawoche mit einer Ausstellung „Energie und Klimaschutz“, die vom 4. bis 10. Mai im Kreishaus Meschede zu sehen ist. Aussteller sind die Energie-Agentur NRW, die Verbraucherzentrale NRW und das Bioenergiedorf Ebbinghof.

 Interessierte können sich bei Tobias Eggenstein vom Fachdienst Strukturförderung, Regionalentwicklung des Hochsauerlandkreises unter Telefon 0291/94-2442 weiter informieren. Das Programm ist im Internet unter www.hochsauerlandkreis.de, Rubrik Wirtschaft und Kreisentwicklung, Europaarbeit, zu finden.

Kontaktdaten:

Pressestelle Hochsauerlandkreis
Martin Reuther (V.i.S.d.P.)
Steinstraße 27
59872 Meschede
Fon: 0291/94-1458
Fax: 0291/94-26134
Mail: pressestelle@hochsauerlandkreis.de
Internet: www.hochsauerlandkreis.de